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Montag, 22. November 2010
Geht es wieder gegen "geistiges Grenzgängertum"?
mark793, 13:05h
Über die Frage, ob das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung auch die Hausfassade schützt oder nicht, kann man durchaus kontrovers diskutieren. Und von dieser Möglichkeit wurde (auch hier in der Dunkelkammer) so ausgiebig Gebrauch gemacht, dass wir die jeweiligen Argumente nun wirklich als bekannt voraussetzen dürfen. Aber allmählich gewinnt die Kontroverse doch eine neue, nunja, Qualität: In Essen wurden Presseberichten zufolge jetzt Häuserfronten, die bei Googles Streetview-Dienst verpixelt erscheinen, mit rohen Eiern beworfen. Parallel dazu blasen sogenannte Aktivisten für die Entpixelungsinitiative "Finde das Pixel" zur Bilderjagd nach verpixelten Hausfronten.
Schöne, neue Welt, die solchen Tatendrang beflügelt. Bin ich der einzige, den dieser Aktionismus an die FDJ-Aktion "Blitz kontra NATO-Sender" ("Aktion Ochsenkopf") erinnert? Kurz nach dem Mauerbau zogen in der DDR Horden von Pionierpimpfen und Komsomolzen von Häuserblock zu Häuserblock und inspizierten, ob die Bürger ihre Antennen auch brav auf das Ostfernsehen ausgerichtet hatten. Wo die Antennen auf die Programme der Imperialisten (Sender Ochsenkopf) ausgerichtet waren, gab es entweder sinnige Sprüche ("Der Ochsenkopf auf dem Dach, der Klassenfeind im Schlafgemach") an die Hauswand, oder die Jungstalinisten stiegen gleich aufs Hausdach und verdrehten oder demolierten die Empfangsanlagen eigenhändig. Die FDJ-Aktion richtete sich explizit "gegen Ochsenköpfe und geistiges Grenzgängertum".
Und jetzt geht es mit dem gleichen kulturrevolutionären Furor gegen analoge Spießer, die sich der nett gemeinten Transparenz-Diktatur von Googles Gnaden nicht ohne weiteres unterordnen wollen. Wobei die Gründe für das Verpixeln wie gesagt zum Teil auch irrational sein mögen und auf Fehlwahrnehmungen beruhen. Einen hinreichenden Grund, die Leute zu ihrem Glück und Gugels Gassenglotze oder anderen Bildersammlungen zu zwingen, liefert das meines Erachtens aber nicht. Und für Eierwürfe und dergleichen schon gar nicht. Auf eine digitale Öffentlichkeit, die solche Argumente nötig hat, ist mir mit Verlaub gesagt geschissen. Oder wie es George Bush senior mal so schön ausdrückte: read my hips!
Schöne, neue Welt, die solchen Tatendrang beflügelt. Bin ich der einzige, den dieser Aktionismus an die FDJ-Aktion "Blitz kontra NATO-Sender" ("Aktion Ochsenkopf") erinnert? Kurz nach dem Mauerbau zogen in der DDR Horden von Pionierpimpfen und Komsomolzen von Häuserblock zu Häuserblock und inspizierten, ob die Bürger ihre Antennen auch brav auf das Ostfernsehen ausgerichtet hatten. Wo die Antennen auf die Programme der Imperialisten (Sender Ochsenkopf) ausgerichtet waren, gab es entweder sinnige Sprüche ("Der Ochsenkopf auf dem Dach, der Klassenfeind im Schlafgemach") an die Hauswand, oder die Jungstalinisten stiegen gleich aufs Hausdach und verdrehten oder demolierten die Empfangsanlagen eigenhändig. Die FDJ-Aktion richtete sich explizit "gegen Ochsenköpfe und geistiges Grenzgängertum".
Und jetzt geht es mit dem gleichen kulturrevolutionären Furor gegen analoge Spießer, die sich der nett gemeinten Transparenz-Diktatur von Googles Gnaden nicht ohne weiteres unterordnen wollen. Wobei die Gründe für das Verpixeln wie gesagt zum Teil auch irrational sein mögen und auf Fehlwahrnehmungen beruhen. Einen hinreichenden Grund, die Leute zu ihrem Glück und Gugels Gassenglotze oder anderen Bildersammlungen zu zwingen, liefert das meines Erachtens aber nicht. Und für Eierwürfe und dergleichen schon gar nicht. Auf eine digitale Öffentlichkeit, die solche Argumente nötig hat, ist mir mit Verlaub gesagt geschissen. Oder wie es George Bush senior mal so schön ausdrückte: read my hips!
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Sonntag, 21. November 2010
View from a bridge
mark793, 15:09h

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Freitag, 19. November 2010
BLOGGER-SKANDAL: Ich habe Don Alfonso gestreetviewt!
mark793, 23:11h

So, das hier ist mehr oder weniger das Bild, das ich damals dann doch nicht machte, weil die Betreiber der Pizzeria einen ziemlichen Aufstand machten, als ich mit dem Fahrrad davor stehenblieb und die Kamera klarmachte. Dabei hatte ich gar nicht unbedingt an Veröffentlichung gedacht. Der Gedanke dahinter war eher, hey, das könntest Du doch dem Don Alphonso schicken. Aber die Leute (übrigens nicht diejenigen, die das Google-Guckmobil hier abgelichtet hat) laberten und radebrechten zu mehreren auf mich ein, dass sie das überhaupt nicht möchten. Und da es mir letztlich zu blöd war, Grundsatzdebatten über Panoramafreiheit anzuzetteln mit Leuten, die der deutschen Sprache nur bedingt mächtig sind, radelte ich unverrichteter Dinge von dannen und vergaß die Angelegenheit mehr oder weniger - bis die Diskussion um Google-Street-View hochkochte, in der ich die Auffassung vertrat, der Wunsch von Betroffenen nach Verpixelung ihrer Hausfassaden sei zu respektieren, egal, wie irrational die Gründe auch sein mögen. Da bin ich im Nachhinein doch froh, dass ich mein Recht aufs Bild nicht durchgesetzt habe (auch nicht, indem ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal mit dem Auto vorbeifahre und draufhalte mit der Knipse), denn das würde eine Steilvorlage liefern, mich der Heuchelei zu zeihen. Nach dem Motto, Google soll das respektieren, er selber hält aber drauf wie er lustig ist. Nein, das geht natürlich nicht. Was aber auch nicht geht, ist, alle Hausfassaden-Verpixler pauschal als Egoisten zu beschimpfen. Vor allem, wenn man auch erst mal keine besseren Argumente parat hat als MEIN HAUS und MEINE NACHBARSCHAFT und MEINE FREIHEIT, DIESEN DIENST ZU NUTZEN. Ja, nee, is klar: Jeder denkt an sich, nur ich denk an mich...
P.S. Ach ja, falls es jemanden interessiert: Unsere Bleibe liegt ja etwas abseits der Landeshauptstadt und ist deswegen im Moment auch nicht zu sehen in Googles Gassenglotze. Wie wir das handhaben, wenn sich die Frage konkreter stellt, wird man sehen müssen. Aber nach derzeitigem Stand der Überlegungen würde ich keinen Verpixelungsantrag stellen. Im Erdgeschoss befinden sich Ladenlokale, und deren etwaigen Interessen, sich bei Streetview zu präsentieren, würde ich nicht ohne vorherige Absprache zuwiderhandeln.
P.P.S. Man kann die ganze Thematik auch so sehen oder auch ganz anders.
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