Montag, 19. März 2007
Gruß von Graf Zahl

Nicht, dass es mir viel ausmachen würde, gestern knapp an der Top-Hundert-Plazierung von Blogscout vorbeigeschrammt zu sein. Wirklich nicht. Aber gestehe ichs offen: Meine Genugtuung, die Klickmaschinerie "DSDS" überholt zu haben, die fast 680 mal so viele Besucher verzeichnet wie mein Dunkelkämmerlein, ist nicht gering. Ich rätsle freilich nach wie vor, wie es rechnerisch zugeht, dass die ein- und ausgehenden Links soviel mehr Punkte bringen (Spalte rechts neben den Blognamen) als Besucherzahlen (noch eins weiter rechts). Und das noch dazu an einem Tag, an dem hier mangels aktuellem Eintrag nur unterdurchschnittlich viel los war.

Wo ich es grade auf der Liste sehe: Trauen Sie sich ruhig auch mal ins Blog-Bistro von Herrn Sebas. Aktuell werden dort 793 markige Sprüche gesucht. Und der Betreiber dieses Lokals wird es mir hoffentlich nachsehen, wenn ich es als Ehrensache betrachte, dass ich diese noch nie dagewesene Aktion hier in der Dunkelkammer unentgeltlich crosspromote (oder sollte ich sagen: kreuzpromoviere??). Naja, wie auch immer: Fisch oder Aal - egal, Karl*...
* der sollte reichen, um alle anderen Sprüche dort zu unterbieten, oder?

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Also wenn jetzt jemand,der keine Links hat,oder auch keine will,dann aber -um eine fiktive Zahl zu nennen-100.000 Besucher täglich hat,zählt er nicht mit?Das ist doch eine Milchmädchenrechnung,oder?

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Wie im Detail
der Besuchertraffic gegenüber den Verlinkungsfaktoren gewichtet ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Das geht für mich auch nicht aus der Punktezahl hervor. Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: In der Top-Liste wäre der Betreffende wohl nicht unter den ersten 500 oder 1000 Blogs - wohl aber in den Top-Reichweiten-Blogs, die von Blogscout ja nach wie vor erhoben werden. Dem Betreffenden stünde es nebenbei bemerkt ja auch frei, den Blogcounter in Anspruch zu nehmen, dessen Topliste mit dem netten Namen "Schwanzvergleich" bezeichnet wird (und dessen erhobene Besucherzahlen nicht wesentlich von denen abweichen, die der Blogscout misst).

Wie gesagt, ich verstehe den Ansatz von Dirk Olbertz nicht in den Details, aber ich kann zumindest das bestreben nachvollziehen, eine Währung zu bieten, die das Blogspezifische stärker fokussiert - und nicht nur eine weitere Reichweitenauswertung nach IVW-Standard liefert.

Man darf halt nicht den Fehler machen, aus solchen Top-Listen zuviel rauszulesen. Für mich liegt der größte Erkenntniswert eigentlich darin, dass gut vier Dutzend Leute auch dann vorbeischauen hier, wenn sich mal einen Tag lang nichts neues tut auf der Startseite.

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Ich bin da mittlerweile sehr skeptisch. Die Gewichtung kann einfach nicht stimmen, wenn Blogs mit 6 oder 10 Besuchern am Tag (egal, woher sie kommen) so stark nach vorne geschoben werden. Dafür benutzen auch viel zu wenige Blogs diesen Counter (ich vermute, Klicks und Links von Blogscout-Nutzer zu Blogscout-Nutzer zählen stärker). Ich kann einfach nicht erkennen, "wieso" und "warum" ich fünfzig Plätze weiter oben oder unten stehe und was das bedeuten soll. Mittlerweile überlege ich, das Dings rauszuschmeißen.

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Ich habs erst gar nicht drin das Dings,weil mir das alles schlicht und einfach zu blöd ist.Denn das ist schon so,wie Kid sagt-es kann nicht stimmen.Und ausschlaggebend sind für mich Besucherzahlen und kein einziger Link.

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Soweit würde ich derzeit nicht gehen,
dafür finde ich die Spielerei dann doch zu lustig (jetzt mal völlig losgelöst von Plazierungsfragen - es hat mich auch nicht gekratzt, in der Reichweitenliste irgendwo hinter Platz 500 rumzukrebsen). Aber Sie haben recht, dass die Gewichtung noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Mit grade mal zweistelligen Besucherzahlen soweit oben, das kann eigentlich nicht Sinn der Sache sein. Tatsächlich hat diese Zählweise das Manko, dass man nicht nachvollziehen kann, wie Schwankungen zustandekommen. In der Reichweitenbetrachtung kann ich hingegen klar sehen, wie die Besucherzahlen mit den Beiträgen korrelieren. Deswegen hat mich die heutige Plazierung auch so irrititiert - es hatte sich gestern nämlich gar nichts bewegt, und die Referrer waren heute früh auch nicht sooo üppig. Seltsam...

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Nachtrag:
Dank dieses Beitrags sehen wir ein wenig klarer:

(...) Jetzt aber zur neuen Topliste und der Idee dahinter. Als ich neben den reinen Zugriffszahlen dann irgendwann die Daten der Spielwiese vorliegen hatte, habe ich mir überlegt, was diese Zahlen denn aussagen. In/Out-Blogs und -Links sowie -Clicks sind ja aktive Verbindungen zwischen Blogs. Also nicht nur reine Verlinkungen, sondern tatsächliche Klicks. Alle eingehenden Blogs (In-Blogs) können somit als die “Reputation” eines Blogs angesehen werden. Wer mag, kann es auch “Awareness” nennen. Es beschreibt aber auf jeden Fall, von wie vielen anderen Blogs ein Blog so verlinkt wird, dass ein Besucher den Link klickt. Ob diese Reputation im Einzefall dann negativ oder positiv ist, bleibt für die Topliste egal. Jedes Blog selbst gibt die eigene Reputation nun aber ja an andere Blogs weiter. Dies entspricht in etwas der Idee des Google PageRanks: ein Blog ist “wichtiger”, wenn es von “wichtigen” anderen Blogs verlinkt wird. Bei Blogscout nur anhand der tatsächlichen Klicks und nicht nur durch eine reine Verlinkung.

Die Punkte werden nun wie folgt errechnet: bei jedem Blog wird die Anzahl der In-Blogs genommen und als Punkte auf alle Out-Blogs des Blogs addiert. Wenn mein Blog also 10 In-Blogs hat und ich 5 Out-Blogs habe, bekommt jedes der 5 Out-Blogs 10 Punkte von mir. Betrachtet werden dabei immer die letzten 7 Tage.(...)


OK, Aktiv geklickte Links (man könnte sagen Klinks) von Blogger A können je nach in/out-Link-Verhältnis mehr Punkte bringen als Klinks von Blogger B - was einige der Disproportionalitäten erklären würde. Wenn also die zehn Besucher aus Ihrem Beispiel, Herr Kid, irgendwelche Link-Gewaltigen sind, bringen die natürlich weit mehr Punkte mit als etwa die Abertausende, die überwiegend ungeklickt und unverlinkt bei DSDS einfallen. Und die Sieben-Tages-Betrachtung verhindert, dass die Besucherschwankungen (die wie hier etwa von der Postingfrequenz abhängen) allzusehr oder zumindest nachvollziehbar auf die Plazierung in der Topliste durchschlagen.

Ach ja, so weit, dass Blogscout-Nutzer-Klinks per se mehr zählen, müßten wir dann gar nicht gehen. Tatsächlich habe ich aber bei Technorati den starken Verdacht, dass der Eifer der Linksuche zu wünschen übriglässt, wenn man sich dort keinen Account einrichtet. Ich krieg z.T. Referrer und Backlinks, die Technorati ü-ber-haupt nicht auf dem Schirm hat.

Im Fall von Blogscout habe ich nach wie vor die Hoffnung, dass die Ergebnisse umso valider werden, je mehr Blogs an Bord sind. Und dass die Reichweitenzählung und andere Standards funktionieren, sollte man über dieser Top-Listen-Spielerei ja auch nicht vergessen.

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Hehe, am besten geht man auf das Blog eines A-Bloggers, der einen hoffentlich verlinkt hat und klickt von dort zehnmal am Tag sein eigenes Blog ;-)

Lisa9 hat es, glaube ich, angemerkt, daß dann ja Blogs benachteiligt werden, die viele Leser via Feedreadern haben, Leute, die selbst nicht bloggen oder welche, die die Adresse händisch in die URL-Zeile eintippen. So ist es bei mir ja auch: die Blogs in meiner Blogroll lese ich ja gar nicht (haha, nur ein Scherz), ich tippe alles per Hand in den Browser.

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Muss man halt bei den A-Bloggern kommentieren und dann auf seinen eigenen Link klicken, haha.

(Dieser Blogscout-Counter zählt mich schon einmal nicht.)

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Auch wenn die Top-Liste
mit ihrem Punktesystem ihre offenkundigen Schwächen hat, zählt der Counter als solcher den Traffic recht ordentlich. Ich finde auch die dahinterstehende Idee von Dirk Olbertz, eine blogspezifischere (also linkbasierte) Betrachtung neben die reine Trafficanalyse zu stellen, nach wie vor recht charmant. Das mag in der derzeitigen Variante noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber ich bin immer noch geneigt, der Chose eine Chance zu geben.

Nachtrag: Ja richtig, die Feedreader. Werden die denn bei der konventionellen Zählung von Visits und PIs inzwischen berücksichtigt? Das war ja lange Zeit auch nicht der Fall, insofern wäre man auf der Schwanzvergleichsliste vom Blogcounter genauso benachteiligt, wenn man viel über RSS gelesen wird. Ansonsten ist das Argument im Hinblick auf die Blogscout-Top-Liste aber eh hinfällig, weil da auch der konventionelle Traffic (im Sinne von Besucherzahlen) mehr oder weniger keine Rolle spielt...

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Wofür das alles? ;)

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Ach, Sie wissen doch:
vanitas vanitatum - wie alle Bloggerei, die nicht primär dem Berichten von Befindlichkeiten dient... ;-)

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Wobei die auch Eitelkeiten beinhalten kann. Ohne Counter. ;)

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Ohne Eitelkeiten
überhaupt keine Bloggerei, will mir scheinen. Dass mich aber jene Liste interessiert, ist tatsächlich weniger meinem Auftauchen dort geschuldet als der Tatsache, dass mich solche Datensammlungen in meiner Eigenschaft als Medienfuzzi auch beruflich angehen. So weiß ich einigermaßen Bescheid, wie die TV-Einschaltquoten erhoben werden und was Brutto- von Netto-Reichweiten unterscheidet. Entsprechend spannend finde ich es, ob unser geschätzter Blogger.de-Gesamtverantwortliche es schafft, eine neue Währung für die Messung von Blog-Klinks zu etablieren.

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Anfängerfrage
Wie hängt eigentlich die Platzierung in der Google-Liste mit dem Traffic einer Site zusammen? Oder hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun?

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Ich denke nein.
Google bemisst die Relevanz seiner Treffer soviel ich weiß nach dem Verlinkungsgrad und nicht nach Traffic. Ich wüßte auch kein zuverlässiges Verfahren, das Google permanent in Echtzeit das Trafficniveau jeder Seite liefern könnte. Dafür ist Alexa auch nicht ausgelegt (und nicht zuverlässig genug). Im Unterschied zu der Blog-Topliste von Blogscout unterscheidet die Suchmaschine auch nicht zwischen Links und aktiv geklickten Links, von daher wüßte ich nicht, wie der Traffic direkt oder indirekt in der Google-Sortierung eine Rolle spielen sollte. Ganz ausschließen kann ich es freilich auch nicht, denn so genau lassen sich die Jungs ´ja nicht in die Karten gucken.

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Wie erklärt sich dann, dass ich bei google nur die Begriffe gate und z. B. great eingeben muss, um mit der Site unter den ersten fünf auf der Liste zu stehen. Ich bin bislang nicht verlinkt. (Oder funktioniert sowas automatisch über die Portal-Verlinkung blogger.de?

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Sie sagen es.
Ihr Blog ist technisch gesprochen (nur) eine Subdomain, und so profitieren Sie natürlich ein wenig von dem hohen Verlinkungsgrad von blogger.de. In Ihren Referrern sehen Sie ja auch, wieviele Klicks über die Startseite des Blogbetreibers kommen und wieviele Ihnen vielleicht auf einen Kommentar von Ihnen auf der Hilfe-Seite oder von woanders gefolgt sind. Alles kleine Nüsslein, mit denen das Blog-Eichhörnchen mühsam Google-Relevanz knabbert. ;-)

Ich staune regelmäßig, was für bizarre Google-Erstplazierungen hier manchmal auflaufen. Beim Suchbegriff "kroatische schwarze Socken" stand ich mal ganz oben auf der Trefferliste...

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Mich wundert es – ehrlich gesagt – immer noch, unter den rund 40 Mio Eintragungen zu great gate seit zwei Wochen ausgerechnet ganz nach oben gemischt zu werden (1&2immerhin). Eingebildet und überheblich, wie es nun mal meine Art ist, dachte ich schon, das könnte am content liegen, womöglich auch nur an ein paar prominenten Zauberworten, auf die die Zähler reagieren. (Dazu kommt, dass das nicht nur mit google.de funktioniert. Ein Kumpel hat mir aus einem Kaff irgendwo in Vietnam gemailed, dass die Site von dort aus auch auf 5 geschmissen wird.

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Das sind halt so
die Fallstricke, die den Blog-Novizen leicht zur Sünde der Hoffart verleiten. Mit den ersten Saure-Gurken-Phasen im Bloggerleben kommt dann aber unausweichlich die nötige Demut wieder ins Spiel, sobald man feststellt, dass Suchmaschinen-Bots ein reales und menschliches Publikum nicht ersetzen können. Wenn es nicht ab und zu so herrlich bizarre Einsichten liefern würde, nach welchem Zeugs Mitmenschen im Netz suchen, dann hätte ich meine Dunkelkammer längst für Such-Bots gesperrt.

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Ja eben,
das berühmte, reale&menschliche Publikum. Wie soll es denn sonst Blogs wahrnehmen, wenn nicht über das große google-Auge? Ich brauch da gar keine erlesene Medientheorie bemühen, sondern kann mich an mein eigenes Herumklicken halten: Ich such mir die Seiten immer über Suchmaschinen anstatt mich durch Verlinkungen zu hangeln. Und wenn ich nicht den mir bis dahin völlig unbekannten Herrn Meyer nicht gegoogelt hätte, nachdem mir der Name Ende Februar beim alten Goetz aufgefallen war, hätte ich von der Existenz dieses Planeten (blogger.de) und seiner benachbarten Systeme wahrscheinlich heute noch keinen Schimmer. Und jetzt stellen sie sich vor, Google hätte mir erstmal die anderen Meiers/Maiers etc. vorgestellt... – und gerade erinnert mich die gute alte Hybris daran, dass ich noch gar nicht gecheckt habe, was bei google kommt, wenn ich blog /blogger tippe.

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Das ist ja kurios,
denn bei meine diesbezügliche Sozialisierung lief genau andersrum ab. Da gab es vor Jahren einen Kollegen, von dem ich die Blogadresse wusste, und bei dem habe ich halt eine Weile aus teils privatem und teils fachlichem Interesse gelesen, mich dann über Links zu seinen Kommentatoren und über diverse Blogrolls immer weiter durchgehangelt. Die Figur Don A. sagte mir noch was von Dotcomtod her, und als auf dem Rebellmarkt mein früherer Seniorpartner mal wieder gedisst wurde, habe ich mich eingeklinkt in die Debatte. Nach einer Weile des bloßen Kommentierens bei diversen Adressen hier und anderswo habe ich dann auch auf "Blog anlegen geklickt". Da war zu keinem Zeitpunkt maschinelle Intelligenz involviert, das lief wirklich nur über Beziehungen, Linksphären und Kommentare. Von daher überrascht mich Ihr Bekenntnis ein wenig. Aber vielleicht ist Ihr Weg hierher ja gängiger als ich mir vorstellen kann.

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Ich schätze schon,
dass ich da als user ziemlich repräsentativ bin. Und nicht nur, was die Internetgewohnheiten angeht, sondern, – und m. E. viel entscheidender – die Ausstattung. Das Medium Weblog ist für mich überhaupt erst relevant geworden, seit ich meine hardware inkl. Verbindungsmodi auf den state of the art bringen konnte. Das war vor eineinhalb Monaten. Jetzt hab ich diese applewunderwaffel, dsl und Schulden – und kann das Zeug, dass ich normalerweise nicht für potenzielle Netzuser, sondern anderweitige Verwendungen in die Maschine hau, in die Maschine UND ins Netz hauen. Dass das (inzwischen auch technisch) so einfach geht, hätte ich nicht geglaubt, bevor ich nicht selbst sogar das erste nur mit Hilfe dieser Mac-Maschine fabrizierte jpg einer alten Zeichnung mit eigenen Augen auf dem eigenen Blog gesehen hatte. Bei Audio-Dateien hat das bis jetzt nicht auf Anhieb geklappt, warum weiß ich nicht, aber dass auch das geht, weiß ich seit ich bei Ihnen das robbie-video anklicken durfte. Wenn Film und Ton für den Server nicht zuviel sind, wird ja wohl nur Ton auch nicht die Kapazitäten sprengen.
Aber was ich sagen wollte: Doch. Da hat sich m. E. seit Ihrem Einstieg einiges geändert. Jetzt werden allein aufgrund der Massenverbreitung ihrer technischen Voraussetzungen Blogs effektiver und zahlreicher genutzt – soweit ich das einschätzen kann, auch der einzige Grund, warum dieses Web 2.o überhaupt ein Thema sein kann. Aber das wäre jetzt eine andere Geschichte

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Vielleicht machen Sie sich
von den hohen Einstiegshürden doch ein falsches Bild, zumindest was die Hardwareseite angeht. Ich rödel auf einer vier Jahre alten Kiste hier herum, Herr Kid war bis vor kurzem noch mit Windows 98 unterwegs. Sicher, ohne DSL macht das alles keinen Spaß, aber ich habe meine ersten Ausflüge in (noch überwiegend textlastige Blogs) auch noch mit 56k-Modem absolviert. Aber das will ich jetzt auch nicht weiter vertiefen, sonst klingt das wieder nach "Oppa erzählt vom Krieg"... ;-)

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Probiers mal hier
um zu sehen, ob das dann auch dort steht. Also: Kann sein, schätze aber nicht, dass ich die Hürden zu hoch einschätze. Denn erstens gibts die ja wirklich, (will sagen, Zeit kostet einen diese Maschine schon) und zweitens meinte ich mit repräsentativ nicht Leute, die seit Jahren IT-Erfahrung auf dem Buckel und Blogs sozusagen erfunden haben, sondern eher so simple Netzuser, wie mich, die dieses Web tatsächlich erstmal nur als Angebot wahrnehmen. Und je besser das Equipment dieser User, um so leichter fällt ihnen auch, sich für das Angebot zu interessieren, jenseits der ebay-pornworld-welten, (die ich damit freilich nicht schlechtmachen will, weil ich weder was gegen Ebay noch Pornographie habe, solange man mich nicht damit belästigt). Dass ich außer Netz-User zudem zufällig auch Schreiberling bin und mir erst mein neues Web-Equipment tatsächlich offenbar ein Mittel in die Hand gibt realativ autonom sozusagen im Kulturbetrieb mitzumischen, ist eine andere Sache. Das teste ich jetzt halt mal aus. Oder wollen Sie mir verschuldetem Toren meinen Traum zerstören, Herr der Finsternis?

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Aber mitnichten,
ich möchte Sie ganz im Gegenteil ausdrücklich ermuntern. Wir sitzen da wenn auch nicht unbedingt im gleichen Boot, dann aber doch auf einem ähnlichen Gewässer. Ich bin ja auch kein IT-Ingeniör oder sonstwie großer Webchecker, sondern auch ein Schreiberling (weniger mit dem Kulturellen befasst als eher mit den ökonomischen Aspekten der Unterhaltungs- und Verblödungsbranche). Von daher gehört der Internet-Anschluss halt schon bisschen länger zum Handwerkszeug in meinem Homeoffice. Ansonsten habe ich mich in die Bloggerei aber genauso unbeleckt reingefummelt wie Sie auch. Mein journalistischer Mentor pflegte zu sagen: Es gibt keine dummen Fragen...

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Okay. Ich hoffe Sie wissen, worauf Sie sich mit dieser Ermunterung einlassen und – haben Sie auch selbst geschrieben, denn es kann ja sein, dass Sie vorhin nur kurz in der Küche oder im Swimmingpool waren und jemand anderer (Kinder zeigen angeblich häufig solche Neigungen) kurz mal ihren Bildschirm überflogen hat und es ganz witzig fand, einem Herrn der Finsternis per simuliertem Kommentar einen verschuldeten Toren bloggermäßig ans Bein zu binden. (Auch zänkische Frauen neigen übrigens laut US-amerikanischen Forschungen zu solchen Verhaltensweisen, warum weiß ich nicht.)

Aber im Ernst. Doch, ich hätte schon Fragen, möchte Sie freilich keineswegs zeitlich über Gebühr in Anspruch nehmen und auch vermeiden, Ihnen auch nur das Gefühl zu vermitteln, hier nur dumpf mit für Sie uninteressanten Belanglosigkeiten aufgehalten zu werden. Deshalb schieße ich mal eine erste definitiv nicht dumme Frage sozusagen ins Blaue, nur um zu sehen, ob Sie mir darauf antworten wollen:
Kann es sein, dass Zeitschriften à la Park Avenue, deutsche V.V. o.ä. Projekte ökonomisch inzwischen völlig vom Zeitungsmarkt abgekoppelt sind, da der zu erwartende verlagsbetriebswirtschaftliche Gewinn zum einen schon in der Entwicklungsphase (Piloten plus sagen wir fünf Nummern) realisiert wird und zum zweiten die Höhe der in dieser Phase real generierten Wertschöpfung bei fortlaufender Produktion von Auflage zu Auflage erfahrungsgemäß eher sinkt als steigt, nicht zuletzt weil die in den Businessplänen des Projekts angezeigten Werte (von Anzeigen, Verbreitungsgrad, Leserbindung etc.) erfahrungsgemäß sich in der Praxis als völlig haltlos erweisen. Okay, das war jetzt nicht sehr klar und gerade aus formuliert, aber doch: Halten Sie es als Fachmann für denkbar, dass Zeitungsprojekte von vorn herein so kalkuliert sind, am Kiosk zu floppen, und deshalb auch dann für den Verlag lukrativ erscheinen, wenn sie nicht mal ein Quartal überleben?
Wie gesagt. Nur mal so ins Blaue gefragt. Würde mich interessieren

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Das habe ich mich
angesichts manchen Printprojekts auch schon gefragt. Allerdings neige ich zu einem etwas anderen Erklärungsansatz. Wenn (was ich nicht als gegeben betrachte) tatsächlich das eine oder andere neue Ojekt von vornherein auf eher kurze Lebensdauer angelegt ist, dann eher nicht, weil es sich so schnell rentiert und danach der weitere Ertrag stetig absinkt. Realistischer schiene mir die Annahme, dass ein ansonsten durchaus lukrativ arbeitender Verlag aus steuerlichen Gründen einen Verlustbringer braucht. Ich denke aber eher nicht, dass solche Projekte a priori als Flop konzipiert werden, eher liegt es an verlegerischer Hybris und zu optimistischen Annahmen über Anzeigenumsätze und Vertriebserlöse, dass Verlage dann die Lust an ihren neuen Titeln verlieren. Manches Blättchen wird auch in den Markt gedrückt, um Konkurrenzobjekten das Leben schwer zu machen, das können Sie bei Frauen- und Programmzeitschriften wunderbar studieren.

Grundsätzlich ist aber schon davon auszugehen, dass Printobjekte auf langfristige Wertschöpfung angelegt sind. Schon allein, weil sie auch mit nicht unerheblichen Anlaufverlusten an den Start gehen. Von daher ist Ihre Hypothese eines Gewinn-Mitnehmens und Stecker-Ziehens nicht sehr wahrscheinlich. Zumal die Anzeigenkunden Einführungsrabatt kriegen, und der Leser am Kiosk erst mal mit einem günstigeren Einstiegspreis geködert wird. So sind die hohen Anlaufkosten für ein Blatt wie Vanity Fair oder Park Avenue bestimmt nicht mit vier bis fünf Ausgaben hereinzuholen.

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Realistischer schiene mir die Annahme, dass ein ansonsten durchaus lukrativ arbeitender Verlag aus steuerlichen Gründen einen Verlustbringer braucht.
Ganz sicher nicht.
Geplante/erwünschte steuerliche Verlustbringer funktionieren anders, insbesondere achtet man darauf, dass man dabei kein echtes Geld versenkt.

Ihr zweiter Ansatz ist in den meisten Fällen richtig:
eher liegt es an verlegerischer Hybris und zu optimistischen Annahmen über Anzeigenumsätze und Vertriebserlöse,
Auch Verleger und Redakteure sind nur Menschen und irren sich durchaus auch mal im großen Stil, grade wenn sie bisher erfolgreich waren in ihren Planungen. Hybris ist da ein gutes Wort, "Napoleoneffekt" wäre ein ähnliches.

"Flops" bei Neulancierungen allerlei Produkte/Geschäftsfelder sind durchaus normal und üblich. Im Rahmen der Portfolio-Analyse ist der Weg vom Questionmark zum poor dog manchmal sehr kurz, und lieber nimmt man ein Blatt schnell wieder vom Markt als dass man es auf längere Sicht als Verlustbringer durchzieht.

Manches Blättchen wird auch in den Markt gedrückt, um Konkurrenzobjekten das Leben schwer zu machen
Auch dieser Grund kommt ab und an vor, je größer der Verlag, desto eher die Neigung dazu. "Aushungern der kleineren" ist da das Stichwort. Der Markt der Zeitschriftenverlage ist ein sogenanntes "reifes Oligopol" - da sind kleinere nicht gerne gesehen.

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Hab anje jetzt nicht gelesen, drück das jetzt trotzdem rein
Die Verlustabschreibung wäre nach meiner Ansicht eine Möglichkeit, wie das gehen kann. Aber auch unabhängig davon, dass es sich für einen Verlag rechnet Verluste zu machen: Es rechnet sich doch auch – und das wäre der Punkt auf den ich hinaus wollte – wenn ein Verleger einer Redaktion z. B. 50 Mios bereitstellt, um im Lauf eines Jahres Kooperationsverträge (mit PR-Agenturen, Modehäusern, Amts- und Funktionsträgern bzw. ihren Vertretungen etc.) im Wert von 50 Mio plus x abzuschließen. Die Wertschöpfung bemisst sich dann natürlich nicht mehr auf dem klassischen Markt vermittels der verkauften Titel, also verkaufter Auflagenhöhe oder den davon sich ableitenden Anzeigenpreisen.
Unabhängig von diesen Rechnungen könnte ganz anders gerechnet werden, beispielsweise mit dem Geldwert von Marken&Markenzeichen (z. B. von Prada, Campell, Ferch, einem ARD-Blockbuster oder auch Merkel, Beck etc.):
Da deren Besitzer/Vertreiber ein natürliches Interesse an der Bekanntheit der Marke verfolgen, ist es in ihrem Sinn, dass entsprechende Medien-Performances mit möglichst hohen Summen bewertet werden. (Woran bemisst sich die Popularität eines Modells, wenn nicht an der Höhe des Preises der Anzeigenkampagne, für die sie eingekauft wird, oder denken Sie die entsprechenden Damen wären so populär, weil sie so hübsch und adrett aussehen?)
Ein Verlag kann diesen Umstand für sein Geschäft nutzen, indem er seine Ressourcen ( Druckerei, eine Horde Lohnschreiber/Reproanstsalt/Vertriebsnetz), dafür einsetzt für einen befristeten Zeitraum diesen Kunden ihre Performance zu garantieren. Mit Hilfe der ebenfalls zu den Ressourcen zählenden hauseigenen Marktforschungsgesellschaft werden virtuelle Parameter zur Erfassung des Geldwerts der Leistung (Performance-Garantie) aufgestellt, z. B. einkommensstarke Zielgruppen oder evaluierte Leserschichten, die sich zufällig als einkommensstark erweisen etc. Diese Paramter erlauben es den Medienpartnern Kooperationsverträge abzuschließen, die die Verwertung von Marken&Markenzeichen beispielsweise die Bild-Rechte für Kate Moss oder den noch nicht mal geschriebenen neuen Harry Potter-Teil in ungewöhnliche Höhen treiben. Ich stelle mir vor, dass ein Verlag nur maximal zehn solcher Verträge braucht, um aus seiner Zeitschriften-Investitution von 50 Millionen nach 12 Monaten exakt weitere 50 Millionen erwirtschaftet zu haben – ohne dass dabei mehr als vier Testtitel überhaupt den Kiosk gesehen haben.

Mir ist klar, dass das hier nur vage und etwas verworren klingt. Ich hab mir im vergangenen Herbst mal die Mühe gemacht, so ein Modell exemplarisch durchzurechnen, bin aber jetzt zu faul, den Text im Archiv zu suchen, außerdem dauert das hier ja schon viel zu lang. Aber wenn Sie das interessiert, komme ich mal genauer darauf zurück. Vorerst wollte ich ja nur, fragen, was Soe prinzipiell von Fragen dieser Art halten. Sie könnten ja auch einfach sagen, Hilfe, der Typ spinnt, bzw. von Ihrer Warte aus gesehen: Nein, bei Ihrer Frage kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen....

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Ah, Frau Anje
bringt noch mehr medienökonomischen Sachverstand in meine bescheidene Hütte. Das Stichwort mit dem steuerlichen Verlustbringer bitte ich nur als pars pro toto zu nehmen für eine Reihe von artverwandten Erwägungen. Mit dem Punkt "echtes Geld" haben Sie natürlich recht, aber in einem Großverlag ist das alles relativ. Da werden Kostenstellen (wie Personal) von a nach b verschoben und bisschen aufgestockt, die Einführungswerbung gibts in den anderen Titeln des Verlags kostenlos (in anderen konzernfremden Medien zumeist auf Basis von Gegengeschäften), Vertrieb ist im Grosso-Großpaket auch nicht so das Riesenthema, bleiben hauptsächlich Kosten für Druck und Papier. Kann man natürlich nicht verallgemeinern, nicht jede Neueinführung geht so unambitioniert an den Start wie Springers "TV Guide"...

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@the great gate:
Ihre Lesart basiert auf ein paar überaus idealistischen Annahmen, die ich jetzt aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht im einzelnen zerpflücken kann. Vielleicht kann Frau Anje nochmal ran. Auf die Schnelle nur soviel: Das Problem ist, dass der Verlag diese Transportleistung nicht mit gutem Gewissen garantieren kann vom ersten Tag an, weil es seine Zeit braucht, bis er tatsächlich den glaubhaften Leistungsnachweis (verkaufte IVW-Auflage, Reichweiten nach Media-Analyse etc.) erbringen kann. Bis dahin basieren alle geschäftlichen Vereinbarungen mit Anzeigenkunden mehr oder weniger auf Goodwill, das drückt entsprechend den Preis. Die Einführungsrabatte von neuen Titeln sind gelinde gesagt unsittlich. Das heißt, wenn ein Verlag wie G + J einen Titel wie "Park Avenue" nicht im Rahmen von titelübergreifenden Verlagskombis mitvermarkten würde, könnte mans vermutlich von vornherein knicken, damit je auf einen grünen Zweig zu kommen...

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Nachtrag:
Wie auch immer Sie es nennen und wem Sie als Verlag auch immer welche Transferleistung oder Performance garantieren, zentral ist und bleibt das Problem, wie Sie diese Leistung nachweisen wollen, nach der sich der Tarif Ihrer Transferleistung bemisst. Ob das jetzt Anzeigen-Tausendkontaktpreise oder per Befragung von der Zielgruppe erhobene Erinnerungswerte sind, ist dabei im Prinzip unerheblich. Es gibt ja im Fachzeitschriftenbereich Versuche, etwas anders aufgezogene Wertschöpfungsketten zu verwirklichen, da darf dann der Anzeigenkunde oder Vertriebssponsor mehr oder weniger genau und direkt in die Abonnentendatei gucken. Mit einem Publikumstitel funktioniert das so schon mal nicht. Der hauseigenen MaFo-Abteilung eines Verlags würde ich als Anzeigenkunde als Sponsorship-Partner erst mal gar nix glauben, was millionenschwere Verträge rechtfertigt. Aus diesem Grund hat man ja mit der Media-Analyse und der IVW-Prüfung eine übergreifende Validierungsinstanz geschaffen.

Hinter diesen Transparenz-Standard würde kein Werbeträger ohne Not zurückgehen. Es geht ja eher (auch durch den Druck von Online und Direktmarketing) in die andere Richtung: Werbung soll nicht nur gesehen werden sie muss auch verkaufen - und das bitte schön auch noch genau nachweisen.

Aber noch tiefer möchte ich an dieser Stelle nicht in die Materie dringen, das geht dann schon in den Bereich, in dem ich beruflich geldwerte Expertisen verfasse. ;-))

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>>Da werden Kostenstellen (wie Personal) von a nach b verschoben und bisschen aufgestockt,<<
grundsätzlich haben Sie Recht, aber in aller Regel erfolgt zumindest die Verschiebung der Personalkosten auf Grund des Peter-Prinzips, d.h. jeder versucht die "überflüssigen" Kosten aus seiner eigenen Kostenstelle rauszuhalten und dann beginnt die wilde Verschieberei, da kann es dann auch schon mal vorkommen, dass "aufgestockt" wird.
So kann es auch mal passieren, dass Personal auf ein "neues Blatt" verschoben wird, einfach weil es niemand in seiner eigenen Kostenstelle haben will, aber nur deshalb gleich ein neues Flop-Blatt rauszubringen halte ich doch für eine gewagte Unterstellung.

Sie haben natürlich Recht, dass die Kosten für eine neue Zeitschrift für große Verlage "überschaubar" sind, aber ganz ohne gutes Personal geht es auch nicht und das ist leider teuer (u.a. auch wegen der Opportunitätskosten) und kein Verlag verheizt seine guten Leute für ein von vornherein totgeborenes Kind.

Deshalb nein, niemand wird vorsätzlich, geplant und absichtlich einen verlegerischen Misserfolg produzieren, es ist höchstens so, dass ein Blatt, was eh schon nicht gut läuft, gerne noch mit extra vielen Kosten aus anderen Kostenstellen belastet wird, es ist ja eh dem Untergang geweiht, da kann man lästige Kosten dann wunderbar "loswerden", man produziert sie aber niemals extra dafür.

Und Herr Gate: Ihre Idee krankt schon an der Fragestellung, weshalb ein Verlag, um all die von Ihnen beschriebenen Vorteile einzukassieren, deshalb extra eine neue, todgeweihte Verlust-Zeitschrift herausgeben sollte, statt genau diese geldbringenden Verträge nicht kurzerhand mit einem bestehenden, erfolgreichen Blatt einzukassieren?
Und im übrigen sind all diese begehrten Verträge nicht an einen Verlag gebunden, sondern an eine konkrete Zeitschrift mit einer bekannten Auflagenhöhe und Leserschaft. Je größer die (gelesene!) Auflage, je konkreter die Zielgruppe, umso mehr kann eine Zeitung für Werbung, Kooperation oder ich weiß nicht was verlangen - aber bevor sie das kann, muss sie erst mit ihren Mediadaten in Vorleistung treten. Und genau deshalb scheitern so viele Blätter in den ersten Monaten: Das größte Problem ist die 1. Millionen....

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...und kein Verlag verheizt seine guten Leute für ein von vornherein totgeborenes Kind.

Ha! Dinge könnte ich erzählen. Dinge!

@Mark: Manches Blättchen wird auch in den Markt gedrückt, um Konkrrenzobjekten das Leben schwer zu machen, das können Sie bei Frauen- und Programmzeitschriften wunderbar studieren.

Genau so ist es. Da geht es erstmal um Marktanteile und die Angst, ohne "Me too"-Produkt eine eventuell lukrative Weide nicht abgrasen zu können. (Muß noch nicht mal Titel betreffen, das Spiel setzt sich ja in die einzelnen Ressorts, Heft- und Serviceteile fort.)

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Im Fazit
sind wir uns da ziemlich einig, liebe Frau Anje. Den Knackpunkt, dass man für solche Verträge ja kein neues Objekt braucht, hatte ich gar nicht gesehen. Sehr guter Einwand. Überhaupt: "Opportunitätskosten", "Deckungsbeitrag" oder "balanced scorecard" - das sind Wörter, wie ich sie hier noch viel öfter lesen will. Ich möchte endlich mal andere Suchmaschinentreffer als "Nicole Scherzinger nackt" und "S*xgeschichten Wickeltisch". ;-)))

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Richtig, Herr Kid,
die Kannibalisierung setzt sich manchmal fort bis in die kleinesten Einheiten: Das Thema xy müssen wir hier im Ressort "Leben" besetzen, sonst nimmt es uns die "Vermischtes"-Redaktion weg. Schweinerei, das geschnittene Brot wurde hier erfunden, und jetzt bietet auch das unternehmenseigene Billigblättchen Scheibletten als Beilage - wo bleibt da unser Alleinstellungsmerkmal (warum sagt eigentlich keiner die ju-ess-piiie? P steht doch für proposition???)...

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>>Ha! Dinge könnte ich erzählen. Dinge!<<

Hihihi, glaube ich Ihnen. Aber aus welcher Sicht?

Ich habe da zweieinhalb Jahre Lebensabschnittszeit mit einem Verleger zu bieten - und kenne daher auch den "privaten" Zirkel. (Alles eine Blase, aber wer hätte was anderes erwartet?) Und so rein privat kommen da schon mal ziemlich heiße Begründungen auf den Tisch. (Der X soll jetzt mal den neuen Titel machen, der ist mir in der letzten Zeit zu sehr ins Kraut geschossen, nachher bildet der sich noch was ein....)

War eine spannende Zeit und ich habe sehr viel gelernt (u.a. auch welche Bücher ich ganz sicher nie lesen muss....)
"Mein" Verleger war damals (vor gefühlten 100 Jahren) 20 Jahre älter als ich (heute habe ich aufgeholt, denn er hat irgendwann aufgehört älter zu werden) und ich denke, von denen hat mich keiner wirklich ernst- bzw. wahrgenommen, wenn es um "Männergespräche" ging. Ich hatte mein Studium aber schon abgeschlossen und wenn ich auch vieles damals nicht verstanden habe, so habe ich es mir trotzdem gemerkt und hatte später dann häufig "Aha-Effekte".
Das "Blondinenunterschätzungspotential" ist übrigens ein Fehler, den ich bei Männern schon oft beobachtet habe und mit Begeisterung ausnutze, schade, dass ich langsam ins Alter komme, denn meine aktuellen Männer kennen mich alle schon zu gut und meine Männerfluktuationsrate ist auch deutlich zurückgegangen.
Aber ein Rest "Blondinenwirkung" scheint noch vorhanden zu sein, denn erst neulich erfreute mich wieder ein Mensch mit der Frage: "WAS sind Sie von Beruf? Nein, das hätte ich jetzt nicht gedacht, so sehen Sie gar nicht aus."............

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>>Überhaupt: "Opportunitätskosten", "Deckungsbeitrag" oder "balanced scorecard" - das sind Wörter, wie ich sie hier noch viel öfter lesen will.<<

Grins - soll ich Ihnen eine meiner nächsten Vorlesungen als podcast aufnehmen?
Ich könnte unseren Facility Manager sicher um eine Feasibility Study zum Thema: "Audiometrische Reproduzierbarkeitsfeatures in und um die Hörsäle" bitten.

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Ja, die Rubrik, Täuschen und Tarnen ;-)

Aus meiner unprivaten Mitarbeitersicht kenne ich einige Projekte, bei denen der Verleger an seine Vision (s.o. "Hybris") tatsächlich geglaubt hat (wenn auch als einziger im Verlag) - und seine besten Leute darauf angesetzt hat, dem Baby das Laufen beizubringen. Nicht, um die zu Stutzen, sondern um es dem Markt oder den Mitbewerbern, ach sagen wir doch: Konkurrenten zu zeigen. Das wird natürlich dann so richtig deutlich, wenn der Verleger als Goldhändchen gilt - und zu spät bemerkt, daß seine Strähne gerissen ist.

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da wären wir dann wieder bei Napoleon.

Aber absichtlich verheizt hat er sie nicht, er hat halt an den Endsieg geglaubt. Das kommt vor.

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Lassen Sie mal stecken,
die BWL-Vorlesung, Frau Anje, Ihre Furtwängler/Burda-Romanze verspricht dann doch ein wenig packenderen Lesestoff. ;-)

Tja, Herr Kid, das Goldhändchen war vielleicht zu sehr damit beschäftigt, an der Westküste das Segel vom Surfbrett zu halten. Da hat man dann halt irgendwann nicht mehr die nötige Tuchfühlung mit dem hiesigen Marktgeschehen - so falsch war diese Diagnose seines späteren Käufers ja nicht. Ich wär ja gern stilles Mäuschen, um zu hören, was sich bei dem Internet-Projekt zum Thema Medien so tut...

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Ehrlich gesagt: Nichts gegen die Idee. Aber die Mannschaft Steuermänner dort... nun ja.

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Das deckt sich mit dem,
was bei mir ankommt. Um wuv, horizont und kress Wasser abzugraben (was durchaus kein unmögliches Unterfangen darstellt), braucht es nun mal Leute, die in diesem Business auch halbwegs satisfaktionsfähig sind. Und Leute von der Sorte sehe ich da im Moment nicht.

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Ich sach einfach mal herzlichen Glückwunsch und weiter so!

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Ihnen dasselbe,
aber hallo! Wollt ich neulich schon mal loswerden, aber da war grad zuviel Betrieb im Cove...

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Seit wann ist da Betrieb, ich vernachlässige das Baby leider gerade. Aber ich bin guter Dinge, wenn ich in einer Woche meinen nigelnagelneuen Highspeed Internetzugang habe, wird es gehegt und gepflegt. Und Danke, das motiviert, Sie wissen ja, das 2. Jahr ist das schwierige;-)

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@cabman. Das ist andererseits das Kreuz bei diesen Kommentaren: Man weiß nie, wer was warum wem sagt. Und deshalb stelle ich jetzt mal mit Foucault die Frage nach dem Autor und frage Sie wie der alte De Niro: Sie (zeigt mit beiden Händen auf sich) reden mit mir? Sie (zeigt mit beiden Händen auf den Gegenüber) reden mit mir? – Oder bin ich nur wieder in eine Unterhaltung geraten, die mich nichts angeht. Mehr Licht!

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Wenn Sie genauer hinsehen,
wird Ihnen nicht entgehen, dass der Cabman-Comment nicht so weit eingerückt ist in der Spalte wie unsere vorige Konversation. Daraus folgt, dass der Kollege oben am Eintrag auf "kommentieren" geklickt hat - und nicht unter Ihrer (oder meiner Kommentar-Einlassung). Aber wahrscheinlich sieht man das erst, wenn mans auch weiß, was das für einen Unterschied macht.

In meinen ersten Wochen hier gabs mal einen Kommentar-Thread, wo vier fünf Leute munter durcheinendergeschnackt haben, so dass binnen zwei bis drei Stunden mehr als 100 Kommentare aufliefen. Da hatte man richtig zu tun mit dem Sortieren, wer da jetzt auf wen antwortet...

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Alles klar
Is wirklich so. Ohne Hinweis keine Checkung. Richten Sie dem cabman bitte bei Gelegenheit aus, dass ich ihm nicht zu nahe treten wollte und der Kommentar trotzdem stimmt.

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Und kurz hinterher
Woher weiß die Maschine, dass dieser Kommentar hier nicht zum Thema gehört und rückt ihn ein wenig nach links, damit der nächste viewer nicht ins Grübeln kommt?

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Du hast dich jetzt an meinen Kommentar gehängt, der, wenn du mal zu meinem Ursprungskommentar "gehst", etwas weiter links steht. Hättest du dein Diskussioen weiterführen wollen, hättest du in deiner Kommentarreihe bleiben müssen. Wenn du z.B. zu marks Eintrag etwas Neues kommentieren wolltest, müsstest du ganz oben unter dem Eintrag auf kommentar klicken. Dann rutscht dein Kommentar automatischer weiter nach links. Probier mal. Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen?

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Mal schauen,
ob der Groschen jetzt gefallen ist.

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Wieder was gelernt
Oben comment:allgemein
Unten comment: aktuell
Meine Güte, wenigstens weiß ich noch, wie ich heiße...

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Nachtrag
Während Sie da oben Ihre praktischen Erfahrungen aus der Verlagswelt austauschten, hab ich mich jetzt doch ins Archiv bemüht, um mir meine Ansichten vom vergangenen Herbst zu vergegenwärtigen. Deshalb konnte ich leider nicht ad hoc dazwischenfunken. Nachdem ich die Kommentare jetzt nachträglich gelesen habe, muss ich mal richtigstellen, dass ich von einer völlig anderen Prämisse ausgehe, als die Diskutanten. Ich gehe nämlich nicht davon aus, dass sich gegenwärtig große Verlagsunternehmen bei und während der Planung und Durchführung von neuen Projekten (z.B. Vanity Fair) in einer Konkurrenzsituation befinden, in der Ihre klassischen marktwirtschaftlich geschulten Vorträge zutreffen würden. (Konkurriert und den Effizienzverfahren unterworfen nach den von Ihnen referierten Mustern wird m.E. nur innerhalb der Belegschaften oder zwischen den entsprechenden Abteilungen geschäftlich kooperierender Unternehmen. Der Verlagsunternehmer selbst hat ganz andere Probleme. Sobald er nämlich ein wirklich großer Verlag ist – also nicht nur eine Marke wie SPIEGEL –, sondern richtig flott und massig Geld verdient (Cashflow), steht er vor der Frage, wie er seine nota bene im Wochen-, Monatstakt erwirtschafteten Mittel, also das schöne Geld, möglichst effizient erneut zum Einsatz bringt. Und bei dieser Frage geht es m.E. eben nicht um die Validität von behaupteten Werbemaßnahmen, das korrekte Erreichen bestimmter Verkaufszahlen oder um andere vergleichbare gute oder schlechte Qualitäten von Medienprodukten/produktionen, denn das sind (aus der Sicht des Unternehmers) letzlich Preisfragen, das heißt, die kann er selbst entscheiden, indem er sich sowas leisten will oder eben nicht. Worauf ich mit meiner Frage hinauswollte ist nur, dass dem vorauslaufend doch eine Reihe simpler betriebswirtschaftlicher Kalkulationen in Betracht zu ziehen wären, die die Frage, ob sich ein "Blatt" auf "dem Markt" hält oder nicht, obsolet erscheinen lassen, da die ökonomisch relevanten Aktionen und Transaktionen schon mit Erscheinen der Null-Nummer passiert sind, und das Erscheinen einer neuen Zeitung auf dem Markt tatsächlich nur eine Erscheinung von profaneren marktwirtschafltichen Entscheidungen darstellt. Die jetzt hier genauer und en detail auseinanderzuklamüsern, hat sicher keinen Sinn. Aber gesagt oder zumindest angedeutet wollte ich das nun doch haben.

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Na ja. Manche "Me too"-Titel beispielsweise zielen ja nicht unbedingt auf Gewinn (in erster Linie), das wurde ja bereits gesagt.

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Eben.
Und welche ökonomisch relevanten Aktionen und Transaktionen im Vorfeld so bedeutend sein sollen, dass sie das weitere Geschehen am Markt mehr oder weniger unwichtig machen, dürfen Sie gerne etwas detaillierter ausführen.

Sie müssen ja schon davon ausgehen, dass Geld von außen zufließt. Allein von interner Kostenstellenverschiebung, steuerlich begünstigten Verlustvorträgen und dergleichen Spielereien mehr rechnet sich kein neuer Titel, bevor er auf den Markt kommt. Also ganz konkret gefragt: Wer sollte schon im Vorfeld von außen die beträchtlichen Mittel zuschießen? Noch dazu auf gut Glück, ohne Garantie, dass das Blatt auch ein Selbstläufer wird?

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Verzeihung,
aber von welchen beträchtlichen Mitteln ist die Rede, die da von außen zugeschossen werden müssten. Ich habe doch angegeben, dass ich von einem wirtschaftlich potenten Verlagsunternehmen ausgehe und sogar betont, dass ich nicht das Geschäftsgebaren des SPIEGEL oder auch beispielsweise des Verlags der SZ meine (um hier nicht in ein Hamburgfeindliches Licht zu geraten). Die Mittel kommen aus dem Cashflow einer Holding. Da sie als Überschuss in der Jahresabschlussbilanz zu Buche schlagen, können sie entweder versteuert oder nicht versteuert werden. Als tüchtiger Unternehmer entscheidet man sich für Letzteres. Die Frage ist dann, was man mit dem Geld macht. Dieses Geld wird in der Fachwelt Kapital genannt und steht seinem Eigentümer – in unserem Fall – einem Unternehmer, meinetwegen auch einer Holding, zur freien Verfügung. Er könnte sich damit Aktien kaufen und auf bessere Kurse spekulieren. Er kann sich aber auch zusätzliche Prodoktionsmittel und Belegschaften kaufen und also nicht spekulieren, sondern sich Geschäfte und Geschäftssparten erschließen, in denen er erfahrungsgemäß sicher sein kann, dass aus – sagen wir - 150 Mio binnen drei Jahren 150 Mio plus 15% von 150 Mio werden. Dazu braucht es kein "Außen", um es mal metaphorisch zu sagen.

Zum Selbstläufer: Was ist ein Selbstläufer?Meinen Sie eine seine Betriebskosten aus dem Geschäftserlös deckende Unternehmung? So gesehen gibt es im Mediengeschäft nur Selbstläufer, oder es handelt sich um Fälle für den Insolvenzanwal, sehr verkürzt gesagt. Aber auch darum ging es mir mit meiner Frage erklärtermaßen nicht. Das wäre ein völlig anderes Thema.

Tut mir leid, dass ich da in Ihren Augen womöglich nur auf der Metaebene herumreite, aber anders und vor allem kürzer kann ich die Sachverhalte wie ich sie sehe nicht darstellen. Schon das hier sprengt für meinen Geschmack die Form eines Kommentars. Ausführlich zu werden, hieße jetzt die fast sieben Seiten aus dem Archiv dranzuhängen und womöglich zu erläutern, dass es sich um eine fiktionale, zugleich gerafft ökonomische rhabarber rhabarber. Und das will ich ehrlich gesagt niemandem zumuten, der zurecht nur mit einer Antwort rechnet.

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Vielleicht stehe ich
ja völlig auf dem Schlauch, aber mir scheint, dies hier:

Er kann sich aber auch zusätzliche Prodoktionsmittel und Belegschaften kaufen und also nicht spekulieren, sondern sich Geschäfte und Geschäftssparten erschließen, in denen er erfahrungsgemäß sicher sein kann, dass aus – sagen wir - 150 Mio binnen drei Jahren 150 Mio plus 15% von 150 Mio werden. Dazu braucht es kein "Außen", um es mal metaphorisch zu sagen.

enthält, falls wir nicht aneinander vorbei argumentieren, einen fundamentalen Denkfehler:

Das Geld, das der Verleger in so ein Projekt steckt, ist erst mal weg. Punkt. Und zwar auf den Gehaltskonten der Mitarbeiter, in den Kassen der Druckerei und der Vertriebspartner. Wo, wenn nicht aus externen Geldquellen (und das sind in der Regel nun mal Vertriebserlöse und Anzeigeneinnahmen), sollen da 15 Prozent Rendite auf die eingesetzten Investitionen herkommen?

Sie sprechen von Geschäften und Geschäftssparten, die es zu erschließen gilt. Das ist es, was ich mit "Außen" meinte. Eine Redaktion, die dasitzt und Papier vollschreibt, kostet Geld, bringt aber keins. Also muss das bedruckte Papier einem Leser verkauft werden, der dafür zahlt und/oder Anzeigenkunden, die für die Transportleistung ihrer werblichen Inhalte zu den gewünschten Zielgruppen einen anzeigentariflich ferstgesetzten Obulus bezahlen. Für etwaige anderweitige geldwerte Interessen, die welche Geschäftspartner auch immer mit der Existenz dieses Titels verfolgen könnten, gälte das Gleiche.

Aus den genannten und anderen Gründen sind Periodika eben nicht per se Selbstläufer. Denn der Verleger (daher kommt der Begriff übrigens) geht erst mal in Vorlage in der Hoffnung, dass das eingesetzte eigene Geld Fremdgeld in die Kassen spült. Ohne externe Erlösquellen rechnet sich kein Printobjekt. Und dabei spielt es auch nur eine nachgeordnete Rolle, ob der Verleger die Mittel für sein neues Objekt aus dem Gewinn oder meinetwegen auch Cash-Flow (sprich den verfügbaren Mitteln inklusive des Gewinns) oder meinetwegen aus Krediten zu Wucherzinsen nimmt. Das sind ein paar Stellschrauben, aber nichts, was die Printwelt im innersten zusammenhält.

Diese Sicherheit, in drei Jahren 15 Prozent auf die eingesetzten Mittel zu kriegen, haben Sie nun mal nicht - und im Verlagsgewerbe schon gar nicht. Der Zeitschriftenmarkt ist überfüllt, die Floprate hoch, von der zunehmenden Medienkonkurrenz im Internet will ich hier gar nicht anfangen. Aber vielleicht denke ich ja viel zu systemimmanent, als dass ich das gelobte Land sehen könnte, in dem die fundamentalen Gesetzmäßigkeiten, die ich kenne, außer Kraft gesetzt sind. Womit ich die potenzielle Existenz dieses gelobten Landes übrigens nicht bestritten haben will...

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Kann es sein, dass ein Text, in dem Passagen Ihres Kommentars per copy/paste enthalten waren, bis auf ein Zitat automatisch im Daten-Nirwana verschwindet, sobald man ihn zum hier Einsetzen kopiert? Blöde Frage, klar. Aber nach einer Antwort wäre mir irgendwie wohler.

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Nun,
dergleichen passierte mir vereinzelt auch schon. Dann lag das aber nicht an eingefügten Passagen aus anderen Kommentaren, sondern daran, dass ich zu lange im Eingabefenster rumgeschrieben habe, dann zwischenzeitlich ausgeloggt wurde und nach dem Wiedereinloggen plötzlich nicht der allerletzte Stand auf dem Monitor stand. Mit zweimal "zurück" konnte ich meistens aber schlimmere Verluste verhindern. Dafür wirds bei Ihnen jetzt zu spät sein, fürchte ich. Da hilft nichts, als noch mal ran (oder in Word zu schreiben und das Elaborat dann ins Eingabefeld einzufügen)...

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Na ja. Ich hab doch alles erstmal in Word geschrieben, fast zwei Stunden lang, und dann kopiert, und dann hier eingegeben, und dann stand nur das letzte von den drei Zitaten hier. Und im Word-Text stand auch nur dieses Zitat. Und der Schock will sich nicht legen, auch nach dem zweiten Schreikrampf nicht. Bin ich so blöd! Kann ich so saublöd sein, auf genau den falschen Knopf zu drücken, der alles kaputt macht? Das gibt es doch nicht! Und eine Zwischenablage, wo man wie früher wenigstens noch verzeifelt suchen konnte, hat dieses neue Drecksding auch nicht. Ich weiß, Sie können nichts dafür! Aber ich kann auch nichts dafür. Im ersten Moment dachte ich wirklich, es gäbe so as wie einen virtuellen Kopierschutz, der halt so funktioniert, und es wäre halt meine Schuld, wenn ich das mit copy/taste zitiere, als selber abzuschreiben. Aber das ist natürlich Unfug. Das kann nicht sein. Aber ws dann. Ich kann doch nicht so blöd sein, was zu löschen, was ich eigentlich eingeben will. Aber was sonst. Tut mir leid. Ich weiß, es nervt. Aber so ist das gewesen. Und ich weiß nicht, ob ich mich nochmal zwei Stunden hinsetzen werde, um Ihnen zu erklären, dass Sie sich in punkto Geld des Unternehmers fundamental irren, weil dieses Geld eben nicht weg ist, sondern eben investiert, in eine Agentur, die mit diesem Geld dann so ein Projekt hochzieht, und dass da Mitarbeitergehälter und so erstmal überhaupt keine Rolle spielen, weil die nicht ins Gewicht fallen verglichen mit den Gesamtvolumina so eines Projekts oder eben zu den Fixkosten eines großen Verlages gehören, die er ansonsten ja auch hat für die anderen Projekte, die ihm den Cashflow erwirtschaften, aus dem dieses neue Projekt finanziert wird. Der Verlags-Unternehmer muss keine Schulden machen, er muss nur Wege suchen aus dem flüssigen Geld noch mehr Geld zu machen. Der Handel mit Papierwaren an Kiosken und so, ist da nur ein Umweg. Der kürzere Weg ist, mit Leuten, die die frohen Botschaften, wichtigen Meldungen, tollen Ideen, dümmsten Witze von z. B. Firmen, Ämtern, Agenturen und so an den Mann, unters Volk, in die Öffentlichkeit bringen wollen, Verträge abzuschließen inklusive Verträge zur Sicherung der Gewährleistung. Da steckt die Marie drinn, nicht in der Ladenkasse. Und zu den Kosten. Welche Kosten bitte? Die Preise für Texte, Bilder und so, also dieses berühmte "Kreative" der Premium-Content, der sowas angeblich so teuer und so riskant für den Verleger macht. Ja wo denn? Ein Lauterbach-Exklusiv-Vorabdruck kostet maximal 20 000. Kelly Trump machts für 4. Die gesamte deutsche Literatur kostet von Goetz bis hinunter zu Krausser pro Seite a 6000 Anschläge nicht mehr als maximal 3000. Goetz wird wohl noch am meisten verlangen können, dafür machens ihnen dann Deppen wie der Krausser wahrscheinlich umsonst, wenn der Verlag mit künstlerisch wertvollen Illustrationen winkt. Textproduzenten (Autoren) sind alle billig. Was dafür ausgegeben wird ist kein Geld, das ist wahrscheinlich nicht mals ein Sechstel des Etats, den die Agentur zur Verfügung hat, um die wichtigeren Kosten des Geschäfts zu decken, der Makler (eigentlich Starfotograf und Weltkünstler), der für ein Jahr garantiert, dass von Pra bis Da ein Jahr lang im Wert von sagen wir 6o Mio geschaltet wird, die PR-Agentur, die die Deals mit den Hotelketten, Fluglinien einerseits, und den Scharpings und von Ich-brauche-eine-meiner-Sellung-angemessene-Außendarstellung-und Taxis andererseits zum Ausgleich beiderseitiger Interessen auch juristisch wasserdicht in die berühmten trockenen Tücher packt, denn es handelt sich doch um Journalismus, vierte Gewalt, you know, wird sogar in der Verfassung erwähnt, Meinungsfreiheit und so, da kann man nicht einfach nur Anzeigen verkaufen, nein, das muss alles ordentlich ausgehandelt werden, und rentieren muss es sich auch. Und es rentiert sich auch. Aber eben nicht über den Ladenverkaufspreis oder die lächerlichen Dumping-Abos, die billiger sind als die Briefmarken, mit der sie regulär mit der Post verschickt werden müssten. Darüber wird geredet, aber das ist nicht, was für den Verleger zählt. Der kann die Deals mit dem Makler und der PR-Agentur im voraus verrechnen. Der macht seine durchschnittliche Kapitalrendite, bevor er überhaupt vor der Frage steht, ob nach Lage der Dinge nicht vielleicht ein anderer Chef-Blattmacher angesagt sein könnte, weil der erste irgendwie verbraucht wirkt. Und so weiter. Alles leider weg. Und as ist schade. Denn das hier ist nur ein Abklatsch aus der Hüfte, verglichen mit vorher, als ich Punkt für Punkt Ihren Kommentar durchging, und Ihre Annahmen als ein wenig idealistisch darstellen wollte. Scheiße! Perdu.
Ich komm wieder, wenn ich mich beruhigt habe.

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Wie misslich!
Denn besonders dieser Gedanke

Der kürzere Weg ist, mit Leuten, die die frohen Botschaften, wichtigen Meldungen, tollen Ideen, dümmsten Witze von z. B. Firmen, Ämtern, Agenturen und so an den Mann, unters Volk, in die Öffentlichkeit bringen wollen, Verträge abzuschließen inklusive Verträge zur Sicherung der Gewährleistung.

täte mich nun wirklich im Detail interessieren: Was wäre genau Gegenstand der Vereinbarung - wie genau würden die Verlagsobjekte als Transmissionsriemen der Vertragspartner wirken, und wie hätte man sich die Erfolgskontrolle vorzustellen?

Denn auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen: Kein Mensch schließt millionenschwere Verträge mit einem Medium ab, in denen nicht en detail festgeschrieben ist, welcher zähl- und messbare aufmerksamkeitsökonomische Gegenwert erbracht wird. Dass ein Verlag da mit einem neuen Objekt auf Vorkasse hoffen kann, scheint mir doch ein wenig blauäugig.

Aber ich will Sie nicht weiter mit Einwänden gegen ein Modell bombadieren, das ich noch gar nicht richtig drehen und wenden konnte. Sammeln Sie sich, schlafen Sie notfalls noch mal drüber, dieser Thread läuft uns nicht weg...

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Hier noch ein bisschen Denkstoff
aus dem Abstract einer Studie, das mir grade passend zu unserem Thema in die Mailbox plingt:

Eine weitere gravierende Veränderung komme der Studie zufolge auf Verlage durch die zunehmende Forderung der werbetreibenden Industrie nach profil-basierten, targetierten und
erfolgsorientierten Werbemodellen zu. Dem Wandel von der rein reichweiten- oder marken-orientierten Kundenansprache haben Verlage bis dato kaum etwas entgegenzusetzen.

All das macht es laut Timelabs notwendig, dass die Verleger nicht nur ihr Kompetenz-Spektrum erweitern (insbesondere im Bereich Technologien), sondern sich im Grunde neu erfinden. Folgende Komponenten sollten nach diesen Angaben unter anderem Grundlage für eine Neuausrichtung der Verlage sein:

Drittinhalte von Nutzern oder Wettbewerbern müssen nicht nur zugelassen, sondern integriert werden. Konstituierend für das Geschäft sollten nicht mehr nur Inhalte, sondern am Nutzwert des Users (und der Werbetreibenden) orientierte technische Applikationen (z.B. Matching-Algorithmus, Geo-Tagging, 1:1-Targeting Tools, automatisierte Werbeabrechnungs-Tools)
sein. Mit der Generierung von Profildaten müssen sich die Verlage, so die Timelabs-Studie weiter, eine neue "Asset-Klasse" erschließen und aus Zielgruppen Zielpersonen machen. Daraus resultierend sei es notwendig, Informations- und Werbe-Content, der sich früher an große Zielgruppen richtete, zu individualisieren und der werbetreibenden Klientel die Wirksamkeit ihrer Werbebotschaften nachweisen zu können.

Das alles könne nicht ohne bedeutende Investments erreicht werden, die auch dann realisiert werden müssten, wenn sie nicht mit einer Stärkung der Print-Stamm-Marke korrelieren. Denn erfolgreiche Print-Marken seien kein Garant für nachhaltig erfolgreiches Internet-Geschäft. "Im Sinne einer Gesamtbewertung bisheriger Verlagsaktivitäten im Internet lässt sich konstatieren, dass Publisher nur unzureichend ihre Möglichkeiten zur Kunden(ein)bindung und Erlösgenerierung im Web ausschöpfen. Es scheint
eher so, als ob Verlage nur solche Online-Aktivitäten adaptieren, die eine Nähe zum klassischen Stammgeschäft aufweisen und andere Engagements, die eine Ausweitung oder gar Substitution des bestehenden Stammgeschäfts nach sich ziehen, meiden. Mit einer Fortsetzung dieser Haltung werden Verlage weitere Marktanteile an (branchenfremde) Dritte verlieren", erläutert Marc Ziegler, Timelabs-Geschäftsführer und Co-Autor der Studie. (...)


Ach ja, mit diesem Marc bin ich weder identisch, verwandt, verschwägert oder geschäftlich involviert...

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Uh. Ich rate ich mal blind (ohne Googeln), dass da jemand versucht, Bedarf für Beratungsleistung zu generieren.

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Das spielt hier sicher mit hinein,
muss aber nicht das primum movens dahinter sein. Das publish-or-perish-Ding alleine erzeugt ja auch einen gewissen Druck. Ich habe mit Kollegen übrigens schon ähnliche Expertisen für ein Zukunftsforschungsinstitut zusammengetackert, das hier sind überwiegend Sachen, die wir vor zwei Jahren auch schon längst auf dem Schirm hatten. Allerdings haben wir nicht ganz so McKinsey-mäßig dahergeschwurbelt. ;-)

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Um noch mal auf das Thema zurück zu kommen (auch wenn ich den Meinungsaustausch über Printprojekte als Tontaube spannend finde): Ich bin mal beim Blogscout auf den Schoß gesprungen und jetzt, nach zwei Tagen, gibt er mir bekannt:

20.3.2007 - Platz 1447
21.3.2007 - Platz 729

selber gucken

Geben Sie mir noch ein paar Wochen, und dann sehen Sie mich im Rückspiegel ...

brumm brumm!

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Hättense dat Dingen
mal paar Tage früher installiert, dann hättense dat Erlebnis vielleicht schon gehabt. Meine Reichweiten schwanken ja auch erheblich, und der Traffic-Vorsprung ist im Schnitt eher gering. An den Links müssense halt noch bisschen schrauben (1 Dahlmann-Besuch ist aber schon nicht schlecht;-)).

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Genau. Den Dahlmann hänge ich mir neben Jonny Häusler und Herrn Kantel (lang lang ist’s her ...)

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Stehe hier wieder falsch, aber egal
Nur kurz zu Ihrem Abstract-Atikel. Der Herr – ich glaub Herr kid wars – hat völlig recht. Das nennt man ein klassisches Beispiel für einen Bedarf an neuen Aufwendungen herbeidozieren. Ich habs leider nur überflogen, aber wenn Sie genau lesen, werden Sie sehen, dass sich die Innovationen, die da den Verlegern nahe gelegt werden durch zwei Eigenschaften auszeichnen: Erstens sind Sie kapitalintensiv, es geht um die Aufrüstung des Equipments inkl. der neuederdings überall gefeaterten Produktivkraft "akademisches Wissen", knowledge" etc. und zwar nicht irgendwelches Wissen, sondern in Gestalt von Fordchungsprojekten. Zweitens steht da auch ziemlich unverschlüsselt, dass die Verlage sich um die freie onlline-Szene zu kümmern haben. Das kenne ich als " einen Bereich /Segment / propertie "claimen", das heißt in dem Fall für die Verlage, als eigenes Anwendungsfeld in Anspruch nehmen, wwas bislang wohl ohne sie gelaufen ist. Das klingt zwar so als Rosenkranz dieser diplomierten Medienwirte mit Sondervollmacht IT heruntergebetet immer nur nach Innovationsfreundlickeit, Zukunftsbereitschaft und allgemeiner Fortschritt. Als Klartext lese ich da aber schon auch die ansage durch, dass man da sich jetzt von berufener Seite um diese unaufgeräumten frei flottierenden Bloggerwelten kümmern muss, bevor die womöglich geschäftsschädigend wirken, so fei flottierend und ohne diese Markenstrukturreichweitenanalysenscheiße, die – und das wär der letzte Punkt, mich immer daran erinnert, dass es als ich noch KW studiert habe, schon üblich war, dass sich McDonalds bewerben ließ, indem er vom Zeitungswissenchafltichen Institut der LMU sein Image untersuchen ließ, will sagen. Da wurde in Seminaren ausgewertet wie oft und mit welcher Konnotation die Marke in den Medien präsent war. In der öffentlichen Studie kam ann heraus –surprise – dass die Firma einen schlechteren Ruf in den Medien habe als bei en Kunden. Und jetzt raten Sie mal, wer diese Forschung nicht finanziert hat, bevor ich nachfrage, welches natürlich unabhängige Institut sich das Medium (?) abstract leistet, denn momentan rate ich, dass das irgendein Forschungsverbund ist, der sich die medientechnische Entwicklng der Gesellschaft uf die Fahnen geschrieben hat, salopp gesagt, oder so.
Muss jetzt leider weg, komm später darauf zurück

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Diesen Verblendungszusammenhang
haben Sie sehr schon dekonstruiert. Ich präsentierte Ihnen dieses Exzerpt im Übrigen ja nicht, weil ich mir dessen conclusio völlig zu Eigen mache. Vielmehr wollte ich Sie damit kurz und knackig damit konfrontieren, was auf den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerkonkressen so an talk of the town herumschwappt. Ich denke, für grundsätzlich neu gedachte Geschäftsmodelle im angestammten Gewerbe hat da kaum einer Phantasie. Von daher wäre ich umso neugieriger, wie Sie die Wertschöpfungskette auseinandernehmen und wieder zusammensetzen wollen.

Dem obenstehenden Elaborat entnehmen Sie aber auch, unter welchen Performance-Druck die Marktpartner Verlage setzen, nicht nur Zielgruppen herzuschaffen, die sich beim Blättern bitteschön auch die schönen Anzeigenstrecken angucken und für dieses zweifelhafte Vergnügen auch noch bezahlen. Und wenn nicht, dann wenigstens auf verlagseigenen Websites und Community-Angeboten die Daten-Hosen so weit runterlassen, dass jeder Werbekunde genau weiß, aha, hier schiebt ein Vegetarier seine Maus herum, da brauchen wir unsere Schweinebauch-Bannerwerbung schon mal nicht zu schalten.

Will heißen: Für die großen Würfe, die Ihnen vorschweben, um das Pferd grundsätzlich anders aufzuzäumen, ist vor lauter Mikromarketing und Pay-per-click-Gedöns vielleicht gar nicht mehr der notwendige visionäre Raum vorhanden...

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Da bin ich ja mal froh,
von Ihnen nicht hinters Licht geführt worden zu sein. Normalerweise hätte ich da anders zugelangt, aber es hätte ja auch sein können, dass Sie diese Verblendungszusammenhänge nicht nur in Ihrer Mailbox finden, sondern sozusagen davon leben an ihnen mitzuwirken. Und nichts liegt mir ferner, als Existenzgrundlagen in Frage zu stellen.
Die Frage nach Sinn und Bedeutung solcher Elaborate lasse ich vorerst auf sich beruhen, nicht zuletzt weil mir die praktische Erfahrung mit dieser Art Berufswelt fehlt. Wenn Sie sagen, dass sich mit sowas erstens ganze Konferenzen bestreiten lassen, ohne dass die Chose schon vor der ersten Zigarettenpause auffliegt, und zweitens sich Verleger – und wir reden doch von Verlegern und nicht armseligen Kreditnehmern mit Aufbaustudiengang Kulturbetriebswirt Schwerpunkt Neue Medien, die sich Verleger nennen, weil sie sich das im Desktop-Verfahren auf ihre Visitenkarten drucken können – also dass sich zweitens echte Verleger davon beeindruckt zeigen, dann muss ich Ihnen das jetzt einfach glauben, auch wenns mir schwer fällt.
Obwohl. Wenn ich mir einen Hubert Burda ansehe, dessen Unternehmen ja durchaus dem eines echten Verlegers entspricht, dann glaube ich Ihnen Ihr Szenario unbesehen. Denn dieser promovierte Hubert ist nicht nur dumm wie Brot, sondern hat auch einen fatalen Hang zu Höherem. Früher waren das seine Künschtler, die ihn als Mäzen hofierten; seit ihm der alte Markwort das Geschäft führt sieht er sich mehr als Förderer der vischionähren Wischenschaft. Dass so einer mit roten Ohren in der ersten Reihe sitzt, wenn beispielsweise ein Abstract-Fitti einen ganzen Saal mit seinen Mediaanalysen vollschwallt, kann ich mir vorstellen und nachvollziehen. Vor kurzem kam nämlich ein Burda-Porträt im Ersten, fast Prime-time. Von Burda für Burda. Und was für eine Lach- und Schießbudenfigur da als geniale Unternehmerpersönlichkeit am Ende herauskam, kann sich wahrscheinlich nur denken, wer diese Burda-Jubelarie selbst gesehen hat. Es fehlte nur noch, dass er sich vor laufender Kamera den Ehrendoktorhut der Uni Panama aufsetzt und der mediale Depp wäre vollkommen gewesen. Aber da hatten wohl wenigstens die Cutter ein Einsehen.
Kurzum: Doch, ich gebe zu, dieses innovative Unternehmens-Marketing-Gerede, das m.E. nicht zuletzt einfach dazu da ist, den Mittelbau mit sich selbst zu beschäftigen – schließlich können die teuren Immobilien nicht leer stehen, sondern müssen institutionell bespielt werden – prägt schon auch die Geschäftssphären, allein schon sprachlich, und ach genau – gibt ja sogar ein Modewort dafür, sie nennen es Unternehmenskultur.

Zu den mir vorschwebenden Würfen: Missverständnis! Mir gehts nicht darum, das Rad des unternehmerischen Erfolgs im Verlagsgeschäft neu zu erfinden oder zu behaupten wie das gehen könnte. Ganz im Gegenteil. Mir gings nur darum herauszufinden, worauf der vorzufindende Erfolg beruht, – und ob sich womöglich angebliche Misserfolge nicht doch als nur scheinbar schief gelaufene oder gerade schief laufende Projekte erweisen, wenn man sich mal die Sache aus einem anderen Blickwinkel genauer ansieht. Ich hab das mal versucht und bin schlussendlich unter anderem auch auf diese Frage gestoßen, mit der diese Unterhaltung hier vor drei (?) Tagen angefangen hat. Unter uns. Wenn ich gewusst hätte, dass sich das so hinzieht, hätte ich sie nicht gestellt, sondern mir erst meine Skizze angeschaut, sie auf den aktuellen Stand gebracht, und dann erst hätte ich vielleicht die Frage gestellt, ob es denkbar ist, dass für einen Verlag in einer Projektkalkulation die Frage des Markterfolgs im Sinne der verkauften Auflage des Titels zurzeit nicht nur eine untergeordnete, sondern sogar berechenbare Größe darstellt und eben nicht mehr jenes unkalkulierbare Risiko, von dem immer in den Zeitungen die Rede ist und von dem die so genannte Marktforschung lebt. Ich gehe jetzt mal einfach davon aus, dass ich die Fragestellung auch für Ihre Begriffe im Wesentlichen richtig zusammengefasst habe.

Und weil das hier schon wieder unzumutbar lang geworden ist und den Rahmen eines Kommentars eigentlich schon seit dem vorletzten Absatz gesprengt hat, schlage ich vor, dass ich jetzt einfach mal meinen Sermon in voller Länge und so unfertig und fragmentarisch er auch ist, bei mir unter der Rubrik AUS DEM ARCHIV der Themen ins Schaufenster stelle, und dann können Sie sich bei Gelegenheit und wenn es Sie interessiert vergewissern, wie blauäuig ich die Dinge sehe, auf welchen idealistischen Annahmen mein Szenario beruht und welche fundamentalen Denkfehler dazu geführt haben, auf sowas zu kommen. Ich sags freilich gleich. Keine Ahnung, ob ich nicht doch voll daneben liege. Zweitens. Die Ausführung ist noch fragmentarisch, das heißt ein paar wichtige Punkte sind darin grob im Unklaren, freilich deshalb nicht gleich falsch. Drittens. Im Prinzip ist das alles wohl nix wirklich Neues, auch wenn sich das hier so anhören muss, als sei das wunder wie wichtig. Ist es nicht – und dazu auch noch mit der heißen Stricknadel hingeschrieben, imgrunde noch schlimmer als hier. Soviel, um Sie abzuschrecken und die Erwartungen unter die Enttäuschungsschwelle zu schrauben. So. Jetzt schaue ich mir das zuhause noch mal an, und morgen, spätestens übermorgen wird dann der Schmarrn im Kasten sein. Mit diesem Angebot übrigens wollte ich eigentlich auch gestern den Thread hier vorläufig abschließen. Aber der Riemen ist ja blöderweise im Nirwana verschütt gegangen, wofür ich mich auch jetzt noch, – Schluss jetzt.

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Zum Thema Hubert Burda
möchte ich aber doch noch nachschieben, dass der Mann in seinem Stammgeschäft, dem Zeitschriftengewerbe, ziemlich viel richtig gemacht hat. Da mag man ihm seinen zeitweiligen Mäzenatenrappel, seine spätere und teils fehlgeleitete Online-Besoffenheit und sein seltsames Projekt der Akademie für das Dritte Jahrtausend ebenso nachsehen wie das dekorative Anhängsel an seiner Seite, das unlängst ziemlich deutlich durchblicken ließ, dass es nicht primär die große romantische Liebe ist, die die erfolgreiche und schöne Schauspielerin aus bestem Hause mit dem Herrn Verleger verbindet. Dass er sich zum Deppen machen kann, wenns drauf ankommt, würde ich nicht einseitig gegen ihn verwenden wollen. Und glauben Sie nicht, er hätte das Erbe des Senators so mehren können, wenn er wirklich nur das Hanswürschtle Hubertle wäre, als das er gerne stilisiert wird. Der kann auch ganz anders, sagen Leute, die es wissen müssen.

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Kein böses Wort gegen Hubert Burda,
der Mann wird unterschätzt und steht ständig in einem falschen, seine Aura geradezu bengalisch verschleiernden Licht, selbstverständlich, aber was soll ich denn machen? Ich habe diesen Film gesehen, ich bekomme den O-Ton, das Bild, die ganze schier übermenschlich unterbelichtete Performance dieses großen Senatorensohnes nicht mehr aus dem Kopf. Es würde nur Lobotomieren helfen, oder halt der Verdacht, die Filmtruppe der eigenen Firma habe dem genialen Chef übel mitgespielt. Beide Wege kann ich nicht gehen. Den Eingriff kann ich mir nicht leisten. Und den Verdacht schon gar nicht. Wo würde das denn hinführen? Womöglich in die Nähe der Gattin, die womöglich mit so einem Producer, Filmkunstheini, Dokufuz – nein! Ich will es mir gar nicht ausdenken, wohin das führt. Wahrscheinlich ist die Scheidung längst am Laufen, und dieser Streifen wird eines Tages eine entscheidende Rolle spielen, um die berühmt-berüchtigten unvereinbar und konträr sich gegenüberstehenden Lebensentwürfe juristisch einwandfrei und revisionssicher zu belegen. Hier der geniale Unternehmer, nur die großartigsten Gedanken über die Zukunft der Menschheit, der Medien und überhaupt im Kopf; dort die treusorgende Mutter und vielbeschäftigte Berufstätige, die sich eher um die praktischen Dinge des Lebens kümmert, Krebsvorsorge, Weltfrieden, den Nichtraucherschutz in der Betriebskantine. Nein, das konnte trotz aller Liebe, Zuneigung und wechselseitigem Verständnis, das diese Eheleute füreinander hegen, auf Dauer nicht gut gehen, wird jeder Richter einsehen, und die gütliche Einigung wird so von der Klägerin doch noch erreicht, trotz aller berechtigten Einwände, die die Anwälte des Klägers gegen den Wunsch der Mutter ins Felde führen, das Sorgerecht ihr zu belassen – nach allem was war. Und zweitens: Klar hat der nicht viel falsch gemacht. Wie denn? Solang ihm die Änne seine Bunte strickte, musste er sich nur dafür entscheiden, nicht nicht öffentlich in der Nase zu bohren. Sich dann ausgerechnet den allseits als Dampfplauderer verrufenen Markwort vom Gong in die Geschäftsführung zu holen, anstatt wie sonst üblich irgendeine externe Branchengröße einzukaufen, war die absolut richtige Entscheidung im Sinne des Konzerns. Nur frage ich mich, ob die nicht am Ende der Alte und sei es testamentarisch verfügt hat, denn der hielt den Hubert gelinde gesagt für nicht so wirklich begabt – hat Hubert selbst gesagt. In seinem eigens für ihn von seiner Fra – nein Firma produzierten Filmporträt, ich schwöre.

Ach so, ja warum ich überhaupt hier bin: Tipp am Rande. Sollten Sie die SZ lesen, lohnt es sich ausnahmsweise dieses in der Rege nur depperte und ärgerliche Magazin nicht sofort wegzuwerfen, weil eine m. E. herausragend gute Reportage abgedruckt ist, die ich in dieser Qualität nicht mehr für möglich gehalten habe. Das Titelcover und das Stern-Foto sind natürlich der übliche heroisierende Kriegsberichterstattungsquark. Und den Text mit einer fetten Anzeige schier auseinanderzureißen ist nicht nur leserfeindlich, sondern grenzt fast an Sabotage. Aber ansonsten, wie gesagt, kann ich die Geschichte nur empfehlen.

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Text wäre im Fenster. Wie gesagt: Themen, AUS DEM ARCHIV. Guten Morgen

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Schönen Tag. Ich mach mal hier am Ende dieses Threads weiter, um die aktuellen Beiträge nicht zu stören. Eigentlich will ich auch nur wissen, ob Sie Interesse haben, das Thema Verlage/Internet/etc. fortzusetzen. Ich hätte nämlich wieder eine Frage und möchte sozusagen mit der nicht gleich inkl. Tür ins Haus platzen. Kann ja gut sein, dass Sie momentan thematisch ganz anderweitig unterwegs sein möchten oder auch ganz prinzipiell keine Lust haben, ungefragt so Fragen auf den Tisch gelegt zu bekommen. Beides könnte ich gut verstehen, weil ich auch nicht will, dass man mir mit der Tür ins Haus fällt. Deshalb diese zugegeben umständliche Anfrage sozusagen. Und das wars eigentlich schon wieder. Wiederschaun – und vorab schon mal Danke für ggbfs. Antwort.

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Nun,
die Sonne ist jetzt eh auf der anderen Seite, und die Siesta ist rum. Also versuchen wirs, Ihrer Frage nachzugehen - vielleicht knacken wir hier ja endlich den Dunkelseitenrekord von 122 Kommentaren... ;-)

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Okay. Freut mich, frage aber erst morgen, weil ich jetzt blöderweise arbeiten gehen muss. Bis denne

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Das hat jetzt leider doch einen Tag länger gedauert, und inzwischen hat sich die Frage, die ich vorgestern stellen wollte auch erledigt bzw. in den threads der Blog-Beiträge geklärt, deren Spamanteil mich beim erstmaligen Lesen nicht nur stutzig gemacht haben, sondern durchaus zweifeln ließ, ob angebliche Journalisten, Coaches und Trainer, die sich des Themenkomplexes "Blogs&-was-man-damit-alles-machen-kann-oder-besser-nicht-machen-sollte" tatsächlich so naiv sind, wie sie tun oder auch nur im selbst erteilten Auftrag einer Lobby unterwegs sind wie diese komischen Fake-Blogger und PR-Pfeifen als deren vermeintliche Kritiker sich diese Herrschaften profilieren. Konkret ging es um so einen Thilo aus Berlin, dessen Artikel der bis mir bis dahin eigentlich als recht kompetente Größe erscheinende Betreiber der Blogbar unter dem Titel "Geistreiches aus Berlin" als bemerkenswerte Lektüre anpries und der bei mir freilich nur die ein einschlägige Erfahrung bestätigt hat, dass selbst ernannte Journalisten tatsächlich nur wichgtigtuerisches Gerede produzieren können, mich aber dann doch vor die Frage stellte, was denn dieser ausgemachte PR-Quatsch ausgerechnet dort zu suchen hat, wo doch angeblich PR-Quatsch geoutet bzw. zurückgewiesen wird. Das wäre in etwa meine Frage gewesen. Die Antwort kann ich mir inzwischen wie gesagt selber geben. Aber wenn Sie Interesse hätten, könnten wir das Thema natürlich schon mal wieder aufgreifen, und sei es nur zu sehen, was es so hergibt, threadrekordmäßig. Schöne Grüße, beste Wünsche. Und ach ja, wenn ich schon mal hier bin: Interessieren Sie sich für komische Begebenheiten aus der Hochkultur? Wenn ja, dann müsste ich jetzt PR für meine Seite machen, he he, hi hi , ho ho, bis denne.

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Jetzt aber mal ne echt finstere Frage
Verstehen Sie das? Erst Big Dissing in der blogbar mit bösen Worten, Kommentar-Löschung und allem Pipapo, dann textet sich dieser so genannte Herr Turi am 22. d. M. auf seinem VF-Sessel einen Schmachtfetzen über einen Herrrn Meyer zusammen, dass man denken könnte, jetzt hagelts gleich, denn perfidere Tatsachen-Hindrehungen und wirklich grob abwegiges Gewäsch habe ich z. B. selten gelesen, und ich bin ja nun wirklich neu hier und also noch sensibel sozusagen, weil so richtig outsider, also jemand, dem es wirklich egal sein kann, wer hier wem übel mitspielt. Und dann! Anstatt der großen Klar- und Richtigstellung oder wenigstens einem Hauch von Hinweis, dass da irgendwas richtig scheiße dampft, kommt: NICHTS! Diese dumpfe Invektive dieses so genannten Kolumnisten T. bleibt einfach so schräg im Raum stehen inklusive Foto. Habe ich da den Schuss nicht gehört? Habe ich überhaupt keine Ahnung, was auf diesem CAD-gestützten Bolzplatz gespielt wird? Und zwar immer schon gespielt wird offenbar. – Doch. Ich bin wirlich so naiv. Mich irritiert sowas tatsächlich, und ich frage mich momentan ernsthaft, ob das überhaupt noch lustig genug ist, sich über und in Blogs vernünftige Gedanken zu machen.
Kann jetzt auch nur hoffen, dass Sie verstehen, was ich meine.

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Wenn Sie mich fragen,
haben in dieser Runde ein paar Beteiligte zu heftig mit "Obsession" aus dem Hause Calvin Klein gegurgelt. Viel mehr Entlastendes, als dass er nicht angefangen hat mit diesen unqualifizierten Watschenrunden, kann ich Peter Turi in dieser Sache leider nicht mehr zugute halten. Und je länger die Invektiven von Don A. und Konsorten bei Dotcomtod her sind, desto weniger taugen sie in meinen Augen als Rechtfertigung, auf diesem Niveau zurückzuschießen oder es gar noch zu unterbieten. Muss ich leider so sagen. Ich verstehe auch nicht, wie man sich ohne Not angreifbar machen kann, indem man nicht sauber zitiert, sondern nur so ungefähr und irgendwie. Immerhin war er es, der mir beibrachte, auch in solchen Kleinigkeiten nicht zu schludern, im Zweifelsfall nochmal nachzuhaken, bis man einen Sachverhalt wirklich verstanden und durchdrungen hat. Wieso er sich selber nicht mehr an seine handwerklichen Standards hält, darüber müßte ich jetzt spekulieren. Vielleicht muss man so einen Eintrag im Zwonull-Zeitalter als permanent beta verstehen, sprich, als work in Progress. Wenn ich es richtig gesehen habe, hat er ja noch etwas nachgefeilt - zumindest auf der turi2-Seite.

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Über die Einzelheiten und sachlichen Hintergünde dieses Streits weiß ich zu wenig, um auf dieser Ebene was dazu sagen zu können. Ich verfolge da nur, was und wie da sozusagen performed wird. Der T. wird auf der blogbar als persona non grata behandelt, als Reaktion taucht der Blogbar-Betreiber mit Foto als der böse Altblogger mit den schlechten Manieren in der Kolumne dieses Herrn auf. Hat der ihm dafür die Bildrechte überlassen? Und wenn nicht. Warum lässt sich der das gefallen, mit Bild in dieses abgeschmackte Licht gerückt zu werden? Mich irritiert das. Warum kommt da nicht postwendend die Ansage, was das denn soll? Und das meinte ich mit "immer schon gespielt wird". Ist das so üblich, sich in gepflegtem Dissens gegenseitig zum Thema zu machen. Ist das das einzige Thema und dieses ganze Gezeter nur einfach dumpf der Stoff aus dem inszeniert wird?

Kann ja sein, dass ich da völlig daneben liege und hier nur müdes Achselzucken ernte, über meine Blödheit, so was ernst zu nehmen. Aber da bekommt man ja zurzeit einiges zu lesen, das einen schon auf abwegige Gedanken bringen kann. SZ heute, 24., Adrian Kreye berichtet über das angebliche Ende von Second Life wie der Blinde vom Elefanten. Und Herr Gorny in einem angeblichen Streitgespräch mit einem Juristen über Urheberrecht, Web-Tauschbörsen und iTunes ruft dazu auf, dass User ein Bewusstsein dafür entwickeln müssten, dass es nicht gehen könne, sich übers Netz abseits der so genannten Industrie mit Musik zu versorgen, weil sonst die kulturelle Entwicklung am Ende sei. Ich meine: Gehts noch? Stellt der sich dumm? Oder ist der so dumm? Und wenn der wirklich so dumm ist, wohin will der Mann hinaus? Was will mir der Gorny und eben die SZ in ihrer heutigen Ausgabe sagen? Dass ich mich darauf einstellen soll, dass es verboten werden wird, die Technik digitaler und also prinzipiell unbegrenzter Vervielfältigung von Datenmengen, die dieser Herr mit einem Eigentumsrechtstitel belegt und "seine" Musik nennt, at the state of the art zu nutzen, wenn ich mich nicht bewusst und eben freiwillig darauf beschränke, diese Technik nur so zu nutzen, wie es dieser Herr Gorny gerne hätte.
So was steht heute in einer angeblich seriösen deutschen Tageszeitung, nicht in der Hauspostille des Interessenverbandes, der die "Kreativität" und das "Know-How" dieses Gorny gekauft hat und ihn als was-weiß-ich bezahlt.
Und im Lokalteil derselben Ausgabe featured die SZ dann noch zufällig zwei Blogs sozusagen als die amtlichen naturechten München- bzw. Bayern-Blogs (der eine kocht und kennt die besten Gemüsehändler, die anderen spielen weltweit Schafkopf und grüßen ihren Lieblingsschafkopfer vom FC Bayern, der ab kommender Saison irgendwo in Spanien auf der Bank sitzt.) Ich bin von dieser Zeitung einiges gewöhnt, aber das ist schon nicht mehr dreist, diese Art, was anzuschieben, kommt mir wirklich panisch vor.
Keine Ahnung, ob Sie mit diesen Mitteilungen was anfangen können.
So. Und jetzt mache ich mich mal auf die Suche nach der turi2-Seite

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Die SZ hat eine kleine Krise. Nicht erst seit heute, aber auch nicht immer schon. Vielleicht sind die besten Kräfte gebündelt, um mit der Lizenzabteilung interessante Titel für die Bücher- und DVD-Kollektionen an Land zu ziehen. Es wird sicher besser. Ich bin da Optimist.

Als Gorny damals Viva "erfand", saß ich häufig in derselben Kneipe zwei Tische weiter. Es braucht solche Menschen, so einen Irrsinn anzuschieben. Und ein paar Jahre lang gab ihm der Erfolg auch recht. Leider muß man nun eines befürchten: Mit den anstehenden Gesetzesänderungen zum Thema "CopyCrime" und verbotenen Anonymisierungen im Netz (siehe "Vorratsdatenspeicherung") werden solchen Leuten und solchen Ideen gerade wieder die Gleise ausgelegt. Da bin ich Pessimist.

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Vielleicht drückt den SZ-Kollegen
auch die Unsicherheit bezüglich der künftigen Besitzverhältnisse im Verlag aufs Gemüt und die Kreativität. Über die Ursachen der Formschwäche, die zweifellos vorhanden ist, müsste ich auch wild rumspekulieren, selbst als nur unregelmäßiger Leser komme ich bisweilen aus dem Kopfschütteln nicht heraus, vor allem, wenn es um Internet-Themen geht. Und beim Online-Auftritt meint man ja anscheinend auch, mit der unfallfreien Installation der Kommentarfunktion wäre man schon hinlänglich gewappnet für alle kommenden Herausforderungen.

Noch eins zum Thema Gorny: Was kann man von einem einstigen staatlichen Rockbeauftragten (!) erwarten, der dann im Auftrag der Platten-Majors eine Abspielstation hochgezogen hat, die inzwischen mehr als Werbeplattform für Klingeltöne und dergleichen umfunktioniert wurde? Ich glaube in der Tat, dass der Typ so verbogen ist, dass er inzwischen selber glaubt, was er da alles erzählt.

Und was werden nicht für apokalyptische Reiter aufgeboten, um Einsicht in vermeintliche Notwendigkeiten zu erzeugen: "Tod der Kultur" auf der einen (wirtschaftlichen) Seite, "Terror" auf der politischen Bühne. "Stasi 2.0" bringt es wirklich auf den Punkt, auf den die unterschiedlichen Vektoren zulaufen. Da bin ich Realist.

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Die Verlagsinterna der SZ lasse ich mal außen vor und beschränke mich auf das, was Lobbyisten wie Gorny wohl nicht nur als stellvertretender Veteran des Privatfernsehens Sparte "Jugendspezifisches Marketing&Musik", sondern eben auch im Sinne etwas mehr (SZ) oder etwas weniger (WAZ) krisengeschüttelter Verlagsunternehmen (insbesondere ihrer Redaktionen) in die Welt setzen.

Ich sehe das im Großen und Ganzen genau so wie Sie, finde aber, dass man ein Detail mal genauer betrachten sollte, das aufgeboten wird, um die Einsicht in vermeintliche Notwendigkeiten zu erzeugen.

Eigentlich wollte ich das vermeiden, aber jetzt doch mal ein paar Weisheiten, die dieser Profi da im Interview vom Stapel lassen durfte: Zum "Problem" – wäre man nicht der Herr Gorny würde man vielleicht sagen, zum Thema – Musiktauschbörsen und verwandte Plattformen, die ohne die klassischen Verwertungsketten den Transfers von digitalisierten Erzeugnissen im Web ermöglichen, stellt der Anwalt sachlich richtig fest, dass, Zitat:

"Wenn ich mir einen Song aus einer Tauschbörse runterlade, hat der andere das Lied ja immer noch. Es ist also mehr ein Teilen als ein Wegnehmen".

Gorny hatte die Funktionsweise der Tauschbörsen mit Bankraub (sic!) verglichen.
Um dem Gorny den wesentlichen Unterschied zu verdeutlichen, erklärt ihm der Anwalt, dass ein digitaler Song eben kein Bleistift ist, der wie die sprichwörtliche Semmel nur jerweils einmal veräußert, und also deswegen einem anderen weggenommen, also gestohlen werden könne, während dagegen die digitale Datei eben im Zuge der Veräußerung eben gleichzeitig vervielfältigt wird.
Und eben dazu, zu dieser doch eigentlich begrüßenswerten und tollen praktischen Konsequenz einer technischen Infrasruktur meint nun der Herr Gorny, Zitat:

"Das Problem liegt darin, dass in Ihrem Beispiel der Bleistift ein Bleistift bleibt, egal ob sie ihn weiter geben, verleihen oder verschenken. Das Phänomen der unedlichen Reproduzierbarkeit des Bleistsifts führt zum Ende der Bleisftiftfabrik (sic!). Wenn Sie plötzlich in der Lage sind, aus einem Stift 3000 Stifte zu machen sind wir genau an dem Punkt, wo ich sage: Moment, das ist aber nicht mehr die ursprüngliche Bleisfti-These (sic!). Denn auch Faber-Castell hätte ein Problem, wenn dort 3000 Bleistifte einfach so rausgingen. Und auch wir würden sagen: Wie wollen wir als Land der Schreiber damit umgehen, wenn jeder Bleistifte vervielfältigen könnte." Zitat Ende.

Man muss die Passage tatsächlich mal ohne Augenmerk auf den weltfremden Irrsinn, den sie durchaus auch vermittelt, lesen, um zu merken wie so ein Gorny tickt.

Er ist WIR und Das Land der Schreiber in Personalunion. Soweit die übliche dreiste Propagnda eines amtlichen Meinungsmachers, die man vom Regierungssprecher bis zur Bild kennt und auch so gewohnt ist. Soweit so dumpf.
Bezeichnend ist freilich der Konjunktiv am Schluss, mit dem der Herr m.E. ganz schlicht nd mal so nebenbei die Tatsachen praktisch auf den Kopf stellt.

Denn zwischen dem Sachverhalt, was man im Netz jetzt schon alles machen KANN und dem was man eben nur KÖNNTE klafft eben der himmelweite Unterschied zwischen einer richtigen Lüge und einer richtigen Behauptung.

Und wenn ich davon ausgehe, dass der Herr Gorny als Medienprofi schon genau weiß, was er da der SZ zum Abdruck freigibt, stellt sich mir schon die Frage, wie dieser Meinungsmacher dazu kommt, an so einer Stelle den Lesern falsche Tatsachen vorzutäuschen? Was er damit erreichen will ist klar und steht auch als Überschrift dick und fett über der halben SZ-Seite:

"Darf ich mir meine Musik aus dem Internet runterladen?"

Darum gehts ihm im Allgemeinen. Und im Besonderen will er erklären, warum er Tauschbörsenhandel jenseits der Verwertungsketten, die er konrollieren kann, für schlecht und ein Verbrechen wider die Kultur und überhaupt für das Ende der Kultur im Allgemeinen hält.
Das allein ist zwar an sich schon ein seltsames und irgendwie verrücktes Anliegen, angesichts der Produkte, die am Ende seiner Verwertungsketten eben zurzeit tonnenfach auf den Müll wandern, weil es Aussschuss ist, den kein Mensch mehr kauft, den die Industrie nicht gesondert dafür bezahlt, um die Produktion des Titels immerhin als Chartserfolg irgendwie ökonomisch zu rechtfertigen. Aber immerhin. Es wäre ein rational nachvollziehbares Statement. Herr Gorny will die immer schlechter absetzbaren Erzeugnisse der Musikindustrie wie wir sie kennen, zu einem bedrohten Kulturgut erkären, das es zu schützen gilt, notfalls durch Verbot des Musiktauschbörsenhandels im Web, auch wenn das eine mit dem anderen erst mal nichts miteinander zu tun hat.
Bitte, könnte man sagen. Wenn er meint. Es ist ein freies Land in dem jeder mit seinen Dummheiten hausieren gehen kann, ohne dafür bestraft zu werden.

Aber geht Herr Gorny mit seiner Dummheit wirklich einfach so hausieren?

Ich fürchte ja – und darauf wollte ich hinweisen – dass er sie durchaus sehr gezielt in Stellung bringt.
Offensichtlich will dieser Gorny, dass zumindest seine Leser glauben sollen, dass es etwas gibt, was sie daran hindert, das zu tun, was sie völlig problemlos tun können, nämlich jederzeit Audio-Dateien ins Netz stellen.
Ganz so, als ob das Bewusstsein, dass das aus seiner Sicht ein Unrecht ist, schon in Recht und Gesetz gegossen wäre. Genau dazu braucht der Mann den falschen Konjunktiv. Und wenn ich für solche sprachlichen Finten und gedankichen Volten einen passenden Ausdruck finden müsste, dann fallen mir kein anderer ein als gezielte Desinformation und/oder Propaganda.

Als singuläre Erscheinung, wär mir das übrigens völlig egal. Aber mir fällt das zur Zeit an jeder Ecke sowohl in vielen Blogs als auch im Printbereich auf. Den Leuten wird ständig einerseits hanebüchener Unsinn eingeimpft über die blödesten längst praktisch gescheiterten Kommerzialisierungsstragien und Geschäftsideen im Netz und auf der anderen Seite wird so getan, als ob die einfachsten Organisationsformen und Webplattformen, eben z. B. Blogs, gerade jetzt ein Mordsproblem wären – und zwar für die, die so ein Blog betreiben. Also ich finde das schon irgendwie bemerkenswert, ganz kurz gesagt.
Okay. Ein bisschen euphemistisch nach dem Endlos-Riemen.

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Die Analogie zum Bleistift
hinkt ja auch noch in ganz anderen Punkten: Faber Castell schränkt die Verwendung in keiner Weise ein: Ich kann, sobald ich den Stift erworben habe, damit auch öffentlich rumzeichnen wie ich will, ohne Abgaben an die VG Graphit abdrücken zu müssen oder sonstwie den vertraglich zugesicherten Nutzungsumfang überzustrapazieren.

Sie sagen ganz richtig: Wenn es ein singuläres Phänomen wäre, könnte man sagen, ja gut, wenn man keine anderen Sorgen hat. Aber es werden ja im Zusammenhang mit der Informationstechnologie auch auf anderen Feldern die Schrauben derart angezogen, dass es grad so kracht. Die Kriminalisierung des unbescholtenen Bürgers wird ja nicht nur von den Copyright-Verwertern massiv betrieben, sondern mindestens ebenso sehr von den Innenministern und der ihnen unterstellten Exekutivorgane. Ich glaube nun nicht an die große Weltverschwörung, die hinter beiden Phänomenen die gleichen Strippenzieher (seien es nun die Illuminaten, Bilderberger, der Rat der 300 oder die septimanischen Neuismaeliten des Alten vom Berge) am Werke sieht. Aber ich sehe einen gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang, der mir umso weniger behagt, je mehr ich glaube zu verstehen, was hier eigentlich abläuft.

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Wie ich oben schon anriß: Die Diskurse "CopyCrime" und Datenspeicherung inkl. Verbot jeglicher Anonymisierung im Netz, was übertragen bedeutet, mit einer Art Personenkennzeichen auf dem T-Shirt in der Innenstadt rumzulaufen, sind die Gleisstränge, auf denen das Netz zur Strecke gebracht wird. Insofern ist für mich (als Pessimisten) die Diskussion, wie es denn weitergehen soll mit "Blogs", beinahe obsolet.

In fünf Jahren haben die (Medien-)Konzerne das Netz und seine Inhalte unter sich aufgeteilt und von einem Mitmach-"Forum" zur nächsten Berieselungsmaschine umgebaut. Wer da noch "senden" will, muß - wie unlängst gefordert - bei der KEK eine Lizenz beantragen. Bandbreite ist schließlich knapp, mit dem Argument hat man schon den Amateurfunkern den FM-Bereich weggeknappst.

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Das Mitmach-Surrogat
wird sicherlich erhalten bleiben, die Uhr lässt sich nicht so ohne weiteres zurückdrehen zum klassischen Sender-Empfänger-Modell, auch wenn TV- und Telco-Fritzen unter Web 3.0 vor allem eins verstehen: Bewegtbild, Bewegtbild, Bewegtbild. Mitgemacht wird künftig dann halt vor allem in Form moderierter Kommentare auf irgendwelchen Medienseiten und in von den Großen kontrollierten Communities wie MySpace & Co. Die nachwachsende Jugend wird von Anfang mit allem möglichen Twitterkram & unddu.com-zu-mir-Briefmarken-gucken-Anwendungen eingebunden. Und so droht mittelfristig in Vergessenheit zu geraten, dass das Internet tatsächlich mal ein minimalst regulierter Freiraum war, in dem man ohne kompletten Datenstriptease und Kleinpublizierer-Lizenz von der Landesmedienbehörde was machen konnte.

Es muss nicht zwangsläufig darauf hinauslaufen, aber wenn allein schon das Bestreben der Telcos und Infrastrukturanbieter umgesetzt wird, die Diensteanbieter, deren Geschäfte auf dieser Struktur aufsetzen, stärker in die Pflicht zu nehmen für die Infrastrukturkosten, braucht es nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, was das für die nachgelagerten Abschnitte der Wertschöpfungsketten auf der letzten Meile im Endeffekt bedeutet.

Zum Beispiel würde ich nicht darauf wetten, dass die Werbewirtschaft die Zeche für alle (sozusagen als virtuelle Lokalrunde) bezahlen wird. Man wird die Platzierung von Werbebotschaften ja genauer aussteuern können nach Produkt-Verwenderschaften, regional von PLZ-Gebieten bis runter zu Straßenzügen und gestützt auf Konsumprofile und Bonitätsprognosen. Viele Dienste, die heute als Lockvogelangebote noch kostenlos sind, werden entgeltpflichtig werden, und sei es "nur" in der pro-account-Variante. Denn wie hat es mal ein kluger Kopf ausgedrückt? There is no such thing as a free lunch.

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Mein Vater beschreibt immer recht anschaulich den Übergang von der Lohntüte zum Girokonto. Das war wohl erst alles gratis - bis man alle drin hatte im System. Ich habe mir jedenfalls schon mal eine Apfelsinenkiste bereitgelegt. Vielleicht kommt mal wieder eine Zeit, da will man Gedichte vortragen im Park. Ach so, ist dann wahrscheinlich auch verboten. Innere Sicherheit und so.

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Ja, beim Thema Kreditkarte
kann man das auch schön studieren. Solange nicht jeder eine hat, überbieten sich die Anbieter mit Zusatzleistungen. Aber wenn alle im Sack sind, ist ganz schnell Schluss mit lustig und kostenlos. Oder dieses Privileg wird eben wie beim Girokonto nur noch denen zuteil, die einen bestimmten Mindestumsatz machen. Dagegen, dass Leistung ihren Preis hat, wäre prinzipiell auch wenig einzuwenden, würde zuvor nicht eine derartige Augenwischerei betrieben und so getan, als sei dieser Grundsatz vor lauter gutem Willen außer Kraft gesetzt.

Gedichte, Apfelsinenkiste - hm, das riecht für einen erfahrenen Spezialisten in Fragen der inneren Sicherheit förmlich nach einer putativen Notwehrsituation, in der es gilt, Schaden vom Gemeinwesen abzuwenden - wo kämen wir denn da hin, wenn wir jedem dahergelaufenen subversiven Apfelsinenkistendichter erst mal mit der Unschuldsvermutung kommen müssen...

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So schlecht sind meine Gedichte nun auch wieder nicht.

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Dergleichen wollte ich auch
nicht im allerentfernstesten insinuieren. Ganz im Gegenteil. Ich würde von Ihrem Poemen nichts geringeres erwarten als Molotow-Cocktails der Melancholie, gefasst in doppelbödig-destruktiven Dithyramben von einer Durchschlagskraft, dass sogar die Eichhörnchen im Park tot aus den Baumkronen fallen. ;-)

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Letzteres ist immerhin bewiesen ;-) (Und ich widerstehe ausnahmsweise dem zwanghaften Impuls zur gnadenlosen Selbstverlinkung.)

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Um zum Thema zurückzunötigen behaupte ich jetzt einfach mal, der Große Garant aller bürgerlichen Freiheiten, die die Informationstechnologie eröffnet hat und bislang eröffnet ist eine weltweit populäre Suchmaschine.

Da sie als globales Adressenverzeichnis und zugleich als Schlagwortregister funktioniert, das die momentane (Kommunikatons)-Situation, man könnte auch sagen das Marktgeschehen des Webs sozusagen authentisch abbildet, bietet sie eine praktische Alternative zu allen Strategien und Formen kommerziell oder ideologisch motivierter Regulierungsversuche seitens des Staates oder seitens privatwirtschaftlicher Programm-Anbieter.

Solange sich der der einzelne Daten/Content-User und auch der einzelne Daten/Content-Produzent darauf verlassen kann, dass mit dieser einen Suchmaschine ein möglichst ungefilterter, manipulationsfreier Zugang zu den im Web angebotenen Programmen, Contents etc. existiert, sind alle denkbaren Konzepte und Stragegien, das Angebot zu regulieren und das User-Verhalten zu steuern unzweckmäßig, da sie wenn überhaupt nur als eine Art Monadisierung der erfolgreich gesteuerten Web-Sphären wirksam sein können.
Und da jedoch zeitgleich außerhalb dieser Monaden weiterhin unreglementierte Web-Bereiche weiter wahrnehmbar existieren, fallen die gesteuerten Bezirke aufgrund ihrer offen ersichtlichen Beschränktheit in sich zusammen; sie wirken definiert, uninteressant und anachronistisch. (Kein vernünftiger Mensch bleibt im auch noch so umfangreich, innovativ und userfreundlich organisierten Programm-Angebot seines Providers hängen, sobald er erfährt, dass dieses Full-Service-Programm-Angebot inklusive auch der vermeintlich spezifischsten Sonderwunschvorstellungen letztlich doch nur ein Webprogramm-Paket ist neben anderen.)

Kurzum: Google rules okay. Oder: Lang lebe das Google-Monopol, sonst killen die zumindest bei der Erschließung der für sie Neuen Medien wie ein Kartell agierenden dominanten Programmanbieter alle (auch marktwirtschaftlichen) Freiheiten, die sich User und Produzenten im Web bislang entwickelt haben.

Second Life ist natürlich ein völlig anderes Thema, das mit Suchmaschinen praktisch nichts zu tun hat. Hat sich da schon mal jemand umgesehen? Ich fürchte nämlich, dass das eine tolle Sache ist und trau mich nur noch nicht, mir den ersten Trip reinzupfeifen.

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Da gibt es nur ein Problem: Google ist alles andere als "authentisch". Googlen Sie mal nach Google und Zensur. Das Problem ist ja eher: Was bei Google nicht steht, existiert nicht, findet nicht statt. "Disappearing Sites on Google" war in den letzten Wochen ein großes Thema bei boingboing.net. Solange Google als black box funktioniert, bei der wir nicht wissen, warum und wie was heute hinten rauskommt (und morgen nicht), möchte ich so ein Monopol nicht zu voreilig preisen.

Was diese "Angebote" und "Bereiche" angeht, davon reden wir ja gerade. Die Befürchtung ist (suchen Sie mal nach "Rettet das Internet" oder "CopyCrime"), es wird diese Alternative dereinst einfach nicht mehr geben. Dann haben die Großen den Kuchen verteilt und wir dürfen dankbare Abnehmer sein (z.B. für Kuchen aus dem Backhaus Gorny).

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Google ist auf bestem Wege,
Microsoft in seiner (unangenehmen) Eigenschaft als Monopolist zu beerben, wenn nicht gar zu überflügeln. Die völlige Intransparenz bei der Indexierung der Suchergebnisse mit dem Effekt, dass nicht existiert, was Google (aus welchen Gründen auch immer) nicht findet, ist ja nur ein Teilaspekt - wenn auch ein bedeutender. Das Prinzip der black-box wird neuerdings aber auch ausgeweitet auf Sektoren, auf denen bislang noch ein gewisses Maß an Datentransparenz herrschte - ich rede von der Werbevermarktung. Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, tritt Google in den USA neuerdings auch als Vermarkter von Radio- und Fernsehwerbung auf. Mit der Adaption seiner im Web erprobten Pay-per-was-auch-immer-Abrechnungsmodelle auch auf anderen Mediensektoren verspricht Google dem Kunden erhebliche Effizienzgewinne. Die sind aber erkauft um einen sehr hohen Preis: Der Kunde gibt sich dabei völlig in die Hand des Vermarkters, er muss ums Verrecken darauf vertrauen, dass dessen gemessene Nutzungsdaten, anhand derer die Einschaltpreise berechnet werden, real sind. Er hat aber keine Möglichkeit, das zu verifizieren.

Darüber mag man sich als Konsument vielleicht erst mal nicht den Kopf zerbrechen. Aber wenn man sich klar macht, wer dann die Schleusen und Kanäle kontrolliert, auf denen die Abermilliarden Werbegelder in die Medien weiterdiffundieren, dann muss einem angst und bange werden. Hier und heute ist es nämlich immer noch so, dass die von der GfK gemessen Einschaltquoten und die IVW-geprüften Print- und Onlinereichweiten (bei allen methodischen Schwächen in Details) eine Art Währung darstellen, über deren Validität, Methodik und Aussagekraft sich jeder, der will, ein Urteil bilden kann. Über die technischen Kommissionen und die Dachorganisation der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse haben Agenturen und Kunden die Möglichkeit, ihre Interessen bei der Weiterentwicklung dieser Währung einzubringen. Jeder weiß auch, dass die Konkurrenz mit den gleichen Zahlen arbeitet, man hat Erfahrungswerte, mit welchen Einkaufsvolumina man etwa welche Rabatte raushandeln kann. Selbst wenn nicht immer klar ist, ob die Agenturen ihre sogenannten Kickbacks immer 1:1 an die Kunden weitergeben, ist das bisherige System doch einigermaßen transparent (auch wenn aus branchenpolitisch-taktischen Gründen oft genug anderes behauptet wird). Kein Werbungtreibender, der seine fünf Sinne beisammen hat, sollte so blöd sein, aufgrund von ein paar kurzfristigen Effizienzgewinnen (deren genaue Höhe er mangels valider Datenbasis eh nicht realistisch evaluieren kann), die bestehenden Abrechnungsgrundlagen zugunsten von Googles black box abzuschaffen.

Welche Machtballung allein schon damit zusammenkommt, dass Google die Profil- und Nutzungsdaten, die beim Endanwender der diversen Google-Dienste anfallen, alleine kontrolliert und niemand genau weiß, wie genau diese aggregierten Parameter für jeden einzelnen Kunden dann tarifrelevant werden, das müsste nach diesem kleinen Exkurs auch jedem einleuchten, der sich mit den fitzeligen Details der Werbestreuung nicht auskennt...

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Das hätt mich auch gewundert, wenn der Tante Google jetzt nur Rosenblätter vor ihren Thron gestreut worden wäre.
Natürlich wäre mir KEIN Monopolist auch lieber. Aber unter den gegebenen Bedingungen bin ich immerhin froh, dass es zumindest eine sozusagen quasi amtliche Instanz gibt und nicht den berühmt berüchtigten Wettbewerb konkurrierender Suchmaschinenfirmen, deren Kern-Geschäft schließlich auch darin besteht, die Leistung ihrer Suchfunktionen künstlich zu verknappen, um mit Sonderleistungen wie Sonder-Infodienste überhaupt erst ein operatives Geschäft zu entwickeln, denn mit der „Leistung“ Suchmaschine macht man eben kein Geschäft. Sollte man in diesem Zusammenhang nicht vergessen: Die Leistungen die im Netz funktionieren, funktionieren gratis. Die Leistungen, die angeboten und auch noch als innovativer Service beworben werden und etwas kosten, funktionieren eben nicht wirklich und sind so notwendig wie sagen wir ein Kropf von Sascha Friebe.

Das Google alles findet, wird wahrscheinlich nicht mal Google behaupten. Dass es tatsächlich nicht nur viele google-untaglich programmierte Webadressen, sondern ganze Sphären gibt, die jenseits des von google abgebildeten Geschehens prozessieren könnte, kann ich mir nur mit Mühe vorstellen, denn der Aufwand, Adressen und Themen sozusagen zu nihilieren, wäre ja enorm, sobald die auch nur geringste Relevanz erreichen. Und wie sollte das gehen?
Zugegeben. Ich bin da wirklich Laie und verlass mich sozusagen nur auf einfachste Prämissen. Warum sollten die Google-Fittis anfangen zu bescheißen und das auf strikte Neutralität in Bezug zum jeweils Gesuchten basierende Funktionsprinzip ihres Unternehmes aufs Spiel setzen?

Könnte natürlich sein und ist theoretisch tatsächlich nicht ausgeschlossen, dass auch bei Google entgegen den offiziellen Verlautbarungen gezielt gefiltert und gelistet wird und sich das Prinzip Google von den üblichen Betrügereien, die das Ranking in Verkaufscharts, Hits- und Bestseller-Listen bis hin zur Meinungsumfrage nicht im geringsten unterscheidet.
Aber wenn das wirklich die Regel und nicht die berühmte Ausnahme sein sollte (Stichwort Kooperation mit der VR China, eigene Themewelt, klar), dann gute Nacht, denn dann wäre ja ohnehin alles egal, die Welt nicht nur des Netzes nur eine ganz übel und schlecht gemachte DailySoap bösartiger Geschäftemacher. Und dann wäre das Thema Internet für mich sozusagen beendet, weil da hat dann ja praktisch kein einziger Satz mehr so richtig einen Sinn.

Aber wie gesagt: Was die grundsätzliche Schlechtigkeit der Firma und die missbräuchliche Verwendung ihrer geheimnisvollen Black Box angeht, bin ich eher skeptisch. Nennen Sie mich konservativ, nennen Sie mich einen naiven Jungen vom Land, aber ich bin jetzt schon über 50 Tagen mit meinem eigenen Namen Platz eins und zwei auf der Google-Liste, und das unter 40 Millionen Eintragungen und noch vor dem Trinity College in Cambridge und dem Fremdenverkehrsamt Kiew, die beide auch ein The Great Gate im Programm haben, das auch noch jeweils ein paar Hundert Jahre älter ist als meine Wichtigkeit – also, wer wäre ich, an der Genauigkeit und unbestechlichen Stärke dieser Suchmaschine sowie der weißen Weste ihrer Betreiber zu zweifeln? Und nachdem ich von Google seit kurzem sogar im großen Ratespiel mit normalen und sogar gar nicht abwegigen Schlag- und Stichworten sowie Prominentennamen eben nicht unter ferner liefen, sondern schon auch mal auf unglaubliche Topplätze geschmissen werde, gibt es für mich an der Firma eigentlich gar nichts auszusetzen.

Das mit den Werbegeldern und der unkontrollierten Dominanz auf dem Markt der Werbetreibenden muss ich mir noch mal den Kopf gehen lassen. Zum Datenschutz möchte ich freilich sagen, dass der mir prinzipiell in der allgemeinen Debatte dann doch ein wenig überbewertet erscheint. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle

ps Herr der Finsternis, sagen Sie mir bitte sofort, wenn Ihnen diese Riemen zu lang werden. Ich weiß auch nicht was da los ist, ich kan mich da nie so kurz fassen, wie ich eigentlich will. Wahrscheinlich rechne ich damit, von Ihnen wegen unzulässiger Länge endlich mal abgemahnt zu werden, damit ich dann vorschlagen kann, den nächsten langen Riemen dann eben das nächste mal bei mir ins Fenster zu stellen, damit dort auch mal die Musik spielt. Unbewusst natürlich, bin ja kein Werberfachmann, sondern nur IT-Laie.

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Ab welchem Grad der Marktbeherrschung
sich die Unschuldsvermutung gegenüber einem Großkonzern für mich erledigt, kann ich so genau auch nicht sagen. Zumindest benutze ich das Suchfenster vom großen G auch nach wie vor, ohne mir vorher ein Stanniolhütchen aufzusetzen. Ich will Ihnen auch nicht einreden, zu naiv, verblendet oder sonstwie schief gewickelt zu sein, aber ein paar der von Ihnen genannten Punkte lassen sich doch recht mühelos relativieren.

Es gibt z.B. durchaus massive Interessen seitens Google, die bestehende strukturelle Begünstigung von Blogs in den präsentierten Suchergebnissen zurückzufahren. Blogs sind nicht unbedingt die großen Trafficbringer, aber sie sind tendenziell super verlinkt, so profitieren wir googleseitig allein schon sehr stark durch die Anbindung an blogger.de. Nur sind Blogs nicht unbedingt Suchergebnisse, mit denen sich viel Staat resp. Kohle machen lässt, wenn es um das Geklicke von adsense-Anzeigen und dergleichen mehr geht. Da Google seine vermarkteten Suchworte ja klickzahlenabhängig tarifiert, dürfen Sie getrost annehmen, dass Überlegungen im Gange sind, wie man die Blogs einigermaßen dezent und schmerzlos etwas weiter nach hinten in der Ergebnisreihe durchreichen kann.

Ansonsten würde ich gar nicht mal unterstellen, dass unbedingt böse Absicht im Spiel sein muss, wenn Seiten nicht gefunden werden. Die banalste Erklärung liegt wohl darin, dass sich andere Seiten erfolgreicher davorklemmen in der Wahrnehmung. Und da tobt ja nun seit Ewigkeiten ein Kampf zwischen Suchmaschinen und sogenannten Suchmaschinen-Optimierern, die in Kundenauftrag versuchen, an der Schraube zu drehen, so dass deren Seiten eher gefunden werden und höher gerankt werden.

Gehen wir also einfach mal davon aus, dass Google in seiner Eigenschaft als Vermarkter von Werbefläche tendenziell künftig stärkeres Interesse daran haben wird, Seiten weiter vorne zu listen, die mehr Werbeumsatz versprechen. Da müssen wir über China und Datenschutz-Sauereien noch gar nicht reden...

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