Dienstag, 29. Januar 2013
Blondinen bevorzugt
Die Temperaturen steigen, und ich fühle mich plötzlich so gähnmanipuliert. Ein #aufschrei dringt an mein Ohr, aber ich höre nicht so recht hin. Könnte da auch Geschichten vom Krieg erzählen von einem Fachverlag, für den ich früher arbeitete, bei dem grundsätzlich nur blonde Redakteurinnen eingestellt wurden. Wobei das Auswahlprocedere dem Vernehmen nach mehr von einem Casting hatte als von einem Vorstellungsgespräch. Als freier Mitarbeiter, der nur ab und an zu Themenbesprechungen anreiste, habe ich das volle Spektrum der alltäglichen Anzüglichkeiten und des systematischen Gebaggers und Gegrapsches natürlich nicht mitbekommen, aber selbst die Ahnung davon war schon unangenehm genug. Das ganze Ausmaß hat mir die dienstälteste Redakteurin erst später offenbart, als sie schon auf dem Sprung war zu einem anderen Arbeitgeber. Die Vorgänge in diesem Unternehmen mögen ein extremes Beispiel für den alltäglichen Sexismus in der Arbeitswelt gewesen sein, aber es war für mich auf alle Fälle ein eye opener. Und so bin ich auch nicht unbedingt der Auffassung, dass die zum Teil etwas schrilleren Töne in der aktuellen Sexismus-Debatte keine Berechtigung hätten. Es ist gut so, dass das mal zur Sprache kommt.

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Dienstag, 22. Januar 2013
We're all stars now - in the dope show
Ich muss gestehen, dass mich die Diskussion um Lance Armstrong, sein systematisches Doping und die Gesamtsituation des Profiradsports weitaus weniger interessiert, als man das von einem halbwegs rennrad-affinen Zeitgenossen vielleicht erwarten würde. Mir ging nämlich der mediale Personenkult um irgendwelche Spochtskanonen schon seit jeher gegen den Strich. So hatte ich Anfang der Achtziger zum Tennis gefunden, bevor der Leimener und die Brühlerin die Massen in ihren Bann schlugen und Bumm-bumm mit der gelben Filzkugel boomte. Nicht dass ich mich in die Zeit zurückgewünscht hätte, als der weiße Sport noch eine Domäne von Arzt-, Anwalts- und Apothekersprösslingen war, aber je mehr sich Tennis als Fernsehsportart etablierte, desto rapider nahm meine Lust ab, selber das Racket zu schwingen.

Als mir 1994 Sir Walter I in die Hände fiel, guckte ich in der Folgezeit ab und zu mal die eine oder andere Etappe der Tour de France im TV. An die 96er-Tour, die Bjarne Rijs für die Telekomiker gewann, kann ich mich noch sehr gut erinnern, und auch daran, dass mich der im Jahr darauf kulminierende Jan-Ullrich-Trubel in der Berichterstattung ("Wo fährt Jan Ullrich?") zunehmend nervte. Etwas erträglicher war das zwar bei Eurosport, dafür rollten sich mir die Ohren, wenn dort der Schweizer Ex-Radler Toni Rominger als Co-Kommentator rumschwadronierte. Von dem späteren Zweikampf Ullrich/Armstrong habe ich nur sehr wenige Ausschnitte ohne Krämpfe angucken können, denn während die Hysterie der Kommentatoren sich immer weiter steigerte, als ob davon wer weiß was abhinge, wurde es mir immer gleichgültiger, welcher der beiden Unsympathen im gelben Trikot fährt oder gar in Paris auf dem Treppchen steht.

Das Interesse am Profizirkus ist auch nicht wieder erwacht, seit ich Anfang 2010 daran ging, mein eigenes Radprogramm auf eine reglmäßigere Grundlage zu stellen. Der Austausch mit anderen interessierten Bloggern gibt mir da weitaus mehr als im TV den rollenden Apotheken zuzusehen. Natürlich nötigen mir die dabei erbrachten Leistungen Respekt ab - ganz unabhängig von der Frage, ob, welche und wieviele Mittelchen da zum Einsatz kommen. Aber es hat mit mir und meinem Spaß auf dem Sattel nicht mehr zu tun als das Rumrasen von irgendwelchen Schumis und Vettels mit meiner Fahrfreude im Darkmobil.

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Mittwoch, 16. Januar 2013
Desperate Houseman (30)
Nach hausmännischen Standards gemessen ist dieses (nicht mehr so ganz zeitgemäße) Mobiltelefon nicht nur sauber, sondern rein. Und das bei nur 30 Grad - es steckte nämlich noch in der Rückentasche der Radlerjacke, die ich dieser Tage nach einem kleinen Ritt zusammen mit einer Ladung Buntwäsche in die Waschmaschine stopfte. Schon bald nach dem Start des Vorwaschgangs war dann der besten Ehefrau von allen ein untypisches Bollern und Rumpeln in der Wäschetrommel aufgefallen, und nach einem kurzen Moment des Überlegens hatte ich traurige Gewissheit, da muss wohl mein Handy drinstecken. Und in der Tat, so war es, wie sich nach dem Abbrechen des Waschgangs herausstellte.

Die größte Überraschung beim Herausfischen des Apparats war, dass im Display überhaupt noch ganz diffus was flimmerte (stellen Sie sich ein sehr unscharf-verwackeltes und blass gewordenes Video einer Lavalampe mit Aussetzern vor, dann haben Sie etwa das Bild vor Augen, das sich mir in dem Moment bot). Zur Erstversorgung habe ich dann den Akku und die SIM-Karte rausgenommen, zwei Schräubchen im Akkufach gelöst und das Gehäuse etwas aufgebogen, um etwaiges Restwasser rauslaufen zu lassen. Viel war es nicht, und am Tag danach zeigte sich das Display nach dem Einschalten zwar noch recht verwaschen, aber die Schrift "insert SIM" war einigermaßen lesbar. Doch beim Versuch, die PIN einzugeben, endete der erste Versuch, das Telefon in Betrieb zu nehmen, auch schon wieder.

Nun kann man natürlich fragen, wozu die Mühe? Geräte dieser Güteklasse gibt es im Gebrauchthandel nachgeschmissen, das alte Siemens S 45, das ich vorher benutzt hatte, liegt auch noch hier herum. Aber leider Gottes sind auf diesem Apparat ein paar Nummern gespeichert, die ich nicht ins Telefonbuch des Festnetz-Apparats oder sonstwohin übertragen habe. Die auf anderen Wegen wiederzubeschaffen wäre mir sehr lästig, und so versuche ich immer noch mein Glück. PIN eingeben und so klappt jetzt schon mal, aber wegen der wackligen Stromversorgung geht mir das Teil immer aus, wenn ich mich grad in die Kontakte durchgeschlagen habe. Drücken Sie mir also bitte die Daumen, dass ich das zumindest noch so weit in den Griff kriege, dass ich an die gespeicherten Telefonnummern wieder rankomme.

Ansonsten muss ich aber auch sagen: Die Farben auf dem Display strahlen jetzt, wo es innen anscheinend wieder trocken geworden ist, so hell wie eh und je. Hat sich also gelohnt, mit Persil Megaperls Color zu waschen und nicht mit irgendeinem No-name-Pulver, das dem Grauschleier nicht beikommt.

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