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Sonntag, 11. Dezember 2005
Sunday of love
mark793, 20:44h

Der Sommer der Liebe war definitiv schon vorbei, als ich spätgeborenes Herbstkind damit begann, von meiner sexuellen Reife Gebrauch zu machen. Ob die späte Geburt im Autumn of '63 eine Gnade oder ein Fluch war, tja, schwer zu sagen. Jedenfalls war ich zu jung, um die Studentenunruhen, Sit-ins und Sex, Drugs & RocknRoll-Exzesse der späten Sechziger aktiv mitzuerleben. Aber so ganz ist diese kulturelle Prägung auch an meiner Generation nicht vorübergegangen, wie ich heute in der Frankfurter Schirn Kunsthalle sehen konnte. Das ganze psychedelische Gewaber in Gelb, Orange- und Rot-Tönen, Bewegtbilder, die den Betrachter auf einen Trip zu schicken scheinen, diese ganze vertraute Ikonographie des Hippie- und Gammlertums, vor dem mich meine Eltern immer gewarnt hatten, das alles bettet die Frankfurter Ausstellung sehr gut ein in den popkulturellen Kontext jener Jahre. Leider stellte sich das Aufsichtspersonal ziemlich stur in Sachen Fotographieverbot, sonst hätte ich hier liebend gerne ein paar Eindrücke serviert - etwa den flower-power-mäßig bemalten Porsche von Janis Joplin (kein Wunder, dass sie dann den HErrn um einen Mercedes-Benz anflehte). Allerdings wurde mir von dem ganzen psychedelischen Hippiekram dann doch so schwirr im Schädel, dass ich schon anfing, Zimtsterne zu sehen und Glühwein zu riechen. Aber nach dem Genuss einer knackigen Rostbratwurst auf dem Weihnachtsmarkt am Römer war ich wieder im Hier und Jetzt angekommen. Im winter of love 05. Und glühweinselig wie ich war, ließ ich mich (ausnahmsweise mal) nicht lumpen, als mich ein Tippelbruder um Kleingeld ansprach. Ich bestand nicht mal auf der sonst üblichen Spendenquittung. Unser Steuerberater wird mir deswegen sicher Vorhaltungen machen. Aber jetzt, wo das Fest der Liebe immer näher rückt, wollen wir doch nicht so kleinlich sein. Und gleich mal ne passende Musik für den Tages-Ausklang raussuchen: All you need is love von den Beatles, gefolgt von Come together...
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Donnerstag, 8. Dezember 2005
Grassierender Kinder-Wahnsinn
mark793, 11:44h

So langsam komm ich ja zu dem Schluss, dass dieses ganze Gewese um
Nachtrag: Soeben weist mich eine aufmerksame Leserin fernmündlich darauf hin, dass Yogurette sehr wohl von Ferrero stammt. Na dann passt ja alles noch viel nahtloser zusammen. Also, mon cheri, alles kein Grund, mir die Kugel zu geben...
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Dienstag, 6. Dezember 2005
Houseshoe-Heroes @home - at last
mark793, 13:21h
Tja, irgendwie fühle ich mich heute so, äh, nikolausig. Meine Frau hat mir nicht nur einen rot eingepackten Schoko-Wichtel untergejubelt - sondern auch ein Paar Hausschuhe: dunkelgrau-dezenter Filz, relativ feste Sohle. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft, wie man auf dem Bau zu sagen pflegt. Um die Frage auch gleich vorwegzunehmen: Nein, es sind keine Pantoffeln. Despektierliche Assoziationen mit dazugehörigem Heldentum darf sich die werte Leserschaft also sparen.
Und trotzdem: Es nagt doch leiser Zweifel an meiner Männerseele, ob ich dieses neue Stadium meines Domestizierungsprozesses uneingeschränkt gutheiße. Da sind schon allein die praktischen Gründe: Ich muss ja mehrmals amTag mit dem Hund raus, das heißt also, Schlappen aus, Schuhe an und vice versa. Ich habe meine Frau mal gefragt, was sie eigentlich so an meinen Straßenschuhen in der Wohnung stört. Der Dreck kanns nicht sein, denn ich pflege meine Sohlen gewissenhaft und mehrfach abzustreifen, bevor ich die Wohnung betrete. Nein, meinte sie, es hätte einfach so was Rastloses. Als wäre ich hier nicht zuhause - oder als ginge es mir darum, jederzeit fluchtbereit zu sein. Meine Toiletten- und Hygiene-Artikel hätte ich ja auch ganz lange noch im Kulturbeutel aufbewahrt anstatt Ablage und Schränkchen im Badezimmer richtig in Beschlag zu nehmen. So, als wäre ich nur auf ner kurzen Stippvisite hier. Wie in den Tagen, als wir noch nicht zusammen wohnten und meine nicht komplett ausgepackte Sporttasche in ihrem Flur unmissverständlich signalisierte: Hier stehe ich, ich kann auch anders(wo). Tja, so weit hergeholt ist dieser Eindruck mit dem vermuteten tiefsitzenden Fluchtreflex also gar nicht. Mit der Figur des Richard Kimble verbindet mich in der Tat einiges. Oder sollte ich sagen: verband mich einiges. Ich kann mich nicht erinnern, den Doktor auf der Flucht je in Hausschuhen gesehen zu haben. Das heißt, ich bin jetzt also angekommen. Und die alte Frage Should I stay or should I go? hat sich wohl erledigt.
Und trotzdem: Es nagt doch leiser Zweifel an meiner Männerseele, ob ich dieses neue Stadium meines Domestizierungsprozesses uneingeschränkt gutheiße. Da sind schon allein die praktischen Gründe: Ich muss ja mehrmals amTag mit dem Hund raus, das heißt also, Schlappen aus, Schuhe an und vice versa. Ich habe meine Frau mal gefragt, was sie eigentlich so an meinen Straßenschuhen in der Wohnung stört. Der Dreck kanns nicht sein, denn ich pflege meine Sohlen gewissenhaft und mehrfach abzustreifen, bevor ich die Wohnung betrete. Nein, meinte sie, es hätte einfach so was Rastloses. Als wäre ich hier nicht zuhause - oder als ginge es mir darum, jederzeit fluchtbereit zu sein. Meine Toiletten- und Hygiene-Artikel hätte ich ja auch ganz lange noch im Kulturbeutel aufbewahrt anstatt Ablage und Schränkchen im Badezimmer richtig in Beschlag zu nehmen. So, als wäre ich nur auf ner kurzen Stippvisite hier. Wie in den Tagen, als wir noch nicht zusammen wohnten und meine nicht komplett ausgepackte Sporttasche in ihrem Flur unmissverständlich signalisierte: Hier stehe ich, ich kann auch anders(wo). Tja, so weit hergeholt ist dieser Eindruck mit dem vermuteten tiefsitzenden Fluchtreflex also gar nicht. Mit der Figur des Richard Kimble verbindet mich in der Tat einiges. Oder sollte ich sagen: verband mich einiges. Ich kann mich nicht erinnern, den Doktor auf der Flucht je in Hausschuhen gesehen zu haben. Das heißt, ich bin jetzt also angekommen. Und die alte Frage Should I stay or should I go? hat sich wohl erledigt.
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