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Montag, 5. Mai 2008
Von der Maas bis an die, äh, Düssel
mark793, 13:47h
In die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg wollte ich ja schon länger mal, nicht zuletzt angeregt durch diesen Beitrag. Und nachdem Maastricht von hier am Niederrhein aus wirklich nur anderthalb Katzensprünge entfernt ist, gab es jetzt am verlängerten Wochenende mit Die Gotik, das wußte schon Gustave Flaubert, ist ein "Baustil, der mehr als andere zur Frömmigkeit anregt." Aber deswegen will man ja auch als Neugote nicht unbedingt in apostolischer Armut nächtigen. Andererseits schreckte das Attribut "Designhotel" auch ein wenig ab. In völliger Verzückung einen Aufpreis in womöglich dreistelliger Höhe pro Nacht abzudrücken, nur weil irgendwelches Colani-, Starck- oder sonstiges Designer-Gerümpel in den Zimmern und in der Lobby rumsteht, das tut nun wirklich nicht Not.
Aber meine Sorge erwies sich als unbegründet. Alt und Neu harmonieren wirklich sehr schön in dem ehemaligen Kreuzherrenkloster. Die kubisch-nüchterne Glas- und Stahlkonstruktion des Aufzugs, die zart-transparenten Leuchtscheiben von Ingo Maurer, die im Kirchenraum schweben, und die Hotelbar in rotem Plüsch, das alles schmiegt sich überraschend reibungslos in den ehemaligen Kirchenraum mit seinen steil nach oben strebenden Spitzbogen in Sandstein. Sollte jemand auf die Idee kommen (was Gott in seiner ganzen Güte verhüten möge), den Kirchenbau wieder seinen ursprünglichen sakralen Zwecken zuzuführen, ließe sich der ganze weltliche Tand und Krempel innerhalb von zwei Wochen aus dem Kirchenraum entfernen. So stand es im Prospekt zu lesen. Aber nachdem Maastricht ja noch über einige andere ansehnliche Kirchenbauten verfügt, steht dieser Fall vorderhand nicht zu befürchten.
So. Und irgendwie müsste ich jetzt noch elegant die Kurve kriegen und beschreiben, wie und wo wir den Rest des verlängerten Wochenendes zubrachten. Aber ein wenig sträubt sich mein Innerstes gegen die Chronistenpflicht. Fast ist es mir ein bisschen peinlich zuzugeben, dass wir in einem Ferienpark-Franchise zu Gast waren. Um es mal positiv zu sagen: Wieder viel gelernt über Land und Leute unseres sympathischen Nachbarstaats. Ich habe endlich mal so eine ominöse Riesenkrokette probiert, ein eher mäßig beheiztes Hallenbad gilt den Niederländern schon als zubtroopisch, und last not least wissen wir jetzt, wo die Flodders Urlaub machen. Die hatten den Bungalow neben unserem.
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Mittwoch, 30. April 2008
Touch too Matsch
mark793, 14:39h
Der Kindergarten verfügt seit voriger Woche über eine neue Attraktion. Dieses sinnige Teil steht im Innenhof neben dem Sandkasten und nennt sich Matschanlage. Man kennt ähnliche Installationen ja auch von manchen öffentlichen Spielplätzen: eine Anordnung von waagrechten oder leicht abschüssigen Brettern auf Stelzen. Am oberen Ende kommt Wasser drauf, bei entsprechend viel Sand auf den Zwischenbrettern kommt dann am anderen Ende ordentlich viel Matsche raus. Und ich muss sagen, es ist - vielleicht abgesehen von einem Moorbad - so ziemlich die effizienteste Methode, Kinder so richtig einzusauen.
Kenner der Materie werden nun fragen: Aber Herr Mark, hat Ihre Tochter denn keine Matschklamotten und Gummistiefel? Ja, natürlich hat sie das richtige Outfit - aber es hilft nichts. Die Matschanlage hat keine Pumpe und keinen Wasserhahn, das heißt die Kiddies müssen das Wasser mit Eimern und sonstigen Behältnissen auf die oberste Bretterebene applizieren. Dabei schwappt immer mal was daneben. Und so hundertprozentig dicht können die Klamotten gar nicht sein, es sind ja schließlich keine Ganzkörperkondome, sondern Jacken, Hosen und Stiefel.
Kurzum: Es ist eine Riesensauerei, mindestens zwei Klamottengarnituren pro Tag gehen dabei drauf. Und da ist noch gar nicht davon gesprochen, wie die eigene Garderobe darunter leidet, dass mir jeden Tag beim Abholen so ein kleiner Schlammspringer zur Begrüßung in die Arme hüpft. Den Erzieherinnen entgehen die hochgezogenen Augenbrauen der Eltern natürlich nicht, und mit sardonischem Grinsen betonen sie, dass die Kleinen mit dieser neuen Errungenschaft einen Riiieeesenspaß hätten.
Tja, davon konnte ich mich mich bereits mit eigenen Augen überzeugen. Ich muss indes gestehen, dass meine Begeisterung allmählich spürbar nachlässt. Die Waschmaschine steht gar nicht mehr still, im Darkmobil fahre ich im Moment mehr Sand durch die Landschaft als ein Baustellenlaster, und der Verbrauch von einer Europalette Persil pro Woche (nicht zu reden von der dazugehörigen Wassermenge) geht allmählich doch ins Geld.
Da bin ich froh, dass heute mal Pause ist mit dem Gematsche im Kindergartenhof. Es ist nämlich Waldtag. Und mit etwas Glück wälzt sich die Kleine wieder in einer Wildschwein-Suhle.
Kenner der Materie werden nun fragen: Aber Herr Mark, hat Ihre Tochter denn keine Matschklamotten und Gummistiefel? Ja, natürlich hat sie das richtige Outfit - aber es hilft nichts. Die Matschanlage hat keine Pumpe und keinen Wasserhahn, das heißt die Kiddies müssen das Wasser mit Eimern und sonstigen Behältnissen auf die oberste Bretterebene applizieren. Dabei schwappt immer mal was daneben. Und so hundertprozentig dicht können die Klamotten gar nicht sein, es sind ja schließlich keine Ganzkörperkondome, sondern Jacken, Hosen und Stiefel.
Kurzum: Es ist eine Riesensauerei, mindestens zwei Klamottengarnituren pro Tag gehen dabei drauf. Und da ist noch gar nicht davon gesprochen, wie die eigene Garderobe darunter leidet, dass mir jeden Tag beim Abholen so ein kleiner Schlammspringer zur Begrüßung in die Arme hüpft. Den Erzieherinnen entgehen die hochgezogenen Augenbrauen der Eltern natürlich nicht, und mit sardonischem Grinsen betonen sie, dass die Kleinen mit dieser neuen Errungenschaft einen Riiieeesenspaß hätten.
Tja, davon konnte ich mich mich bereits mit eigenen Augen überzeugen. Ich muss indes gestehen, dass meine Begeisterung allmählich spürbar nachlässt. Die Waschmaschine steht gar nicht mehr still, im Darkmobil fahre ich im Moment mehr Sand durch die Landschaft als ein Baustellenlaster, und der Verbrauch von einer Europalette Persil pro Woche (nicht zu reden von der dazugehörigen Wassermenge) geht allmählich doch ins Geld.
Da bin ich froh, dass heute mal Pause ist mit dem Gematsche im Kindergartenhof. Es ist nämlich Waldtag. Und mit etwas Glück wälzt sich die Kleine wieder in einer Wildschwein-Suhle.
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Dienstag, 29. April 2008
Streckenweise stark bewölkt
mark793, 16:50h
Gestern mittag spulten sich die nassgrauen Bindfäden endlos vom Himmel herunter. Heute bleiben (zumindest bisher) Niederschläge aus. Trotzdem stehen die tristen Backsteinmauern der Nachbarhäuser im wolkigem Lichtgrau und frischen Grün in der Landschaft rum wie verrostet. Hatte ich es nur geträumt, oder war am Wochenende hier tatsächlich auch mal ein Hauch von Frühling zu spüren? Ich versuche noch davon zu zehren, dass wir uns vorgestern im schönen Stadtteil Kaiserswerth die Sonne auf die Nase scheinen ließen, während wir am Clemensplatz saßen und lecker Eis löffelten. Aber irgendwie scheint der Sonntagsausflug schon so weit weg wie der Kroatien-Urlaub vom vor-vorigen Jahr. Und das Grau da draußen schlägt gerade enorm auf die Stimmung. Letztes Jahr um diese Zeit herrschte schon sommerliche Backofenhitze, und als die abklang, wars das dann mit dem Sommer. Das soll heuer anders (sprich: besser) werden, versprechen die Wetterfrösche und Kenner der Bauernregeln - und ich möchte ihnen so gerne glauben.
Andernfalls müsste ich mal langsam überlegen, ob meine Bemühungen um eine einigermaßen klimaneutrale Lebensgestaltung wirklich noch zielführend sind. Vielleicht als erstes dieser Tage mal einen zünftigen Zwiebelrostbraten zubereiten. Wenn der gegessen ist, kann sich die Ozonschicht schon mal warm anziehen. Dann mal öfters die leckeren Bohnen aus Kenia auf den Tisch bringen. Mit denen geht ja auch so einiges. Also, lieber Petrus, ich will jetzt endlich besseres Wetter, sonst kündige ich das Kyoto-Protokoll, und dann ist Schluss mit dem klimapolitischen Kuschelkurs.
Andernfalls müsste ich mal langsam überlegen, ob meine Bemühungen um eine einigermaßen klimaneutrale Lebensgestaltung wirklich noch zielführend sind. Vielleicht als erstes dieser Tage mal einen zünftigen Zwiebelrostbraten zubereiten. Wenn der gegessen ist, kann sich die Ozonschicht schon mal warm anziehen. Dann mal öfters die leckeren Bohnen aus Kenia auf den Tisch bringen. Mit denen geht ja auch so einiges. Also, lieber Petrus, ich will jetzt endlich besseres Wetter, sonst kündige ich das Kyoto-Protokoll, und dann ist Schluss mit dem klimapolitischen Kuschelkurs.
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