Donnerstag, 3. August 2006
Ein Bild von einem Blümchenblogger
Ja, alles ganz übel, ich weiß. Libanon, Gesundheitsreform, verschlüsselte Satellitenprogramme, randalierender Rechtsblogger-Mob und terrorbedingte Bahnverspätungen. Kann man als Blogger vor alledem die Augen verschließen? Nein, nicht wirklich. Aber selbst wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, würde ich mir heute noch eine Prise Blütenstaub gönnen. Ich bin und bleibe, was ich bin: ein Blümchenblogger.

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Montag, 31. Juli 2006
Flurbereinigung
Mehr als einmal habe ich mir schon vorgenommen, dieses Provisorium von Deckenleuchte im Flur endlich zu beheben. Die dreistrahlige Halogenschiene liegt auch schon länger parat. Nun könnte ich mich damit rausreden, dass mich die zwielichtigen Erfahrungen mit Leuchten aus dem Hause Ikea schrecken. Aber es ist auch Bequemlichkeit im Spiel und mangelnde Lust, mir beim Dübellöcher-Bohren in diese mörderharte Betondecke Rücken und Nacken zu verrenken.

Tja, und verschärfend hinzu kommt noch ein kleines Trauma in Sachen Provisorien im Flur: Als ich anno 90 mit meiner damaligen Freundin zusammenzog, hatten wir uns beim Renovieren der heruntergekommenen Altbauwohung ziemlich verausgabt. Nicht unbedingt finanziell, aber nervlich. Auf den letzten Metern ging uns beim Verlegen des Teppichbodens (Leute, vergesst Eure berechtigten Einwände: Den Dielenboden wieder herzurichten, hätte einen vierstelligen DM-Betrag verschlungen) die Luft aus. Im Flur stand noch allerlei herum, das seinen Platz noch nicht gefunden hatte. Und so blieb der Flurboden mit den verfleckten und unabgeschliffenen Holzdielen eine offene Wunde in der ansonsten sehr gepflegten Wohnung.

So gingen einige Jährchen ins Land. Ich hatte noch ein paar Anläufe unternommen, meine Freundin zu motivieren, allez hopp, lass uns doch die letzten Meter jetzt auch noch klarmachen. Aber irgendwie wollte sie nicht so recht. Aber als sie dann zu einer einwöchigen Studienreise nach Irland fuhr, schritt ich zur Tat: Mit einem Freund holte ich die Reststücke aus dem Keller, und zusammen puzzelten wir so lange rum, bis der Flurboden endlich zum Rest der Wohnung passte.

Die Rückkehr meiner geliebten C. in unser gemeinsames Domizil verlief dann aber anders als ich mir das vorgestellt hatte: Sie zog einen Riesen-Flunsch und machte mir bittere Vorhaltungen, wie dilettantisch wir das angepackt hätten. Sie hätte es doch schon so perfekt durchgeplant gehabt, dass auch der Strich des Bodens bis in die letzten Winkel stimmt, und wir hätten das ja jetzt wohl total vergurkt. Darauf ich: "Deine detaillierte Planungsarbeit in Ehren, aber de facto lagen die Reststücke vom Boden jetzt schon fünf Jahre im Keller. Und dort wären sie bald auch endgültig verrottet, wenn ich das jetzt nicht in Angriff genommen hätte."

Dem Argument hatte sie nichts entgegenzusetzen. Und damit war das Thema erst mal durch. Aber irgendwie hatte ich das vage Gefühl, dass bei ihr da ein Restgroll zurückgeblieben war wegen der Aktion. Wie auch immer, einige Monate später versandete war unsere Beziehung ohnehin im verflixten siebten Jahr. Und als sie mir ankündigte, auszuziehen, sagte ich nur, ist ok, vermutlich das beste für alle Beteiligten. Jahre später im Rahmen eines Aufarbeitungsgesprächs gestand sie mir dann, dass meine Aktion im Flur ihr tatsächlich das Gefühl gegeben habe, dies sei nicht mehr ihre Wohnung. Im Lauf der Jahre hätte sich bei ihr nämlich die Vorstellung festgesetzt, dass sie wohl ausziehen würde, sobald dieses Provisorium im Flur behoben wäre. Und so war es dann auch. Manchmal, wenn ich das oben abgebildete Ensemble aus Lüsterklemme, Leitungsdraht und Birnenfassung einschalte, durchzuckt mich die Erinnerung an das vorige Flur-Provisorium. Dieses hier werde ich wahrscheinlich lassen, wie es ist.

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Freitag, 28. Juli 2006
Schreck-Sekunden
Hin und her überlegt hatten wir gestern, wie wir das klandestine und klangvolle Kerbtier wirkungsvoll aus der Reserve locken: die Plage in einem geharnischten Beitrag anprangern, der auch Namen nennt oder gleich die chemische Keule einsetzen? Den letztlich zielführenden Vorschlag machte dann meine Frau: "Heb doch mal diesen Übertopf hoch und rüttel mal an jenem Bäumchen". Gesagt, getan - und just als wir uns wieder anderen und wichtigeren Dingen zugewandt hatten, spazierte der junge Hüpfer ganz keck quer über das Fenster im Arbeitszimmer. Glas drüberstülpen, Blatt Papier unterschieben und den kleinen Krachmacher auf die Wiese vorm Haus tragen war eins. Da kann er jetzt rascheln und asseln nach Herzenslust. Viel anderes Vergnügen kennt so ein Vieh ja nicht. Aber nichts wäre verkehrter, als der Kreatur ihr So-sein zu verargen. Manchmal, in ganz besonderen Momenten des Einklangs mit der Schöpfung, ersehne ich die Gabe des heiligen Franziskus, die frohe Botschaft auch parkinson-kranken Kojoten, tollwütigen Rehkitzen und allem anderen gestörten Getier vermitteln zu können. Aber so sehr ich auch in Zungen rede, starren mich die Viecher blöde an. Manchmal versuchen sie auch, mir ins Hosenbein zu zwicken. Oder an der Ecke der Dunkelkammer das zitternde Hinterbein zu heben. Und das alles nur, um emotionale Überreaktionen zu provozieren. Wer ihnen also über den Weg läuft und mal angeknurrt wird: nicht erschrecken. Die tun nichts, die wollen nur spielen.

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