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Donnerstag, 29. Dezember 2005
Nachbetrachtung zum Fest
mark793, 15:53h
Es begab sich zu der Zeit, nachdem Angela Merkel in Berlin Volkstribunin geworden war, dass ich nach rund 20 Jahren mal wieder einen Weihnachtsgottesdienst besuchte. Mit meinem angetrauten Weibe und unserem Kindelein verschlug es mich in eine evangelische Kinder-Mette - zelebriert von einer Pastorin. OK, sowas soll's geben, ich bin da ja völlig unvoreingenommen. Dass dann aber auch der Josef im Krippenspiel von einem Mädchen dargestellt wurde, fand ich ein wenig, nun ja, seltsam. Zumal es bei den Hirten auf dem Felde ja nicht an Jungs fehlte. Hat nun die matriarchalische Weltverschwörung das protestantische Christentum schon so weit unterwandert, dass im weihnachtlichen Krippenspiel unverhohlen lesbische ehe-ähnliche Lebensgemeinschaften promotet werden? Hatte mir eigentlich vorgenommen, die Pastorin darauf bei Gelegenheit mal anzusprechen. Dann überlegte ich aber weiter und erforschte mein eigenes Herz, ob ich selber als Junge gern den Josef gespielt hätte. Und diese Frage muss ich ja nun ganz klar verneinen. König Herodes, klar, immer gerne - garstiger Herbergsvater, kein Problem, die Rolle war mir gewissermaßen wie auf den Leib geschneidert. Aber Josef? No way. Genausowenig übrigens wie Balthasar - das war nämlich derjenige der drei heiligen Könige, dessen ethnische Zugehörigkeit mittels schwarzer Erdal-Schuhcreme im Gesicht signalisiert wurde, wenn die Sternsinger am Dreikönigstag in meiner Heimatgemeinde auf Tour gingen. Ich weiß gar nicht, ob dieser Brauch noch gepflegt wird. Bei den heiligen drei Königen, die im Weihnachtsgottesdienst auftraten, war jedenfalls kein Schwarzer (darf man das so sagen?) dabei. Ist vielleicht nicht mehr politisch korrekt. Wie ja auch Weihnachten streng genommen nicht pc ist. In dieser Frage war man in der DDR eigentlich schon deutlich weiter. Da sprach man ja auch nicht von Weihnachtsengel, sondern von Jahresendfigur. Wobei - wenn ich weiter darüber nachdenke, dann ist Silvester, das ja nach einem christlichen Heiligen benannt ist, auch nicht pc. Und dass wir Neujahr feiern, ist ja ein Schlag ins Gesicht unserer jüdischen und islamischen Mitbürger, die ja mit ganz anderen Kalendern und Zeitrechnungen operieren. Also verzichte ich schweren Herzens darauf, meinen Leserinnen und Lesern am 31.12. ein schönes neues neues Jahr zu wünschen. Ich tue es stattdessen jetzt schon und hoffe, damit niemanden diskriminiert zu haben.
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Samstag, 24. Dezember 2005
Weihnachtlicher Waffenstillstand
mark793, 14:27h
Natürlich hatte ich längst geahnt, was hinter dem letzten Türchen des Adventskalenders wartet. Keine große Überraschung, sondern alle Jahre wieder die Einsicht: Weihnachten, das ist jenseits des ganzen Kommerz- und Klerikal-Klimbims ja auch das, was man selber daraus macht. Und so habe ich mich wieder dazu durchgerungen, wenigstens auf den letzten entscheidenden Metern meinen Frieden mit dem Fest zu schließen. Oder zumindest Waffenstillstand.
Ich wünsche allen Bloggern, Kommentatoren, Lesern (und selbstverständlich auch den Damen unter ihnen) sowie der restlichen Bevölkerung der Stadt und des Erdkreises (nebst etwaigen Bewohnern benachbarter Planeten und erdähnlicher Trabanten in anderen Galaxien) frohe und friedvolle Festtage.
Ich wünsche allen Bloggern, Kommentatoren, Lesern (und selbstverständlich auch den Damen unter ihnen) sowie der restlichen Bevölkerung der Stadt und des Erdkreises (nebst etwaigen Bewohnern benachbarter Planeten und erdähnlicher Trabanten in anderen Galaxien) frohe und friedvolle Festtage.
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Mittwoch, 21. Dezember 2005
Nativity Play reloaded
mark793, 17:26h
Blogger-Kollege Le Teil geht auf eine Weihnachtsaufführung, bei der sein Nachwuchs mitwirkt. Das erinnert mich an ein dunkles Kapitel meiner eigenen Kindheit: Ich hatte bei solchen Veranstaltungen auch auf der Bühne gestanden. Einmal als König Herodes, der den Kindermord von Bethlehem befiehlt. Und im Jahr darauf spielte ich einen garstigen Herbergswirt, der Josef samt seiner hochschwangeren Maria die Tür weist. Dabei waren diese Darbietungen noch ein vergleichsweise lustiger Teil des Weihnachtsgeschehens. An den Heiligabend zuhause bei meinen Eltern habe ich deutlich unangenehmere Erinnerungen. Es war - solange wir klein waren - in aller Regel eine ziemlich krampfige Veranstaltung, die trotz des guten Willens aller Beteiligten oft genug in enttäuschten Erwartungen, Geschrei und Türenschlagen endete. Also noch viel brachial-bescheuerter als man es bei "Familie Heinz Becker" alle Jahre wieder am Bildschirm miterleben kann. Tatsächlich kann ich es als weitgehender Fernseh-Abstinenzler aber wirklich kaum erwarten, bis "es Hilde" wieder ihren unsterblichen Satz sagt: Jooh, Heinz, isch seh dä Baum schun falle...
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