Dienstag, 13. Dezember 2005
Existenz-Jubiläum
Ein Jahr ist sie jetzt schon alt, die kleine Maus. Und ich denke zurück an die ersten glücklichen Momente zu dritt im Krankenhaus. Ich kann nicht sagen, dass es mich sofort komplett weggerissen hätte, wie es andere frischgebackene Papis geschildert hatten. Ich war einfach froh, das alles glatt gegangen war, dass es meiner Frau gut ging und dass an dem süßen Winzling alles dran gewesen ist was dran sein sollte. So richtig in mein Herz gestohlen hat sich die Kleine dann in den ersten Tagen und Wochen zu Hause. Wenn ich daran denke, dass sie jetzt ja auch schon ein halbes Jahr in die Kita geht, dann wird mir schwindlig, wie die Zeit rast. Weihnachten steht ja nun auch schon wieder vor der Tür, dann können wir schon bald anstoßen aufs neue Jahr, und wenn das in dem Tempo weitergeht, dann können wir der Kleinen demnächst Klamotten kaufen für den Abiball den ersten Schultag. Aber wie end- oder zeitlos mag sich so ein erstes Jahr für ein Kind anfühlen? Wie unabsehbar lange war ein Sommer, als ich selber noch klein war? Faszinierend und irgendwie auch erschreckend, wie sich die Perspektive ändert mit der Zeit. In diesem Sinne: Happy Birthday, kleine Maus!

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Sonntag, 11. Dezember 2005
Sunday of love


Der Sommer der Liebe war definitiv schon vorbei, als ich spätgeborenes Herbstkind damit begann, von meiner sexuellen Reife Gebrauch zu machen. Ob die späte Geburt im Autumn of '63 eine Gnade oder ein Fluch war, tja, schwer zu sagen. Jedenfalls war ich zu jung, um die Studentenunruhen, Sit-ins und Sex, Drugs & RocknRoll-Exzesse der späten Sechziger aktiv mitzuerleben. Aber so ganz ist diese kulturelle Prägung auch an meiner Generation nicht vorübergegangen, wie ich heute in der Frankfurter Schirn Kunsthalle sehen konnte. Das ganze psychedelische Gewaber in Gelb, Orange- und Rot-Tönen, Bewegtbilder, die den Betrachter auf einen Trip zu schicken scheinen, diese ganze vertraute Ikonographie des Hippie- und Gammlertums, vor dem mich meine Eltern immer gewarnt hatten, das alles bettet die Frankfurter Ausstellung sehr gut ein in den popkulturellen Kontext jener Jahre. Leider stellte sich das Aufsichtspersonal ziemlich stur in Sachen Fotographieverbot, sonst hätte ich hier liebend gerne ein paar Eindrücke serviert - etwa den flower-power-mäßig bemalten Porsche von Janis Joplin (kein Wunder, dass sie dann den HErrn um einen Mercedes-Benz anflehte). Allerdings wurde mir von dem ganzen psychedelischen Hippiekram dann doch so schwirr im Schädel, dass ich schon anfing, Zimtsterne zu sehen und Glühwein zu riechen. Aber nach dem Genuss einer knackigen Rostbratwurst auf dem Weihnachtsmarkt am Römer war ich wieder im Hier und Jetzt angekommen. Im winter of love 05. Und glühweinselig wie ich war, ließ ich mich (ausnahmsweise mal) nicht lumpen, als mich ein Tippelbruder um Kleingeld ansprach. Ich bestand nicht mal auf der sonst üblichen Spendenquittung. Unser Steuerberater wird mir deswegen sicher Vorhaltungen machen. Aber jetzt, wo das Fest der Liebe immer näher rückt, wollen wir doch nicht so kleinlich sein. Und gleich mal ne passende Musik für den Tages-Ausklang raussuchen: All you need is love von den Beatles, gefolgt von Come together...

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Donnerstag, 8. Dezember 2005
Grassierender Kinder-Wahnsinn
weg mit Kevin

So langsam komm ich ja zu dem Schluss, dass dieses ganze Gewese um die neue Hackfresse das neue Knaben-Antlitz auf der Kinderschokoladen-Verpackung eine ziemlich clever eingefädelte Guerilla-PR-Aktion von Ferrero ist und sonst gar nichts. Konsequenterweise hätte der Hersteller auch gleich ein Mädchenbild auf die Packung drucken können. Denn - das muss endlich einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden - richtige Jungs wollen richtige Schokolade und nicht so nen Kinderkram. So siehts aus. Kinderschokolade ist die erste Stufe eines ausgeklügelten Diätprogramms für Mädels und Milchbubis: Wenn sie klein (und brav) sind kriegen sie Kinderschokolade mit wenig Kakao. Und wenn sie groß sind, kriegen sie Raffaello, da ist gar keine Schokolade mehr drin. An hohen kirchlichen Feiertagen gibt's dann auch mal eine Yogurette, die ist zwar nicht von Ferrero, aber da ist auch ganz wenig Schokolade drin und ganz viel billige Füllung. Also, liebe Kinder, la-la-lasst Euch nicht verarschen und geht euren Eltern notfalls so lange auf die Nüsse, bis sie euch richtige Schokolade kaufen - mit ganz viel Kakao und wenig Milch.

Nachtrag: Soeben weist mich eine aufmerksame Leserin fernmündlich darauf hin, dass Yogurette sehr wohl von Ferrero stammt. Na dann passt ja alles noch viel nahtloser zusammen. Also, mon cheri, alles kein Grund, mir die Kugel zu geben...

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