Dienstag, 25. September 2018
Bambi im Hambi und das Grundlast-Problem


Interessanterweise redet derzeit alles vom Hambacher Wald und nicht davon, dass auch die Kartbahn in Kerpen-Manheim, wo die Schumi-Brüder ihre ersten Runden drehte, dem Tagebau weichen soll. Nicht dass ich fürs Abholzen plädieren würde, aber sooo etwas besonderes ist dieses Reststück des einst viel größeren Bürgewalds auch wieder nicht. Hinzu kommt: Wollte man den Kohlestrom mit Windrädern ersetzen, müssten auch unzählige Bäume dran glauben.

Das Problem ist aber ein anderes, nämlich die Sicherung der Grundlast. Wind und Sonne liefern nicht zuverlässig konstant Strom, so dass immer noch einige konventionelle Kraftwerke zur Grundlastsicherung gebraucht werden. Und nach dem überstürzten Atomausstieg haben wir dafür hauptsächlich die Kohlekraftwerke zur Verfügung. Das Dilemma ist, Gas wäre umweltfreundlicher zu verbrennen als Kohle, aber das Geld dafür müsste man entweder Putins Gas-Oligarchen in den Rachen werfen oder amerikanisches Fracking-Gas in verflüssigter Form kaufen, wofür es derzeit kaum die benötigten Terminals für die Tanker gibt. Aber hier im rheinischen Revier liegt der Brennstoff nun mal da, und die Genehmigungen zum Abbau wurden vor langer Zeit erteilt. Im Fall von Hambach dürfte das in den späten 70ern gewesen sein, und die Erweiterung vom Tagebau Garzweiler wurde Mitte der 90er von der damaligen rot-grünen Landesregierung beschlossen.

Gleichwohl hat es ein Zeitfenster gegeben, innerhalb dessen die Politik beim Energiekonzern RWE einen früheren Ausstieg aus der Kohle und damit eine Verkleinerung der Abbaugebiete hätte herausverhandeln können. Der vorige RWE-Chef hatte mehrfach beklagt, dass der Betrieb der Braunkohle-Kraftwerke aufgrund der Subventionen für die alternative Stromerzeugung zunehmend unwirtschaftlich würde. Das wäre für die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Chance gewesen, gemeinsam mit RWE ein Ausstiegszenario zu erarbeiten, das neben dem Klima auch die Interessen der Arbeitnehmer und die Grundlastsicherung im Stromnetz neu ausbalanciert. Dass die RWE für einen vorzeitigen Ausstieg oder ein massives Runterfahren der Kohleverstromung einen politischen Preis herausverhandeln wollte, war ziemlich offensichtlich. Aber warum die Landesregierung nicht mal ansatzweise den Versuch unternommen hat, diese Chance zu nutzen, werde ich nie verstehen. Und jetzt haben wir den Salat, ganz gleich, ob die Bäume im Hambacher Forst einstweilen stehenbleiben oder nicht.

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Dienstag, 11. September 2018
Remember, remember, the 11th of September
Als damals in New York die beiden WTC-Türme in Schutt und Asche sanken, waren sich die Kommentatoren einig darin, dass die Welt danach eine andere sein würde. Und ja, wenn man die anschließenden Kampfhandlungen in Afghanistan (wo auch deutsche Soldaten unsere Demokratie verteidigen involviert sind) und die paranoiden Veränderungen in den USA durch Patriot Act und Homeland Security in Betracht zieht, kann man das schon so bilanzieren.

Wobei ich ehrlicherweise anmerken muss, dass sich durch die Anschläge und deren Folgen in meinem Leben nicht viel geändert hat. Außer vielleicht, dass man seitdem an der Security im Flughafen noch penibler gefilzt wird als vorher. Mehr als am 11.9.2001 hat sich für mich am 11.9.2017 geändert, da hatte ich nämlich meinen ersten Dialysetermin, und seitdem muss ich da dreimal die Woche hin - das ist so ziemlich die größte Veränderung in meinem Leben, seit ich Ehemann und Papa geworden bin.

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Samstag, 1. September 2018
Saisonales zum Sommerende


Zum Höhepunkt der Wespensaison habe ich heute mal das farblich passende Peugeot-Projekt aus dem Keller geholt, um mit meiner Frau zusammen eine Runde am Rheinufer zu drehen. Die Sattelhöhe war noch auf meinen kleinen Bruder eingestellt, und das passt gerade noch so, meine sonst übliche Sitzhöhe (nicht zu reden von Klick- oder Hakenpedalen) kann ich mit den schwachen Fußgelenken immer noch nicht fahren. Der Physiotherapeut wie auch die Oberärztin sind aber der einhelligen Meinung, es könne nur gut tun, wenn ich auf diese Art wieder in Bewegung komme - und wer bin ich, da zu widersprechen?

Ansonsten erinnert mich das Wespengebrumm daran, dass meine Mutter gestern Geburtstag gefeiert hätte, weilte sie noch unter uns. Wenn wir bei ihr Ende August bei Kaffee und Kuchen im Garten saßen, waren die gelbschwarzen Störenfriede immer mit am Tisch. Dabei haben wir neulich, als wir zu Gast waren bei Leuten, die wir aus dem Internet kennen, eine neue Methode kennengelernt, die Plagegeister etwas auf Abstand zu halten: Man verbrennt in einer Schale etwas Kaffeepulver, was zwar auch für den Menschen nicht gerade angenehm riecht - aber die Viecher haben tatsächlich Respekt davor. Vielleicht nutzt sich der Effekt ja auch irgendwann ab so wie bei den nelkengespickten Zitronenscheiben, aber solange es hilft wäre mir das dafür geopferte Kaffeepulver nicht zu schade.

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