Donnerstag, 7. Juli 2005
Blick in die Bloghütte
Frau Seelchen ruft zum Blogplatz-Wettbewerb. Nicht, dass ich meinem kargen Dunkelkämmerlein da große Chancen ausrechnen würde. Ich möchte mit meinem bescheidenen Beitrag einfach nur die subliminale Message rüberbringen: Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ihr an furnierten, formaldehyd-triefenden Preßspanplatten sitzt, die ein bekanntes schwedisches Möbelhaus von behinderten indischen Kindern für ein paar Rupies zusammenleimen lässt: Für mein Mobiliar musste kein Baum dran glauben.

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Montag, 4. Juli 2005
Zehn Zeichen,
die dafür sprechen, dass Du es mit der Bloggerei übertreibst:

1. Du siehst einen Sperling aufs Fensterbrett flattern und denkst sofort: "ah, Spatzen-Content".

2. Dein Schreibstil driftet immer mehr in pseudophonetische Wiedergabe von Ruhrpott-Slang ab: ey, gezzma ernshaft, doo!

3. Du stolperst über einen toten Maulwurf am Wegesrand und denkst: "Den sollte ich eigentlich ablichten und das Bild dem Herrn Kid schicken."

4. Du versuchst, das mit dem Text-Durchstreichen auch in Word-Dokumenten hinzukriegen.

5. Du unterteilst die Tagesereignisse nur noch in zwei Kategorien: blogbar oder unblogbar.

6. Du drohst missliebig gewordenen Zeitgenossen, sie von Deiner Blogroll zu streichen - obwohl sie da mangels Blog gar nicht draufstehen.

7. Du lässt Deine Blog-URL auf T-Shirts drucken.

8. Wenn Deine Mutter mal wieder Deinen Nachwuchs sehen möchte, mailst Du ihr den Link zu Deinem Flickr-Account.

9. Du würdest Deine Einkäufe am liebsten per Kommentar beim Shopblogger abwickeln.

10. Du zeichnest mit Deinen Fingern eckige Klammern in die Luft und sagst dazu seltsame Sachen wie "Klugscheißermodus on".

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Freitag, 1. Juli 2005
Vertrauens- und Sonntagsfragen
Der Grünen-Abgeordnete Werner Schulz hat vorhin ein großes Wort gesprochen: "Wir leben in einer Demokratie, nicht in einer Demoskopie." Wobei die Grenzen zunehmend verwischen, denn der permanente Blick auf die Wasserstandmeldungen des Wählerwillens gehört ja längst zum politischen Tagesgeschäft. Für einen Politiker oder auch anderen politisch interessierten Menschen wäre es vielleicht mal ganz lehrreich, im Callcenter live dabeizusein, wenn die aktuellen Kurswerte von Parteien, Fraktionen und Spitzenpolitikern aus repräsentativen Zufallsstichproben per Telefon erfragt werden. Ich weiß, wovon ich rede, denn während meines Politik-Studiums in den 80er Jahren habe ich bei der Forschungsgruppe Wahlen Politbarometer und Wahlumfragen telefoniert. Und ich muss sagen, das massenhafte Interviewen von wahlberechtigten Mitbürgern hat mir mehr Illusionen geraubt als 30 Jahre "Spiegel"-Lektüre. Ich erinnere mich speziell an die 1987er Landtagswahl in Schleswig-Holstein (Barschel und so...). Als Einstiegsfrage hatten wir im Skript: "Was sind aus Ihrer Sicht die drei gravierendsten Probleme in Ihrem Bundesland?" Irgendwann hatte ich jemanden am Rohr, der mir allen Ernstes in den Ohrstöpsel blökte: "Dass zuwenich für die alten Frontkämpfer getan wird in diesem Land, DAS ist das Hauptproblem." Als Sozialforscher ist man ja der Neutralität verpflichtet, und daher fragte ich erst mal skriptgemäß weiter "und das zweite Problem?" Es gebe kein zweites Problem, blaffte der alte Sack, würde mehr für die alten Frontkämpfer getan, stünde alles zum Besten hier im Norden. Ich konnte dann doch nicht ganz an mich halten und gab dem Herrn dezent zu verstehen, dass sich das Problem der alten Frontkämpfer irgendwann biologisch erledigen würde. Daraufhin betrachtete der Interviewte das Gespräch vorzeitig als beendet, und so habe ich nie erfahren, was er gewählt hätte, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl gewesen wäre. Aber wenn ich ehrlich sein soll, wollte ich das schon gar nicht mehr so genau wissen. Denn am kommenden Sonntag war ja gar keine Landtagswahl...

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