Donnerstag, 30. September 2010
Wir nennen es Mitarbeit
Normalerweise dient die Dunkelkammer ja dem Privatvergnügen, aber jetzt muss ich die werte Leserschaft doch mal wieder mit einem Anliegen aus meiner Arbeitswelt belämmern. Das Werbemagazin "beef" beackert in der kommenden Ausgabe das Schwerpunktthema "Töne", und ich habe die Ehre, den Aufmachertext zu schreiben, der das Schwerpunktthema einleitet. Ich darf in diese Textbulette alles mögliche reinkneten, von der Tradition der Marktschreier über gesungene Slogans ("Haribo macht Kinder froh...") und dem Einsatz von Musik in der Werbung bis hin zum Design von sogenannten Soundlogos und der Frage, warum die Fernsehwerbung im Vergleich zum Programm immer so verdammt laut ist. Nachdem das Blog-Brainstorming zum vorigen Schwerpunktthema "Orte" so außerordentlich ergiebig war, dachte ich mir, frag doch mal rum, was der werten Bloggergemeinde zum Thema Werbe-Töne so einfällt. Wie beim letzten Mal schon gesagt: Reichhaltige Belohnung für irgendwelche genialen Treffer, die ich dann in meiner Auftragsarbeit aufgreife, kann ich freilich nicht versprechen (das gibt auch mein mäßiger Honorarsatz nicht her). Aber mein aufrichtiger Dank wäre Ihnen sicher.

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Dann mache ich mal den Anfang
Gute Songs können durch eine neue Assoziation mit einer Werbebotschaft nachhaltig versaut werden. Ich denke da nur "should I stay or should I go". Toller Song ursprünglich; kann ich jetzt aber leider nicht mehr hören, weil ich da immer an diese bescheuerte Jeans-Werbung denken muß. Oder -noch schlimmer- "Gold" von Spandau Ballet. Einer meiner 80´er Jahre-Favoriten. Da denkt man jetzt an diese Always-Ultra-Reklame. Furchtbar. Müssen die Künstler da eigentlich Ihre Einwilligung geben und kriegen dann reichlich Schmerzengeld dafür? Oder laufen die Rechte am eigenen Song irgendwann ab und man kann das nicht verhindern?

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Oder das genaue Gegenteil
Songs die erst durch Werbung bekannt werden. Als Beispiel mal Heartbeats von Jose Gonzales, bekannt durch die Sony-Bravia Werbung.
Es gibt ja Unmengen an Songs die erst durch Werbung ins Bewusstsein der Leute gerückt worden sind. Das betrifft sowohl ältere Songs von zum Teil bekannten Musikern als auch völlig unbekannte Songs von ebenso unbekannten Musikern.

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Ja, richtig.
Das erwähnte "Dream a little Dream of me" passt da rein, das kannte nämlich kaum noch jemand, als C & A seine Werbefilme damit unterlegte. Sponten fällt mir noch "Jeans on" von David Dundas ein, das eigens für eine Jeans-Werbung komponiert und zum Hit wurde. Nicht wegzudenken aus dem kollektiven Unterbewussten ist auch "Like Ice in the Sunshine" im Zusammenhang mit der Langnese-Kinowerbung. Und wer hat nicht alles schon Werbung für Pepsi gemacht (Michael Jackson)?

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Töne? Da habe ich was für Sie!

E-Mail oder hier posten?

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Äh,
kommt drauf an. Wenns von allgemeinem Interesse ist, gerne hier. Aber Mail geht natürlich auch, kein Problem.

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Warum ist die Musik im Radio so laut, und warum ist sie in der Werbepause noch mal lauter?
(Ich sage mal: Allgemeines Interesse)

Dieses Thema wird unter dem Stichwort „Loudnesswar“ abgehandelt. Kurz gesagt wird dynamische Musik, also Musik mit lauten und leisen Stellen, durch einen „Kompressor“ so aufbereitet, dass der resultierende Lautstärkeeindruck höher wird. Dabei werden die lauten Passagen abgesenkt, und danach das gesamte Material wieder angehoben. Allerdings unter dem überwiegenden Verlust der Dynamik. Musik wird also durchgehend gleich laut gespielt, leise Passagen werden durch die Kompression lauter. Die Dynamik ist weg.
http://www.intro.de/magazin/technik/23047104/der-loudness-war-kollateralschaeden-ohne-kriegsopfer
http://de.wikipedia.org/wiki/Loudness_war

Der Grund für dieses Vorgehen liegt darin, dass die gleiche Musik wenn sie lauter abgespielt wird als besser klingend empfunden wird. Allerdings nur in den ersten ein oder zwei Minuten. Danach ist der Effekt weg. Er kippt sogar um und wird oft als belastend empfunden.

Radiostation schalten grundsätzlich vor der endgültigen Sendestufe eine harte Kompression um möglichst laut zu senden. Zum einen ist das Signal auch unter schwachen Empfangsbedingungen besser zu verstehen, zum anderen bleiben Hörer bei „stärkeren“ Sendern eher hängen. Private Radiostationen fahren einen übermäßig „heißen“ Mix, weil sie glauben, im Konkurrenzkampf untereinander sonst nicht bestehen zu können.

Um den Loudnesswar weiter anzuheizen, wird Popmusik heute schon maximal „laut“ abgeliefert. Sie ist oft schon so stark komprimiert, dass es überhaupt gar keine leisen Passagen mehr gibt. Die schon komprimierte Musik wird dann im Radio noch mal komprimiert und verliert dort den letzten Rest Lebendigkeit.

Großer Nachteil an stark komprimierter Musik ist, dass sie mit der Zeit nervt. Meiner persönlichen Meinung nach ist der Hauptgrund für die negativen Kritiken an privaten Radiosendern die übermäßig stark komprimierte Musik, nicht nur die Auswahl der Stücke.

Übrigens hat die Komprimierung von Musik mit einem Kompressor nichts mit der Komprimierung zu tun, die z. B. bei der Wandlung in MP3 durchgeführt wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kompressor_(Signalverarbeitung)

Die Band Metallica hat mit dem Album „Death Magnetic“ eines der lautesten CDs abgeliefert die bisher veröffentlicht wurden. Da die maximale Lautstärke bei CDs technisch definiert ist, hat Metallica massive Clippings, also digitale Verzerrungen, hingenommen um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Anders als analoge Verzerrungen sind digitale Verzerrungen unangenehme Klicks und Blips, was Metallica deutliche Kritik sogar aus den Reihen der Fans eingebracht hat. Nüchtern betrachtet besteht Death Magnetic zu 95% aus weißem Rauschen.

Die Pleasurize Music Foundation ist eine Institution die sich dafür einsetzt, dass Musik wieder mehr Dynamik erhält. Friedemann Tischmeyer ist der Gründer und er leistet Lobbyarbeit bei den Musikern und Studios, und hat mit dem Dynamic Range Meter eine anerkannte Messsoftware zur Bestimmung der Dynamik eines Musikstückes zur Verfügung gestellt. Er hofft, durch die Angabe von DR-Werten Teil der Qualitätsdefinition einer CD zu werden. Im besten Fall werbe gute Musiker mit guten DR-Werten auf ihren CDs. Sein Kampf ist aber sehr mühselig, da die Kunden der Mastering Studios nicht auf Lautstärke verzichten wollen, und die Nachteile bewusst in Kauf nehmen.
http://www.dynamicrange.de/

Hier ein sehr interessantes und informatives Interview mit Friedemann Tischmeyer auf delamar:
http://www.delamar.tv/lautheit-lautheitskrieg-loudness-war-friedemann-tischmeyer-12/

Wenn Du mehr wissen willst, kein Problem …

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Das ist sehr interessant, danke.

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Vielen, vielen Dank
für den kompetenten Input. Dass dieses Phänomen mit Kompression und Dynamik zu tun hat, war mir ansatzweise schon klar. Aber von dem tobenden loudness war habe ich kaum mehr mitbekommen als sagenwirmal von Darfour oder irgendwelchen Scharmützeln der mexikanischen Armee mit der zapatistischen Befreiungsfront. Aber es erklärt ansatzweise auch, warum ich mit zunehmendem Alter eher die Stille suche und Radio- (oder gar TV-)Gedudel aus dem Hintergrund oder gar im Vordergrund immer weniger ab kann.

Das Radiothema mit dem harten Mix interessiert mich auch in einem anderen Zusammenhang. Ich würde sagen, Dein Kommentar hat die volle Punktzahl in der Kategorie "hilfreich". Kann sein, dass ich in Kürze noch mit der ein oder anderen Nachfrage anklopfe.

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Oja. Sehr interessant, dankeschön. Dem werde ich mich vielleicht demnächst auch mal drüben bei mir widmen.

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@Mark, kein Problem, einfach anklopfen.

Für alle, die meine Ausführungen weiter oben interessant finden, aber nicht folgen können (oder wollen) hier ein sehr anschauliches Beispiel für die Vergewaltigung, die Musik heute über sich ergehen lassen muss, bevor sie verkauft/gesendet wird:

http://www.youtube.com/watch?v=3Gmex_4hreQ

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Vielen Dank für die Aufklärung Herr Papa.

Mir war dieses Kriesengebiet Loudness War bisher ebenfalls unbekannt. Es erklärt aber sehr schön die von mir schon länger festgestellte Tatsache, daß es Musik gibt, die besser klingt, je lauter man dreht, und dann halt das ganze Radiogesülze, das laut oder leise immer gleich mies klingt.

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Das mit der Belastung kann ich als leidgeplagte Nachbarin nur fett unterstreichen...

Ich frage mich, wozu vor Jahrzehnten Kopfhörer erfunden wurde... aber das ist alles OT : )

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Also mir fällt dazu ein: Ist doch klar warum Rhythmus und Melodie zum Transportieren oder Begleiten der Botschaft genutzt werden (egal ob nun Marktschreier/-sänger, Jingle oder TV-Spot), Der Fall des bedauernswerten Herr Racoon zeigt's: Das wirkt, das gräbt sich ins Hirn, ob man will oder nicht.
Und dazu wiederum fällt mir ein, dass man ja immer mal las, dass irgendwelchen Ghetto-Kids (man verzeihe den Ausdruck) die Aufgabe gegeben wurde, ihre Schulreferate zu rappen. Und siehe da, der gerappte, also rhythmisierte und melodisierte Stoff wurde deutlich besser behalten.

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@not quite like beethoven:
Ja, aber vermutlich nur unter der Prämisse, dass Rap dort als Ausdrucksmittel sozusagen "gelernt " ist. Ob das Ergebnis in Nordkorea reproduzierbar gewesen wäre, da habe ich meine leichten Zweifel. ;-)

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Rap -- also der Musikstil -- ja, sicherlich. Ich weiß gar nicht ob es stimmt, dass im (ersten?) Golfkrieg die USA Heavy Metal als nichttödliche Waffen eingesetzt haben? Zur Zermürbung der Zivilbevölkerung und zur Räumung von Gebieten?

Oben ging es mir aber um den Umstand der Melodisierung und Rhythmisierung überhaupt. Klar muss man das lernen. Der Einbrenneffekt scheint aber von der Vorliebe oder der Selbermachkompetenz unabhängig (wobei ich für Quellen jetzt selber recherchieren müsste).

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Da ich Ihnen ja nichts Böses unterstellen will, gehe ich davon aus, dass Ihnen nicht klar war, was Sie mit dieser Anfrage bei Ihrer Leserschaft anrichten;-)

Im Moment galoppieren kleine Pferdchen durch den Schädel und es dröhnt im Stakkato Palomino Hosen....Palomino T-Shirts.
Das ist schon sehr alt. Aber geblieben. Anders als das schöne Haar, das mir zwar gegeben war, das ich aber augenscheinlich nicht habe leben lassen.

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"Lavendääl, Oleander, Jasmiiiin -
VERNELL!" Bei C & A-Werbung denke ich eher an einen gezeichneten Hund mit Megaphon, der war von "Schlussverkauf bei C & A" blökt. Und hatten die nicht auch später auch "Dream a little Dream of me" von Mama Cass wieder populär gemacht?

Und auf die Gefahr, gleich Hassmails und Flame-Kommentare zu bekommen, trällere ich jetzt "Carglass repariert, Carglass tauscht aus"... ;-p

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gut, dass ich noch schnell geguckt habe, ob jemand sich da schon drangehaengt hat. mein erster gedanke war naemlich, wie es denn sein kann, dass der zuhoerer sich mit einem jingle so furchtbar verarscht fuehlen kann (wirklich. der carglass jingle unterbietet selbst bohlenproduziertes an komplexitaet, das ist eigentlich eine frechheit) und doch den ganzen tag damit rumlaeuft. natuerlich ist das masche, aber ich vermute, dass im vorliegenden fall wirklich mit eingeplant ist, dass leute das extrem doof finden und darum behalten. wo wir schon wieder bei werbung mit verona dingsbums sind.

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@herzbruch:
Es gibt ja eine alte Reklame-Regel: "Was zu doof ist, um gesagt zu werden, kann man immer noch singen lassen." Tatsächlich teile ich Ihre Vermutung im Fall Carglass, dass ein gewisser Nervfaktor billigend in Kauf genommen wird.

Oder nehmen wir Seitenbacher Müsli. Die wissen auch ganz genau, dass die Machart ihrer Funkspots eigentlich genau so ist, wie mans nicht machen sollte. Eventuell spekuliert man da auch auf den Effekt "so schlecht, dass es schon wieder gut ist."

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Woher's kommt
Werden Sie die Einnahmen auf die Beiträger umlegen? Ach egal, steht ja oben.

Ich bin mir nicht sicher, ob das in ein Magazin Namens "beef" passt, aber ein Verweis auf die Tonmalerei in der Programmmusik v.a. des 19. Jahrhunderts sollte nicht fehlen. Hollywood hat die zentralen Elemente dieser Musikästhetik schon früh aufgenommen: außermusikalische Handlungen und deren subjektive Wahrnehmung werden in der Komposition ausgedrückt (Hummelflug, Gewitter, Schlachtenlärm, Eisenbahn bspw.). Im 19. Jahrhundert war die Musikästhetik noch national orientiert, besser: an der Suche nach nationalen Kulturbegriffen beteiligt, im 20. Jahrhundert - in dem die Programmmusik tendenziell ins Unterhaltungsfach wandert - ist sie zunehmend universal ausgerichtet. Spätes seriöses Beispiel wären wohl einige Stücke Prokofieffs, berühmte Beispiele (willkürliche Auswahl) aus dem 19. Jahrhundert: Dvorak (Moldau), Mussorgski (Bilder einer Ausstellung), Grieg (Peer Gynt). Übrigens: In der Programmmusik geht's auch ganz schön laut und leise zu. Bei Wagner noch einmal reinhören lohnt sich in dieser Beziehung auch, wenngleich seine Kompositionen im engeren Sinne sicherlich nicht als Programmmusik bezeichnet werden können. Ob es eine Studie über die Verbindungslinien zwischen E-Programmmusik und Werbegeträller gibt, weiss ich nicht. Für Filmmusik schon.

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@charon:
Die Chance, eine benachbarte Teildisziplin zu streifen oder zumindest die eine oder andere Analogie in branchenfremde Beritte zu ziehen, bietet ein "beef"-Beitrag durchaus. In einer früheren Ausgabe zum Schwerpunktthema "Netzwerke" hatte ich das kreative Teamwork der Werbung der Einsamkeit des Künstlers (oder dessen Zwiesprache mit dem Werk) gegenübergestellt. Von daher ist es sicher nicht verkehrt, zu fragen, ob es kompositorische Gesetzmäßigkeiten gibt, die sowohl für E-Musik als auch für zweckgebundene Auftragskompositionen wie Film- oder Werbemusik gelten.

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Ich weiß nicht, ob das thematisch passt, aber man geht immer mehr dazu über, den Konsumenten das Einkaufen richtig schmackhaft zu machen; sie sollen länger im Laden bleiben, sich wohl fühlen und natürlich noch mehr konsumieren. Es bietet sich hierzu an, an der Dekoration zu feilen, die Beleuchtung richtig zu wählen, eine passende Beduftung einzusetzen und eben auch eine musikalische Beeinflussung einzusetzen. Problematisch ist hierbei, dass die Geschmäker in Bezug auf Musik sehr unterschiedlich sind und viele als Lärm auffassen, was in anderer Leute Ohren als Wohlklang empfunden wird. Angestellte müssen das (nervtötende) Gedudel den gesamten Tag ertragen, ohne dafür eine Lärmzulage zu erhalten.

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Das Ladenradio
als konsumstimulierende Fortsetzung der Fahrstuhlmusik mit anderen (radio-ähnlicheren) Mitteln ist diesmal in der Tat nicht ganz mein Thema, aber hier ins Blog passt das trotzdem gut hinein. Was im Lebensmittel-Einzelhandel so aus den Lautsprechern schallt, ist klanglich ziemlich nah dran an den Mainstream-Wellen im UKW-Band mit den Hits der 80er, 90er und dem Nervkram von heute. Wobei ich sogar fast den Eindruck habe, das Edeka-Einkaufsradio in der Filiale meines Vertrauens hätte eine weit größere Playlist als der hiesige Lokalsender mit dem Mantelprogramm von Radio NRW...

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Lärmfolter
Die Verwendung von "Tönen" zur Lockung, Gefügigmachung und Folterung hat ja auch eine schöne Tradition. Ich denke an die Sirenen, welche die Schiffer (mit Ausnahme der Gerissensten von Ihnen: der eine machte einfach noch mehr Krach, der andere ließ den Kameraden die Ohren verstopfen und sich an den Mast binden) mit ihrem Gesang anlockten und dann töteten. Die Loreley hat die Idee rheinwärts übernommen. Das Abspielen von eiernden Schallplatten kommt in jedem schlechten Agentenfilm vor und die israelische Luftwaffe legt sogenannte Lärmteppiche über den Gaza, damit die Bewohner eben nicht einkaufen oder Steine schmeißen gehen, sondern zuhause bleiben.

Dem Kulturtheoretiker Theodor Lessing war dies schon 1907 (oder 1908?) zu viel und er gründete den Anti-Lärm Verein

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Dem Thema Musikterror
habe ich mich mal mit Geräuschkulisserie angenähert.

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Gut,
dass Sie das noch verlinkt haben, Herr Stubenzweig. Den bekannten Reim von Wilhelm Busch hatte ich nämlich auch in der falschen Version im Hirnkasten abgespeichert. Ich erinnere mich, dass in den 90ern "O fortuna" mal sehr beliebt war als Werbe- und sonstige Untermalung, was den "Spiegel" zu der schönen Überschrift "Alles orfft" inspirierte.

Ansonsten muss ich gestehen, dass ich mich der TV- und Radiowerbung seit Jahren weitestgehend entziehe, ich bin also auf der Suche nach aktuelleren Beispielen auf Mithilfe aus dem Leserkreis der Dunkelkammer angewiesen. Aber grad las ich in einem anderen anderen Fachblatt, dass Opel die Song-Contest-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut als neues Markengesicht verpflichtet hat. Ob die junge Dame auch singt, bleibt indes abzuwarten.

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Mir ist durchaus klar,
daß das nicht unbedingt Ihr Thema ist. Aber nach Charons Äußerung konnte ich das Wasser nicht mehr halten ...

Aber ein wenig hat's ja dann immerhin gebracht: Sie können korrekt zitieren. Gut schreib! Wenn mir noch was einfällt, rühre ich mich.

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Es hat schon mehr gebracht als das,
vielen Dank! Denn auch wenn redaktionelle Untermalungsmusik nochmal was anderes ist, so sind die funktionalen Zusammenhänge doch ähnlich. Und wie gesagt, ein Blick über den Branchen-Tellerrand hinaus ist nie verkehrt. Insofern bin ich auch für leicht off-topische (wie man neudeutsch sagt) Hinweise stets dankbar.

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Musikterror
"Angestellte müssen das (nervtötende) Gedudel den gesamten Tag ertragen, ohne dafür eine Lärmzulage zu erhalten."
Meine Erfahrung: spricht man sie darauf an ("es nervt", "es ist zu laut", "es ist schecklich", "kann man das nicht aus oder leiser machen") erfährt man, dass die entweder das Zeug garnicht bewusst wahrnehmen ... oder dass es ihre Lieblings-CD ist, die sie extra von zuhause mitgebracht haben um uns zu beglücken.
Ich meide solche Lokalitäten resp. renne schnell wieder raus.

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Stimmt,
viele, die dem Gedudel den ganzen Tag ausgesetzt sind (sei es eigen- oder fremdbestimmt), blenden es weitestgehend aus. Ist wohl eine normale mentalhygienische Schutzreaktion.

Was ich in diesem Leben wohl auch nicht mehr verstehen werde: wie man, nur damit da irgendwas blubbert und plappert, den Fernseher anstellen kann, obwohl man grad mir ganz anderen Dingen beschäftigt ist.

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Zur Sache tut's
zwar nichts, zumal ich das nicht angestrebt hatte, aber ich will es Ihnen zumindest mitgeteilt haben: Die Verlinkung meiner Geräuschkulisserie hier bei Ihnen hat deren Sturm meiner Bestenliste bewirkt. Seit Donnerstag ist sie um vierhundert (wortlos: 400) Klicks hinaufgeklettert auf die evolutionären Zinnen. Ich bin sprachlos. Sie stehen offensichtlich einer Großgemeinde vor.

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Sie sehen mich auch überrascht
angesichts dieser Größenordnung, aber Großgemeindevorsteher ist doch noch mal eine ganz andere Liga. Neulich hatte ein Link von Don Alphonsos Startseite 800 Besucher an einem Tag in die Dunkelkammer gespült, dazu kamen noch weitere Hundertschaften über einen Tweet von Holger Klein, danach habe ich erst mal überlegt, das Parkett neu abzuschleifen. ;-)

Bezogen auf Ihren Link überschlage ich pi mal Daumen, dass jeder der durchschnittlich 200 Besucher pro Tag, die ich im September hier begrüßen konnte, Ihren Link geklickt hat. Das Sensationelle ist also nicht unbedingt die reine Anzahl der Klicks, sondern vielmehr die click-through-rate von um die 100 Prozent.

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Und die ist völlig überbewertet. ;-)

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Das meinte ich.
DA hat mir auch mal über sechshundert Besucher an einem Tag reingeschoben, einer der Umblätterer mit einem Zwitscherlink gar über gar achthundert. Es wurde eng in meiner kleinen Behausung, die weniger auf größere Parties als eher auf bescheidenere Familien- und Freundesfeierlichkeiten eingerichtet ist. Das ist es, was mich daran erfreut: das offensichtliche oder auch vermutliche Interesse am Thema.

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Euronics

(als Beispiel für funktionierende Nerv-Werbung)

Gab es nicht auch mal supernervige Werbung für Klingeltöne (quasi doppelt gemoppelt: Doppel-Nerv), z.B. ein "süßes" Küken, dessen Stimme mittels Tontechnik (z.B. via Harmonizer/Pitch processor hochpitchen der Tonlage) auf enervierend kindlich getrimmt wurde.

Will sagen: Es wirkt nicht nur Kompression, um den Aufmerksamkeitswert von Werbemusik zu steigern.

Ein anderes, imho schönes Beispiel ist die Werbung mit Katzenberger für eine Auskunfthotline. Allgemeiner: Musik eignet sich besonders, um Slogans zu transportieren und (via prägnanter Musik) eine zusätzliche Erinnerungshilfe zu installieren, welche die Werbebotschaft beim Konsumentenvieh verankert.

Noch ein Thema: Einsatz von Musik in der Propaganda (man stelle sich hier z.B. deutsche Wochenschauen vor). Auch hier wird über Musik eine Botschaft transportiert - genauer gesagt, es werden damit die Emotionen der Zuhörer manipuliert. Die jeweils gezeigten Szenen werden durch wiedererkennbare musikalische Strukturen (meist stereotype musikalische Wendungen, die für "Spannung" oder "'Romantik" usw. stehen) so unterstützt, dass damit die emotionale Reaktion der Zuhörer gelenkt wird.

(in durchaus nicht unähnlicher Weise wird ganz allgemein Filmmusik genutzt - hier kann man auf einen zusätzlichen Aspekt hinweisen, z.B. in Hinblick auf Filme von Tarantino: Die Rhythmisierung und Unterstützung des Filmschnitts durch Musik - und auch umgekehrt: Die Anpassung des Film- und Bildschnitts auf die Musik)

Allgemein wichtig ist bei Werbemusik, dass der Rezipient die musikalische Botschaft irgendwie zuordnen kann und sie nicht seinen Hörgewohnheiten widerspricht - insofern verbieten sich i.d.R. 12-Ton-Musik oder moderner Jazz.

(ob der wirklich modern ist, wäre noch einmal eine ganz andere Diskussion)

Beispiel für Musik in der Werbung: Cola oder ganz allgemein Erfrischungsgetränke. Hier wird man auch einer besonderen Form von Werbemusik ansichtig, bei der es dann nämlich darauf ankommt, dass die Musik selbst auch als "erfrischend", jugendlich und cool wahrgenommen wird.

Ein nochmals ganz anderes Thema ist Muzak - Funktionsmusik zu Werbezwecken, bei der das "Nervige" gezielt ausgefiltert wird (Höhen und Bässe, mitunter auch eine gezielte leichchte Verhallung, sowie eine Tendenz zum musikalisch Trivialen, das als "harmonisch" und einlullend empfunden wird). Fast schon umgekehrt zur Nervmusik in der Werbung wird hier das Nervige bzw. Aufmerksamkeit auslösende unterbunden - und damit die Aufenthaltszeit und das Wohlbefinden von Kunden in der Einkaufszone erhöht und - messbar! - auch sein Kaufwiderstand gesenkt. Mögliche Erklärung: Wenn die Ausschüttung von Hormonen gesteigert wird, welche Harmoniegefühle wach rufen, dann wird unkritischer und weniger preisbewusst eingekauft.

Noch ein Thema, oft ziemlich musiknah, wäre der Einsatz von Geräuschen. Auch ein langes Thema - aber ich mache hier mal Schluss, zumal der Artikel vermutlich längst schon gelaufen ist.

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Die Kombination von Ihrem Nick und dem Begriff Muzak hat jetzt zu einer fatalen Synapsenschaltung geführt.
"Dr. Dean, bitte zur Medikamentenausgabe"

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@Dr. Dean:
Ach Gott ja, Klingelton-Werbung, die hatte ich in diesem Zusammenhang ja gar nicht auf dem Schirm. Danke für den Hinweis, das sollte zumindest noch angerissen werden in der Geschichte (die grad in der Mache ist).

Den Aspekt mit der Muzak werde ich wohl platzbedingt außen vor lassen müssen oder nur sehr am Rande streifen können. Tatsächlich muss ich zusehen, dass ich perspektivisch die Kurve kriege hin zum sogenannten "Sound Branding", wo versucht wird, Marken und Unternehmen ein unverwechselbares Klangprofil zu geben, über das reine Sondlogo und den Jingle hinaus.

Da sind wir dann natürlich auch in einer Rückkopplungsschleife zwischen den Geräuschen, die ein Auto im Werbespot macht und den Versuchen der Ingenieure, diese Geräuschkulisse dann auch "in echt" (oder mit Hilfsmitteln simuliert) im Fahrzeug hinzukriegen...

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