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Freitag, 1. Juli 2005
Vertrauens- und Sonntagsfragen
mark793, 17:06h
Der Grünen-Abgeordnete Werner Schulz hat vorhin ein großes Wort gesprochen: "Wir leben in einer Demokratie, nicht in einer Demoskopie." Wobei die Grenzen zunehmend verwischen, denn der permanente Blick auf die Wasserstandmeldungen des Wählerwillens gehört ja längst zum politischen Tagesgeschäft. Für einen Politiker oder auch anderen politisch interessierten Menschen wäre es vielleicht mal ganz lehrreich, im Callcenter live dabeizusein, wenn die aktuellen Kurswerte von Parteien, Fraktionen und Spitzenpolitikern aus repräsentativen Zufallsstichproben per Telefon erfragt werden. Ich weiß, wovon ich rede, denn während meines Politik-Studiums in den 80er Jahren habe ich bei der Forschungsgruppe Wahlen Politbarometer und Wahlumfragen telefoniert. Und ich muss sagen, das massenhafte Interviewen von wahlberechtigten Mitbürgern hat mir mehr Illusionen geraubt als 30 Jahre "Spiegel"-Lektüre. Ich erinnere mich speziell an die 1987er Landtagswahl in Schleswig-Holstein (Barschel und so...). Als Einstiegsfrage hatten wir im Skript: "Was sind aus Ihrer Sicht die drei gravierendsten Probleme in Ihrem Bundesland?" Irgendwann hatte ich jemanden am Rohr, der mir allen Ernstes in den Ohrstöpsel blökte: "Dass zuwenich für die alten Frontkämpfer getan wird in diesem Land, DAS ist das Hauptproblem." Als Sozialforscher ist man ja der Neutralität verpflichtet, und daher fragte ich erst mal skriptgemäß weiter "und das zweite Problem?" Es gebe kein zweites Problem, blaffte der alte Sack, würde mehr für die alten Frontkämpfer getan, stünde alles zum Besten hier im Norden. Ich konnte dann doch nicht ganz an mich halten und gab dem Herrn dezent zu verstehen, dass sich das Problem der alten Frontkämpfer irgendwann biologisch erledigen würde. Daraufhin betrachtete der Interviewte das Gespräch vorzeitig als beendet, und so habe ich nie erfahren, was er gewählt hätte, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl gewesen wäre. Aber wenn ich ehrlich sein soll, wollte ich das schon gar nicht mehr so genau wissen. Denn am kommenden Sonntag war ja gar keine Landtagswahl...
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Donnerstag, 30. Juni 2005
Vorsicht, Hochspannung!
mark793, 01:03h
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
in dumpfer Stube beisammen sind - so begann die traurige Ballade von Gustav Schwab, die meine Oma auswendig zu rezitieren pflegte, wenn ein Gewitter im Anmarsch war. Der kommende Tag im Gedicht ist ein Feiertag, und die vier malen sich aus, was dieser Tag wohl bringen mag, während das Gewitter immer näher kommt. Dann kommt natürlich, was kommen muss:
Sie hören's nicht, sie sehen's nicht
es flammt die Stube wie lauter Licht
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
vom Strahl miteinander getroffen sind
Vier Leben endet ein Schlag
und morgen ist Feiertag.
Trotz der massiven Horrorshow, die dieses Gedicht vor über drei Jahrzehnten in mein kindliches Gemüt eingebrannt hat, kann ich der Urgewalt eines Gewitters inzwischen doch einiges abgewinnen, wenn ich nicht gerade draußen im Freien unterwegs bin. Ich hab das unbestimmte Gefühl, dass die massive natürliche Elektrizität, die da zwischen Himmel und Erde unterwegs ist, meine Akkus wieder auflädt. Werde gleich mal passende Stromgitarrenmusik auflegen: High Voltage von AC/DC...
in dumpfer Stube beisammen sind - so begann die traurige Ballade von Gustav Schwab, die meine Oma auswendig zu rezitieren pflegte, wenn ein Gewitter im Anmarsch war. Der kommende Tag im Gedicht ist ein Feiertag, und die vier malen sich aus, was dieser Tag wohl bringen mag, während das Gewitter immer näher kommt. Dann kommt natürlich, was kommen muss:
Sie hören's nicht, sie sehen's nicht
es flammt die Stube wie lauter Licht
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
vom Strahl miteinander getroffen sind
Vier Leben endet ein Schlag
und morgen ist Feiertag.
Trotz der massiven Horrorshow, die dieses Gedicht vor über drei Jahrzehnten in mein kindliches Gemüt eingebrannt hat, kann ich der Urgewalt eines Gewitters inzwischen doch einiges abgewinnen, wenn ich nicht gerade draußen im Freien unterwegs bin. Ich hab das unbestimmte Gefühl, dass die massive natürliche Elektrizität, die da zwischen Himmel und Erde unterwegs ist, meine Akkus wieder auflädt. Werde gleich mal passende Stromgitarrenmusik auflegen: High Voltage von AC/DC...
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Montag, 27. Juni 2005
Kindermund tut Kacke kund
mark793, 14:45h
"Was Kinder so von sich geben", sagte der alte Herausgeber einmal zum Chefredakteur, "das interessiert allenfalls deren Eltern - und vielleicht noch Omas und Tanten - aber sonst niemanden." Hab ich auch immer so gesehen, auch wenn ich gestehen muss, dass in der Kindermund-Rubrik der "Eltern" so manches Bonmot dabei ist. Aber einen echten Knüller kindlicher Metaphorik entdeckte ich jetzt bei Frau Pommesrot. Deren Tochter erzählte was von klingelnden Würstchen, bevor sie einen Bob in die Bahn schickte. Netter kann man Kinderkacke nicht umschreiben.
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