Montag, 29. November 2010
Besinnliche Betrachtungen
Der Männerschnupfen, die tödliche Geißel der halben Menschheit, greift mal wieder mit ihren schleimigen Tentakeln nach mir. Heldenhaft kämpft meine Abwehr bis zur letzten Antikörper-Patrone, ich gurgle gewärmtes hohes C, lasse mir ein heißes Erkältungsbad ein und tröste mich damit, dass ich heute auch unter anderen (will sagen: erfreulicheren) Umständen nicht aufs Fahrrad gestiegen wäre. Buchhaltung will gemacht sein, konzeptionelle Überlegungen für eventuell anstehende Geschichten sind gefragt, da ist von Weihnachtseinkäufen und diversen Kindergarten-Terminen der nächsten Zeit noch gar nicht gesprochen. Kurzum: Es ist mal wieder wie alle Jahre in der Adventszeit: Man würde sich ja gern grün und blau besinnen, aber der verdammte Vorweihnachtsstress lässt einem keine Gelegenheit dazu. Andererseits: Wer weiß, wofürs gut ist. Ich kann jedenfalls sagen, dass am wir Samstag trotz Terrorgefahr und drohendem Währungs-Crash auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt waren und auch die Ubahnfahrt Nordweststadt-Römer und zurück relativ mühelos überlebt haben. Aber für mein Immunsystem ist das ja nichts, mit dem öffentlichen Personennahvekehr rumzugurken, das gehört auch zu den learnings des Wochenendes.

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Donnerstag, 25. November 2010
Was Sie schon immer über Sechs wissen wollten
Zum Ausklang des gestrigen Abends war ich dann doch schon ein bisschen zu angeheitert, um unseren sechsten Hochzeitstag hier im Blog noch angemessen zu würdigen. Und was soll ich sagen? Auch zum Beginn des sogenannten "verflixten siebten" fühlt sich unser amtlich abgesegnetes Zusammensein als Mann und Frau immer noch so richtig an wie am ersten Tag. Hätte ich mir früher nicht unbedingt vorstellen können, die Hürde der sieben Jahre habe ich in früheren Beziehungen schon zweimal gerissen. Aber das waren halt auch mehr so Generalproben, die eigentliche Aufführung läuft hier und jetzt - mit einem um ein formidables Töchterlein erweiterten Ensemble. Also dann, meine liebste Marquise793, auf die nächsten sieben mal sieben Jahre!

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Montag, 22. November 2010
Geht es wieder gegen "geistiges Grenzgängertum"?
Über die Frage, ob das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung auch die Hausfassade schützt oder nicht, kann man durchaus kontrovers diskutieren. Und von dieser Möglichkeit wurde (auch hier in der Dunkelkammer) so ausgiebig Gebrauch gemacht, dass wir die jeweiligen Argumente nun wirklich als bekannt voraussetzen dürfen. Aber allmählich gewinnt die Kontroverse doch eine neue, nunja, Qualität: In Essen wurden Presseberichten zufolge jetzt Häuserfronten, die bei Googles Streetview-Dienst verpixelt erscheinen, mit rohen Eiern beworfen. Parallel dazu blasen sogenannte Aktivisten für die Entpixelungsinitiative "Finde das Pixel" zur Bilderjagd nach verpixelten Hausfronten.

Schöne, neue Welt, die solchen Tatendrang beflügelt. Bin ich der einzige, den dieser Aktionismus an die FDJ-Aktion "Blitz kontra NATO-Sender" ("Aktion Ochsenkopf") erinnert? Kurz nach dem Mauerbau zogen in der DDR Horden von Pionierpimpfen und Komsomolzen von Häuserblock zu Häuserblock und inspizierten, ob die Bürger ihre Antennen auch brav auf das Ostfernsehen ausgerichtet hatten. Wo die Antennen auf die Programme der Imperialisten (Sender Ochsenkopf) ausgerichtet waren, gab es entweder sinnige Sprüche ("Der Ochsenkopf auf dem Dach, der Klassenfeind im Schlafgemach") an die Hauswand, oder die Jungstalinisten stiegen gleich aufs Hausdach und verdrehten oder demolierten die Empfangsanlagen eigenhändig. Die FDJ-Aktion richtete sich explizit "gegen Ochsenköpfe und geistiges Grenzgängertum".

Und jetzt geht es mit dem gleichen kulturrevolutionären Furor gegen analoge Spießer, die sich der nett gemeinten Transparenz-Diktatur von Googles Gnaden nicht ohne weiteres unterordnen wollen. Wobei die Gründe für das Verpixeln wie gesagt zum Teil auch irrational sein mögen und auf Fehlwahrnehmungen beruhen. Einen hinreichenden Grund, die Leute zu ihrem Glück und Gugels Gassenglotze oder anderen Bildersammlungen zu zwingen, liefert das meines Erachtens aber nicht. Und für Eierwürfe und dergleichen schon gar nicht. Auf eine digitale Öffentlichkeit, die solche Argumente nötig hat, ist mir mit Verlaub gesagt geschissen. Oder wie es George Bush senior mal so schön ausdrückte: read my hips!

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