Donnerstag, 10. Juni 2010
Hauptsache, rumGEZetert
Eine nicht unerhebliche Anzahl von Internetcommunitybenutzern hyperventiliert dieser Tage wegen der geplanten Änderungen der Rundfunkfinanzierung. Zugegeben, eine Haushaltsabgabe unabhängig vom Besitz und Betrieb eines geeigneten Empfangsgeräts mag nicht jedem spontan einleuchten. Aber so leid es mir tut, das sagen zu müssen: Einlassungen à la "ich guck doch gar kein ARD und ZDF, wieso soll ich dann Gebühren zahlen?" oder "ich hole mir alle meine Infos aus dem Internet" waren auch schon bisher nicht von großem Sachverstand unterfüttert. Im Lauf meiner beruflichen Tätigkeit (nein, nichts Juristisches) hatte ich Gelegenheit, einige Urteilsbegründungen zu Rechtsstreitigkeiten über die Gebührenpflicht zu lesen. Und die Quintessenz daraus (oder die executive summary, wenn Ihnen das zeitgemäßer erscheint), darf ich den Besuchern der dunklen Seite hier und heute kurz und knackig präsentieren:

Die Rundfunkgebühr ist ihrem Wesen nach kein Nutzungsentgelt, sondern eine Infrastrukturabgabe

Daraus folgt: Wenn die Gebührenpflicht bisher schon nicht daran gekoppelt gewesen ist, ob ich das Mutantenstadl im Ersten angucke oder nur "DSDS" und ähnliche Unterhaltungsangebote privatwirtschaftlicher Provenienz, dann ist es eigentlich nur logisch und konsequent, die Abgabe früher oder später auch vom Gerätebesitz zu entkoppeln. Allzugroße Hoffungen, dass das Bundesverfassungsgericht oder sonst eine höhere Instanz diese geplanten Änderungen wieder kassiert, würde ich nicht schüren wollen nach allem, was ich in in den letzten 25 Jahren an medienpolitischen Entscheidungen mitbekommen habe.

So, und jetzt dürfen sich gern alle weiter erregen, auch der ansonsten sehr geschätzte Udo Vetter, dem ich eigentlich mehr rundfunkrechtlichen Sachverstand zugetraut hatte als in ein kirschkerngroßes Hirn passt. Er schrieb dazu:

Kann man wirklich für etwas zur Kasse gebeten werden, was man gar nicht nutzt? Schon die frühere Logik, ein zum Empfang bereitgehaltenes Gerät verpflichte dazu, für ARD und ZDF zu zahlen, war ja seit Zulassung des Privatfunks eine Zumutung für jeden mit einem IQ über dem eines Kirschkerns. Nun aber Menschen für TV und Radio zur Kasse zu bitten, die auf TV und Radio verzichten, ist in meinen Augen eine Attacke auf die Freiheit, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden (...).

Diese Freiheit ist nur leider nirgendwo kodifiziert. Und dazu fällt mir noch eine Quintessenz aus einer Urteilsbegründung ein - geliefert vom Bundesverfassungsgericht im sogenannten Bennetton-Urteil:

Es gibt kein Grundrecht auf eine von der Unbill des Daseins völlig unberührte Existenz.

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Eine Meckerei zum Abend:
Ich verstehe es, dass als Gebühr dann nicht weiter die Radiogebühr genutzt wird. Aber wenn nun ein gewisser Teil der "Kunden" plötzlich den dreifachen Preis zahlen soll (ich z.B.), finde ich es schon ein bisschen unverschämt. Das hätte man auch mit einer offen ausgesprochenen Gebührenerhöhung machen können. Immerhin wird man wohl für Zweitwohnungen nicht mehr zur Kasse gebeten (ich glaube, nur die wenigsten Leute haben aus Spaß an der Freude eine Zweitwohnung).

Als Fan britischer Serien vergleiche ich natürlich immer die britische Fernsehlandschaft mit der deutschen. Holla die Waldfee, was die BBC mit ihren wenigeren Gebühren anstellt. Falls ich mal nach Großbritannien ziehe, würde ich mir wieder einen Fernseher zulegen. Ich kucke nämlich schon jetzt (mittelmäßig legal *hust*) deutlich mehr im BBC iPlayer als im deutschen Fernsehen. Unglücklicherweise gibt es nämlich nur wenige mutige deutsche Eigenproduktionen und die verschwinden dann oft auch noch im Nachtprogramm von Arte. Vor allem habe ich aber bei der BBC den Eindruck, dass dort den Verantwortlichen genauer auf die Finger geschaut wird, wie sie ihre Gebühren verwenden. Und dann kommt es eben dazu, dass es drüben bei vielen Serien der Regelfall ist, dass zur Erstausstrahlung eine Audiodeskription vorliegt, was man in Deutschland seit einiger Zeit gerade mal beim Tatort schafft. Eine Qualitätssteigerung in Form von mehr Mut sehe ich bei ARD und ZDF aber erstmal nicht (abgesehen von Dokus, die allerdings auch ad nauseam reihum auf den Dritten wiederholt werden), und ZDFneo als Quell für etwas andere ausländische Sendungen scheint sich ja auch mehr schlecht als recht zu halten.

Ich bestreite nicht, dass die britischen Talent- und Reality-Shows grausig sind – die sind zum Zehennägelaufrollen. Aber da zwingt einen niemand einzuschalten. Es ist nur so, dass für mich im deutschen Fernsehen der Anteil der Sachen, die mich zum Einschalten bewegen, die grauslichen Sachen fast nicht aufwiegt. Deshalb finde ich es nicht nett, dass einfach der höhere Gebührensatz festgelegt wird, und nicht anteilig auf eine mitttlere Gebühr runtergerechnet wird.

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@muerps:
Ich habe eine kleine Resthoffnung, dass bei der Bemessung noch nachgebessert wird, um solche Disproportionalitäten zu reduzieren.

Die BBC - so toll sie im Vergleich zu ARD und ZDF auch ist - bleiben die Diskussionen um Höhe und Verwendung der license fee auch nicht erspart. Speziell in den Murdoch-Blättern wird da nicht weniger Stimmung gemacht wie im Hause Axel Springer. Zum anderen agiert die BBC seit jeher kommerziell ziemlich erfolgreich, wenn es um den Export ihrer Programme geht. Das hat natürlich mit der hohen Programmqualität zu tun, aber eben auch damit, dass der englischsprachige Absatzmarkt ein zigmal größeres Marktpotenzial bietet als für synchronisiertes "made in Germany".

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Die Diskussionen um die licence fee kriege ich auch mit. Aber in der Außensicht habe ich deutlich stärker das Gefühl, dass dabei offener diskutiert wird, während so eine Diskussion hierzulande entweder schnell abgewürgt wird, oder in unreflektierter Meckerei endet. Und natürlich hilft kommerzieller Erfolg. Ich habe andererseits auch schon in Norwegen (untertitelte) deutsche Fernsehproduktionen gesehen, ARD und ZDF können also ins Ausland verkaufen. Eine gewisse Basis für kommerziellen Erfolg ist also da. Und inzwischen hat die ARD auch erkannt, dass sie mit DVD-Veröffentlichungen Geld machen kann, wie man an den Tatort-DVDs sieht. Es gibt also schon Schritte in die richtige Richtung, es sind nur leider sehr, sehr wenige.

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Die, die so hyperventilieren und - angeblich - nur Privatfernsehsender schauen oder hören, vergessen dabei nur allzu gerne, dass die privaten Sender nur deshalb einiges nicht in ihrem Programm abdecken müssen, weil sich die öffentlich-rechtlichen Sender darum kümmern. Weshalb sie eben auch die Rundfunkgebühren bekommen. Fielen die weg, änderten sich die Anforderungen an die Programmgestaltung der Privaten.

Unabhängig davon sollte man sich tatsächlich einmal über die Verwendung der Rundfunkgebühren unterhalten, da wurde und wird auch viel Geld sinnlos verballert oder verzockt (ich sage nur mdr und Südamerika, ist schon ein paar Jahre her). Auf den Planstellen der Sender sitzen auch so einige Leute herum, die sich nicht gerade totarbeiten. Und die Versorgungsansprüche ehemaliger Mitarbeiter kommen auch richtig teuer (ich hörte einmal, dass so mancher WDR-Ruheständler mehr bekommt als diejenigen, die dort heute als feste Freie mit Rahmenvertrag arbeiten). Stattdessen pressen die Sender die Freien aus, das ist nicht in Ordnung.

Mich trifft diese Erhöhung auch ziemlich happig, ich besitze keinen Fernseher und muss künftig dreimal so viel bezahlen. Und ob das dann auch für mein angemeldetes Autoradio gilt, ist ja noch nicht so ganz heraus.

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@arboretum:
Ein völlig gerechtes System wird es auf diesem Planeten wohl nicht geben in absehbarer Zukunft, aber ich hoffe doch, dass an den Bemessungen gerade mit Blick auf Härtefälle noch etwas nachgebessert wird.

Über die Verwendung der Gebühr kann man durchaus diskutieren, Sie haben da einige zentrale Mißstände schon benannt. Und was das Verhältnis Öffis und Private angeht, sollte auch nicht ganz unterschlagen werden, dass aus diesem Topf auch die Landesmedienanstalten (sprich: die Privatfunkaufsicht) finanziert werden, die wiederum den privaten Anbietern aus dem Topf der technischen Infrastrukturförderung auch so manches geldwerte Goodie zukommen lassen. Ohne diese Subventionen hätte sich kein privater Anbieter je bequemt, sein Programm auch über DVB-T (und im Hörfunk DAB) auszustrahlen. Dass die Privaten von der Gebühr also gar nichts hätten, stimmt so nicht.

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Ganz genau.

Diesem Parteiengeklüngel gehört übrigens auch ein Ende gemacht, nicht nur bei den Freundeskreisen des ZDFs, bei dessen Intendanten es hauptsächlich darauf ankommt, dass er CDU-nah und katholisch ist.

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Ich sehe das Problem auch eher in der Verwendung der Gebühren als in deren Höhe.
Aber was, Herr Mark, unterscheidet denn diese Gebühr eigentlich noch von einer Steuer, wenn sie Infrastrukturabgabe ist? Bzw. einfach nur: warum heißt es verwirrend "Gebühr"? Ist es, weil "Steuer" auch sprachlich den Einfluss der Politik markieren würde?

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Der Soli-Beitrag ist ja auch eine permanente Steuer und heißt nicht so. Man muss das schon ein wenig breitschmieren, sonst fällt es so auf. Vor allem wird wohl auch die FDP etwas gegen den Begriff Steuer haben.

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@not quite like beethoven:
Sie sagen es: Steuer kann man es aufgrund der verfassungsrechtlich gebotenen Staatsferne des Rundfunks nicht nennen. "Gebühr" ist insoweit schon korrekt als damit (im Unterschied zum "Entgelt") eine hoheitliche Leistung abgegolten wird. Etwaige lexikalische Empfindlichkeiten der FDP in Sachen Steuer können wir in dem Zusammenhang getrost hinten anstellen, diese Rundfunkfragen sind ja Sache der Länder/Ministerpräsidenten und da ist die FDP jetzt nicht soo eine Macht. Der Punkt ist: Wenn es eine Steuer wäre, würde sie ans Finanzamt entrichtet. Aber den Sonderweg mit der GEZ (und der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) ist man ja gegangen, weil "öffentlich-rechtlich" und "staatlich" halt doch zwei Paar Stiefel sind. Von daher scheint es mir auch reichlich unrealistisch, dass die GEZ komplett abgeschafft wird.

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Was mich an der ganzen Diskussion von Seiten der ÖR stört, ist der dort verbreitete Tenor "Ihr solltet uns dankbar sein". Eines der beliebten Argumente: Jetzt müssen die GEZ-Fahnder nicht mehr in den Wohnungen rumschnüffeln. Allerdings: Das dürfen die sowieso nicht. Deshalb drängt sich mir der Eindruck auf, dass sich die Gebührenfestleger sehr wohl dessen bewusst sind, dass ihnen sympathie-technisch das Wasser bis zum Halse steht. (Hier noch ein kleiner Beitrag der Serienjunkies, der in eine ähnliche Kerbe schlägt, wie die Diskussion hier.)

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Und danach? Die Bahn erhebt eine pauschale Abgabe von allen Bundesbürgern, egal ob sie die Schienen nutzen oder nicht? (Stichwort: Infrastrukturabgabe). Und dann kommen die Kinos? Und danach die Musikverlage? Nee, das ist eigentlich eher was für Musikverlage. Da draußen ist unsere Musik. Und da sich die jeder anhören kann muss auch jeder zahlen. Dann kommt ALDI, der hat auch ein ordentliche Infrastruktur. Und LIDL natürlich.

Ich soll für ein Programm zahlen, das ich mir nur unter Schmerzen reinziehen könnte? Ich habe erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen um mir Videos ansehen zu können ohne die abstrusen GEZ-Richtlinien zu verletzen. Versuche mal einen Fernseher ohne Empfänger zu bekommen, oder einen Video-Player (also ebenfalls ein Gerät ohne Empfänger), nur weil die GEZ glaubt, ich würde mir sobald der Kontrolleur wieder weg ist mir sofort die Nachmittags-Gerichtssendung reinpfeifen.

Wer den Blödsinn sehen will, sollen zahlen. Alle anderen sollte man in Ruhe lassen. Alles andere ist Sippenhaft.

PS: Bekommen dann eigentlich alle Sender das Geld? Oder nur die, die sich anstellen, äh … die Anstalten? Und wenn, verzichten die dann auf Werbung?

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Das mit der Bahn wäre durchaus naheliegend, oder zumindest für den öffentlichen Nahverkehr.
Subventiniert wird das ohnehin, warum nicht komplett "abgabenfinanziert" und dann umsonst zu nutzen. Wenn man etwas wirklich für förderungswürdig hält, dann ist das der beste Weg.
Das gilt auch für TV mit einem "Bildungsauftrag". Daß man auf ARD und ZDF auch viel Schrott zu sehen bekommt, hat mit der Finanzierung nichts zu tun.
(Parks, Kunst im öffentlichen Raum, und eigentlich auch Theater und Oper sind ja auch öffentlich finanziert, ob man's nutzt oder nicht.)

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Da fällt mir ein: Ist denn schon bekannt, wie Haushalt im Sinne der GEZ definiert werden soll? Mich schützt nämlich meine Etagenküche vor der Zweitwohnungssteuer (weil hier nur dann etwas als eigene Wohnung gilt, wenn sich Bad und Küche hinter der abschließbaren Wohnungstür befinden). Das könnte eine kleine, aber feine Lücke werden.

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Da sind ja noch richtige Goldgruben zu entdecken. Infrastrukturabgabe klingt gut :-)

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Herr Papa, die Infrastrukturabgabe für die Musikverlage gibt es schon ewig. Nennt sich Gema, und hält bei allem die Hand offen, wo man Musik drauf speichern könnte.

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Ah, wie angenehm, dazu mal einen so unaufgeregten Beitrag zu lesen. Ich wundere mich schon darüber, wie bereitwillig manche das Kinderargument ("Was ich nicht nutze, zahle ich auch nicht") heranziehen. Dabei ist es doch vollkommen klar, dass man bei Strom, Wasser, Müll usw. auch zahlt, wenn man keine Kilowattstunde und keinen Liter verbraucht - oder keinen Müll produziert: Nämlich dafür, dass man es jederzeit könnte - oder, anders ausgedrückt, für die Infrastruktur.

Soviel zum Prinzipiellen, das man dann gerne auch noch auf die Bahn, Straßenbau, Kindergärten und sogar Privatunternehmen anwenden kann - man sehe sich nur mal an, was die sogenannte "Wirtschaftsförderung" so für Geld verschiebt.

Dass die GEZ ein unsympathischer Stasi-Verein ist, ist geschenkt, überflüssig sowieso, und deshalb bin ich eigentlich froh über die Vereinfachung, die jetzt ansteht, zumal sich irgendwelche Schlaumeier dann nicht mehr herausziehen können. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist ein wertvolles Gut, für das auch Geld fließen muss. Punkt.

Auf einem ganz anderen Blatt stehen dann Fragen wie die nach dem Programmangebot, dem Filz, der Werbung und so weiter. Die müssen diskutiert werden, und da gibt es sehr viel zu verbessern. Aber das Kind mit dem Bade auszuschütten und noch offensiv jeden RTL-Dreck und jeden ekelhaft Werbefinanzierten Internetmüll einem wenigstens prinzipiell gesellschaftlich statt privat definierten Angebot vorzuziehen, erscheint mir bestenfalls naiv.

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Und außerdem...
...ist es unglaubwürdig, daß sich ein Fernsehbesitzer niemals ARD, ZDF oder ein Drittes Programm anschaut. Glaube ich einfach nicht. Und sei es -Herr Papa- "unter Schmerzen": zahlen sollten Sie auch unter moralischen Gesichtspunkten. Allles andere sind tatsächlich "Kinderargumente", s.o.

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Nenee, völlig falsch. Ich trinke kein Alkohol, warum soll ich für eine Kneipeninfrastruktur zahlen? Weil ich irgendwann mal mit saufen wieder anfangen könnte?

Ich habe keinen Fernseher. Warum soll ich Fernsehsender finanzieren? Weil ich ja später mal wieder gucken könnte? Absurd.

Auch das Argument, ARD und ZDF sind im Internet präsent ist irre. Erstens speisen die nicht ihr Programm ins Internet, sondern nur ein „Infoangebot“, und zweitens machen die das freiwillig, im vollen Bewusstsein, dass für diesen Content nicht bezahlt wird. Wie wollten die auch einem Belgier Geld für ihren Content abknöpfen?

Außerdem könnte dann jeder Content im Internet anbieten und pauschal eine Abgabe pro Haushalt verlangen, nur weil das Angebot ja jemand nutzen *könnte*. Der Spiegel könnte z. B. eine Pauschalabgabe für SpOn fordern, das kann ja jeder lesen. Aber das ist so FALSCH, das es mich wundert das da überhaupt drüber diskutiert wird. Das ist überhaupt kein „Kinderargument“.

Ich zahle den Eintritts ins Phantasialand wenn ich es besuche, und nicht nur weil es das gibt. Ich bezahle den Salat im Supermarkt, und nicht den Schokoriegel, nur weil es den gibt. Ich zahle das Benzin an der Tanke das ich verbrauche, und nicht einen Pauschalbetrag, der den Durst des SUV meiner Nachbarn mit berücksichtigt.

Der Müll muss weg. Und wenn ich wenig Müll produziere, dann lasse ich mir eine kleine Tonne hinstellen und zahle für den Müll den ich produziere.

Mir versucht einer Kosten aufzulegen für deren Entstehung ich keinerlei Anlass biete. Was soll das? Wenn *ich* das versuche gehe ich in den Knast. Das ist Betrug. So ist das. Da kann man nicht „unaufgeregt“ sehen.

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Warum soll jemand, der keine Kinder hat, für Schulen bezahlen? Warum soll jemand, der nie krank ist, für Krankenhäuser bezahlen? Warum soll jemand, der kein Auto hat, für den Straßenbau bezahlen? Warum soll jemand, bei dem es nie brennt, für die Feuerwehr bezahlen? Warum soll jemand, der nie Bus fährt, den ÖPNV subventionieren?

Mal eine ganz andere Frage: Sind Sie ehrlich der Ansicht, dass man so etwas wie eine öffentlich-rechtliche Grundversorgung unter reinen Marktgesichtspunkten betrachten soll?

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Fernsehen ist keine Grundversorgung. Das ist Freizeitaktivität, maximal.

Mal eine ganz andere Frage: Sind Sie ehrlich der Ansicht, das so etwas wie Fernsehen unter den gleichen Gesichtspunkten wie den Schutz vor Feuer oder Verkehrsinfrastruktur betrachten soll?

(Das kommt hier härter rüber als es gemeint ist, aber es wird so deutlicher was ich meine, sorry.)

Übrigens bin ich der Meinung, dass Menschen ohne Kinder keine Kindergartenkosten zahlen müssten. Auf der anderen Seite glaube ich, dass Kindergärten ohne Solidarbeiträge für Familien kaum tragbar wäre. Ähnlich sehe ich das beim ÖPNV. Ein Solidarbeitrag fürs Fernsehen hingegen halte ich für absurd.

Straßen sind was anderes. Ich profitiere auch von Straßen wenn ich kein Auto habe. Z. B. weil Waren die ich kaufe über diese Straßen transportiert werden. Möglicherweise könnte ein besseres Abrechnungssystem gefunden werden, aber abwägig ist die Forderung nicht.

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"So etwas wie Fernsehen" - ja, in dem Sinne, dass ich ein öffentlich-rechtliches Medienangebot grundsätzlich immer einem rein privaten vorziehe. Ein Blick nach Italien kann da ganz aufschlussreich sein.

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@der_papa:
Das mit der Grundversorgung ist Rechtsauffassung des Bundesverfassungsgerichts. Das lässt natürlich Raum für konträre Auffassungen - aber eben nur im Rahmen der privaten Meinungsäußerung. ;-)

@nnier: Was auch immer das Beispiel Italien beweisen mag: Im großen und ganzen schienen mir RAI 1 und 2 schon in den 90ern ziemlich verblödet, als der Wettbewerb mit den Berlusconi-Sendern gerade erst richtig losging...

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Kann sein; dass es immer noch schlimmer geht, ist dann allerdings wohl mehr als klar geworden.

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Ein kleiner Nachtrag @der_papa
Schon wieder das Beispiel BBC: Im dortigen Rundfunksystem bezahlt man für Radio alleine keine Gebühr, deshalb sind die Radiosender für alle Länder online verfügbar. Für die Fernseh-Sparte des iPlayers gibt es dagegen eine IP-Beschränkung, sodass man nur aus dem UK darauf zugreifen kann. Genaugenommen darf man ihn sogar nur nutzen, wenn man die Gebühren bezahlt (die ich, nebenbei bemerkt, bereitwillig zahlen würde, wenn es für mich möglich wäre). Das kann man natürlich nicht sehr gut kontrollieren, aber die Sperre für ausländische IPs kommt einer Beschränkung auf Gebührenzahler schon relativ nahe. (Kleine Kuriosität am Rande: Briten mit Schwarzweißfernseher zahlen nur eine ermäßigte Rundfunkgebühr.)

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Unzulässige Steuer. Ich klage in jedem Fall.

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Viel Glück,
das können Sie brauchen. Und eine gute Rechtsschutzversicherung auch...

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Was dieses Thema angeht, bin ich so dermaßen: "Ja richtig, aber andererseits ...", dass ich nichts Gescheites mehr beitragen kann. Nach Lesen Ihres Beitrages war ich auf jeden Fall: "Ja richtig".

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So wie Papa das ausführt, so läuft´s aber nicht in einer funktionierenden Gesellschaft (ob sie gerade zur Zeit schön funktioniert, das sei mal dahingestellt). Da muss schon ein Mindestmaß an Solidarität her. Dieses "ich zahle nur für meinen Pröttel" ist ja höchst -ähem- ich sage mal "liberal" oder -im wahrsten Sinne des Wortes- asozial.

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Solidarität für Fernsehkonsumenten?

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Zum Bleistift, siehe nnier 12:08

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Die Feuerwehr kommt nur wenn's brennt. Die anderen Einrichtnugen können Feuer verhüten. Oder, wie Bernd Naumann sinngemäß sagte, Kultur ist nicht das Sahnehäubchen, sondern die Hefe im Teig. - Man kann inhaltlich viel kritisieren, grundsätzlich ist ein ÖRR mit Bildungsauftrag und breitem gesellschaftlichen und kulturellem Angebot wünschenswert, wichtig und sollte "ordentlich" finanziert sein. Dasselbe gilt für Museen, Theater, Opern und meinetwegen Schwimmbäder.

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Ok, ich stehe mit meiner Meinung zum Fernsehen alleine da. Ich zahle für etwas, dass ich nicht nur nicht konsumiere, sondern schlichtweg ablehne, ja sogar verachte.

Ehrlich, das fällt mir schon etwas schwer …

@kid: Das ist lange her, dass ich Fernsehen und Kunst in einem Satz positiv verbunden höre. Ansonsten bin ich Naumanns Meinung. Mir fällt es einfach schwer Oper, Schauspiel, Konzert, Malerei, Literatur und Fernsehen in einer Reihe zu betrachten. Das erinnert mich an die Micky-Maus-Rätsel: Welcher Gegenstand passt hier nicht rein?

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(Zugegeben rede ich auch von einer Wunschvorstellung von ÖRR. Wo preisgekrönte Filme nicht um Mitternacht ihre Erstausstrahlung haben. Aber Sendungen wie Monitor oder Kulturzeit kann ich mir bei den Privaten schon gar nicht vorstellen.)

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Ich persönlich habe mir das Fernsehen übrigens auch nahezu abgewöhnt. Und vieles, auch im ÖRR, ist Mist. "Wunschvorstellung" trifft es da schon gar nicht schlecht; aber es gibt eben doch immer mal, sicher zu selten, die interessante Reportage, den nicht marktgängigen Film; und wenn ich mal mit dem Auto unterwegs bin, schalte ich das Radio ein und lasse mich nur allzu gerne vom Kultursender überraschen.

Ein wenig ist es so, wie wenn öffentlicher Raum privatisiert wird: Über Fußgängerzonenen und kommunale Parks können die Bürger wenigstens potentiell mitbestimmen. Wenn es aber um die Gestaltung und die Hausordnung eines überdachten, privaten Einkaufszentrums oder eines Freizeitparks geht, ist das einfach nicht mehr der Fall. Auch deshalb bin ich klar für den ÖRR, so beklagenswert sein Zustand auch aktuell ist.

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@nnier:
Kann ich so ähnlich auch unterschreiben. Ich meide das Fernsehen seit Jahren weitestgehend, würde die Schuld aber nur zum Teil auf das Programmangebot schieben. Die Entfremdung hat auch noch andere, strukturelle Gründe. Wenn ich mir die Zeit nähme, fände ich sicher noch das eine oder andere, was mich interessiert. Auch wenn man sich heute wahrscheinlich durch mehr Trash durchwühlen muss als noch vor 10 oder 15 Jahren.

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Ich störe mich an zwei, nein eigentlich an drei Dingen:
- Daß die GEZ weiter für das Einziehen der Gebühren zuständig ist und somit eine Existenzberechtigung hat.
- An der Höhe der Gebühren, hier hätte ein Senkung hergemußt.
- Aber vor Allem an der Festmachung am Haushalt.
Denn was heißt das? In einem Haushalt kann eine Person wohnen, wie es in meinem derzeit der Fall ist. Es können aber auch mehrere Personen dort wohnen. Studenten- WGs fallen mir da ein, aber auch der Besserverdienende der zusammen mit seiner zweitwagenfahrenden Frau und den bereits erwachsenen Kindern ein Haus bewohnt.
Aktuell ist es so, daß wer selbst Geld verdient, auch Gebühr zu zahlen hat, und zwar je nachdem was er nutzt. Fernsehen 18 Euro, Radio 7 Euro. Ab 2013 verdreifacht sich für mich Radiohörer also die Gebühr, während die o.g. Beispielfamilie die ihrige ähnlich stark reduziert.
Dem kann ich natürlich dadurch entgehen, wenn ich bis dahin selbst mit Freundin oder wem auch immer zusammenziehe. Aber wenn ich das nicht will werde ich für eine ganz persönliche Entscheidung finanziell bestraft.
Für Dich als Doppleverdiener und Freiberufler dürfte es günstiger werden wenn das Autoradio und der Büro- PC nicht mehr extra kosten.

Gerechter wäre es in meinen Augen gewesen, wenn man den Betrag einfach durch das Finanzamt einziehen lassen würde, und die Gebühr an einer bestimmten Bemessungsgrenze festmacht: Alle über 1000 Euro brutto zahlen voll, darunter einen ermäßigten Betrag und wer unter 320 Euro liegt bekommt ihn ganz erlassen. Kein Quatsch mit Belastung von Zweitwohnungen, keine Erfassung von Haushalten überhaupt (sowas soll das Einwohnermeldeamt machen, wenn überhaupt) und fertig.

Allerdings sehe ich auch Vorteile. Zumindest fällt das Hickhack um Zweit- Dritt oder neuartige Empfangsgeräte weg - eine Vereinfach die drigend nötig war.
Über die Gebührenhöhe läßt sich aber zweifellos noch diskutieren. Aber vielleicht entwickelt sich ja grade weil jetzt alle zahlen müssen, in Zukunft was. Ob ich z.B. die Fußball- WM auf ARD oder RTL schaue ist mir als Zuschauer schnurzegal - Hauptsache die Spiele werden nicht von Deppenbauer oder Netzer kommentiert ;o)

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Aktuell ist es so, daß wer selbst Geld verdient, auch Gebühr zu zahlen hat
Stimmt so nicht. Wenn man als Student bei seinen Eltern auszieht (da reicht es auch, wenn man am Studienort nur eine Zweitwohnung hat und aus welchen Gründen auch immer die Hauptwohnung weiterhin bei den Eltern), muss man für die bereitgehaltenen Geräte zahlen. Befreien lassen können sich nur diejenigen, die Bafög bekommen (die frühere Regelung war anders, da waren alle befreit, die prinzipiell Bafög bekommen könnten) oder die noch ständig bei den Eltern wohnen und unter der Freigrenze liegen. Wenn man aber in einer eigenen Wohnung wohnt, kann man auch weit unter dem Bafög-Satz liegen und trotzdem zahlen (frei nach dem Motto: Wer kein Bafög kriegt, der hats ja). Aber damit kommen wir in ähnliche Gefilde wie die Zweitwohnungssteuer, die ebenfalls Leute ohne Einkommen zahlen müssen, und da muss ich als potentiell Betroffene sagen, dass ich eher auf die 5 bzw. 17 Euro nochwas scheißen kann als auf 10% zusätzlich zu meiner Miete (noch schützt mich meine Etagenküche vor der Zweitwohnungssteuer, s.o.).

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Okay, danke für die Aufklärung.
Da ich mir das Studieren gespart habe, ging dieser Kelch an mir vorüber.
Was die Zweitwohnungssteuer soll die einige Gemeinden erheben, und andere wiederum nicht, ist mir auch reichlich unklar. Ich kenne das aus der Vergangenheit und aus einer sehr weit westlich gelegenen deutschen Fast- Großstadt (Trier) sogar umgekehrt: Da hatte die Stadtverwaltung den Studierenden eine Begrüßungsgeld gezahlt, damit sie sich überhaupt behördlich melden...

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Es gibt Städte, die zahlen Begrüßungsgeld für die einen und fordern Zweitwohnungssteuer von den anderen… Manche Städte hatten wenigstens die Größe zuzugeben, dass damit vorwiegend die Studenten ausgenommen werden sollen, weil ja so viele da sind, während andere Städte scheinheilig von einer Luxussteuer reden (es sind ja nicht nur Studenten betroffen, sondern auch Arbeitnehmer, die eine Zweitwohnung brauchen, wogegen reine Ferienhäuser in Städten vergleichsweise rar sind). Aber das ist ein ganz anderes Thema.

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Alle Diskussionen hätte man schon seit Jahren den gar aus gemacht, hätte man das Kind bei seinen richtigen Namen genannt.

Gebühren sind Entgelte für erbrachte (Dienst-)Leistungen. Telefongebühren zahle ich nur wenn ich telefoniere bzw. wenn ich einen aktiven Telefonanschluss habe. Nicht für den Besitz eines Telefons.
Auf dem Amt zahle ich nur Gebühren, wenn ich da etwas von denen haben will. Nicht deswegen, weil ich lediglich ins Amt gegangen bin.

Bei den Rundfunkgebühren handelt es sich in Wahrheit um Steuern:
"Als Steuer wird eine Geldleistung ohne Anspruch auf individuelle Gegenleistung bezeichnet, die ein öffentlich-rechtliches Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen Personen auferlegt, die einen steuerlichen Tatbestand verwirklichen [...]".
Der "steuerliche Tatbestand" wäre dann dementsprechend der Besitz eines Radios/TVs/PC mit Internet/usw. Die Steuer bezahlt man also unabhängig davon ob man öffentlich-rechtliche Sender schaut/hört oder nicht.

Ich denke mal, hätte man es von vorne rein klar gemacht das es eine Steuer und keine Gebühr ist, wären viele Diskussionen erst gar nicht geführt worden.
Warum man es nun lieber Gebühr anstatt Steuer nennt? Wahrscheinlich weil sich gebühren einfacher und beliebiger anheben lassen.

Das Problem an der nun geplanten Rundfunksteuer auf Basis einer Haushaltsabgabe könnte Begehrlichkeiten wecken. Warum nur Rundfunk mittels einer Pauschalabgabe finanzieren? Warum nicht auch den ÖPNV? Oder die Straßen, werden schließlich auch von Fußgängern benutzt obwohl diese keine Steuern zahlen.
Diese Änderung ist unklug und wird nur noch mehr Menschen dazu bewegen sich über die Rundfunksteuer aufzuregen und diese ggf. sogar nicht zu bezahlen. Eine Haushaltsabgabe ist unverständlich, schwer zu begründen und wird mit Sicherheit auf sehr wenig Akzeptanz stoßen.

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Danke.
Meine Meinung. Mit einem kleinen ABER: Nur der Einfachheit halber willen.....weshalb werden öffentlich-rechtliche Sender nicht gleich komplett steuerfinanziert? Wegen mir so ne Art "Rundfunksteuer" (Wir haben schließlich auch Sektsteuer oder Leuchtmittelsteuer) Nur so ne dumme Frage ins Nichts...

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„weshalb werden öffentlich-rechtliche Sender nicht gleich komplett steuerfinanziert?“

Weil es ihnen dann geht wie den Theatern und den Opern, bei denen das quasi so ist. Hier in Wuppertal reden die davon die (gerade renovierte) Oper, bzw. das Schauspielhaus aus Geldmangel zu schließen. Das geht natürlich nicht. Dieser Gefahr will man sich nicht aussetzen. Außerdem würde sich das TV dann in einer Bewertungs-Reihe mit Theatern und Konzertsäälen sitzen, und die Diskussion über die in Zahlen messbar erbrachte Kulturleistung würde, bei allen Definitionsschwierigkeiten die das mit sich bringt, immer zu lasten des Fernsehens ausfallen. Nicht umsonst nennt man die Flimmerkiste auch „Kulturbremse“ …

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Hat sicher schon mal jemand angemerkt:
Ich zahl seit über 30 Jahren meine (sogar teure, private) Krankenversicherung und habe sie noch nie benutzt. Ich finanziere mit meinen Steuern auch die Autobahnen, obwohl ich bewusst kein Auto fahre (schon seit zehn Jahren). Ein Blinder zahlt auch für den Verbrauch des Flurlichtes in seinem Wohnhaus, obwohl er's eigentlich... usw.
Sowas nennt man Solidargemeinschaft.

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Genau. Solidarität. So isses. Das ist der Punkt. Selbst bei so etwas profanen wie Fernsehen.

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Nochmal: Solidarität mit den hier Beschriebenen?

Zitat: „Denken Sie doch mal nach. Die Wut steigt aber die intellektuelle Verwirrung lässt nach.“

(etwa bei Minute 8)

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