Samstag, 28. Mai 2005
3er-Baureihe
Ohne offizielle Auftragsbestätigung texte ich normalerweise nicht los. Aber drei mal drei Zeilen kann ich mir schon mal honorarfrei rausleiern, wenn ich so nett gefragt werde. Allez hopp:

1. Der Wagen raste gegen einen Baum.
Wie in Zeitlupe sah der Fahrer den Mercedesstern auf dem Lenkradkranz auf sich zukommen. Eigentlich hätte in diesem Moment der Airbag auslösen müssen...

2. Die Frau setzte ihren Hut zurecht.
Der schwarze Schleier verbarg ihr Lächeln, als sich der Sarg in das rechteckige Loch in der Erde senkte. Dieser Mensch würde nie wieder ihren Hochzeitstag vergessen.

3. Der Mann zündete sich eine Zigarette an.
Dann steckte er sie dem Delinquenten zwischen die Lippen. Das Erschießungskommando hatte bereits Aufstellung genommen und die Gewehre durchgeladen...

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Freitag, 27. Mai 2005
Kalendarische Kryptik
Nach dem gestrigen Feiertagsprogramm fühle mich ein bisschen lahm heute. Da genehmige ich mir doch einen Krückentag.

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Dienstag, 24. Mai 2005
112
Gestern habe ich die numerologische Steilvorlage verpasst, aus Anlass von "Online seit 111 Tagen" einen schnapszahligen Beitrag zu schnitzen. Stattdessen ruft mir die 112 heute den Wohnungsbrand im Haus meiner Eltern zurück ins Gedächtnis. Der meinen Vater das Leben gekostet hat. Und bei dem ich nach zwei Versuchen, noch in die verqualmte Wohnung reinzugehen und ihn da rauszuholen einsehen musste, dass ich das besser der Feuerwehr überlasse.

Die war auch verdammt fix, ebenso der Notarztwagen. Und als mein Vater auf der Liege in NAW wieder zu sich kam und mit der Notärztin rumflachste, schien alles nicht so schlimm. Aber die Ansage der Ärztin, morgen wäre er wieder wohlbehalten zuhause, hat sich nicht bestätigt. In der Nacht starb er ohne klar erkennbare Ursache, und erst die Obduktion brachte es zutage, dass er wohl einen Herzanfall gehabt haben muss. Dieser Herzanfall hat ihn erwischt, als er einen Tiegel Fett für Pommes Frites auf dem Herd hatte. Ich war im Keller den Flur am Tapezieren, und da meine Mutter ein paar Tage weg war, hatte er versprochen, Pommes à la Papa zu machen für mich.

Das ist jetzt gut zehn Jahre her. Mein schwerer schwarzer Ledermantel, den ich an jenem Tag anhatte, riecht manchmal noch ganz leicht nach dem Brand. Und mit dem Geruch in der Nase kommen auch die Bilder wieder zurück. Und mit den Bildern die Erinnerung an das beschissene Gefühl, nichts tun zu können. Einen dritten Versuch, da selber nochmal reinzugehen, hätte ich vermutlich selber nicht überlebt.

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