Dienstag, 24. Mai 2005
112
Gestern habe ich die numerologische Steilvorlage verpasst, aus Anlass von "Online seit 111 Tagen" einen schnapszahligen Beitrag zu schnitzen. Stattdessen ruft mir die 112 heute den Wohnungsbrand im Haus meiner Eltern zurück ins Gedächtnis. Der meinen Vater das Leben gekostet hat. Und bei dem ich nach zwei Versuchen, noch in die verqualmte Wohnung reinzugehen und ihn da rauszuholen einsehen musste, dass ich das besser der Feuerwehr überlasse.

Die war auch verdammt fix, ebenso der Notarztwagen. Und als mein Vater auf der Liege in NAW wieder zu sich kam und mit der Notärztin rumflachste, schien alles nicht so schlimm. Aber die Ansage der Ärztin, morgen wäre er wieder wohlbehalten zuhause, hat sich nicht bestätigt. In der Nacht starb er ohne klar erkennbare Ursache, und erst die Obduktion brachte es zutage, dass er wohl einen Herzanfall gehabt haben muss. Dieser Herzanfall hat ihn erwischt, als er einen Tiegel Fett für Pommes Frites auf dem Herd hatte. Ich war im Keller den Flur am Tapezieren, und da meine Mutter ein paar Tage weg war, hatte er versprochen, Pommes à la Papa zu machen für mich.

Das ist jetzt gut zehn Jahre her. Mein schwerer schwarzer Ledermantel, den ich an jenem Tag anhatte, riecht manchmal noch ganz leicht nach dem Brand. Und mit dem Geruch in der Nase kommen auch die Bilder wieder zurück. Und mit den Bildern die Erinnerung an das beschissene Gefühl, nichts tun zu können. Einen dritten Versuch, da selber nochmal reinzugehen, hätte ich vermutlich selber nicht überlebt.

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Montag, 23. Mai 2005
Fernseh-Farbenleere
Was für ein Wochenende. Deutschlands Träller-Trulla Gracia erkämpfte sich beim Grand-Prix die rote Laterne. Schumis roter Renner holte in Monaco sogar nur halb so viele Punkte wie Gracia in Kiew. Und im einwohnerstärksten deutschen Bundesland wurde die letzte rot-grüne Landesregierung in die Wüste geschickt. Vielleicht hätte mich das alles mehr tangiert, wenn die TV-Bildröhre nicht wegen eines Satellitenempfangs-Problems die ganze Zeit schwarz geblieben wäre.

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Samstag, 21. Mai 2005
Hallo Mister Gott...
Nachdem sich Bloggerkollegen bereits Gedanken um mein Seelenheil machen, gestehe ich es hier rundheraus und freimütig: Ich stehe dem Christentum und der Kirche verdammt sehr ferne. Aber offiziell bin ich immer noch Mitglied. Und zwar nicht bei irgendeiner Duodez-Sekte, sondern der alleinseligmachenden römisch-katholischen. Aber wem erzähl ich das, wir sind ja alle Papst neuerdings. In der täglichen Lebenspraxis und weltanschaulich spielt das keine große Rolle für mich, über die paar Kröten Kirchensteuer muss ich als Kleinverdiener auch keine Krokodilstränen vergießen. Im Grunde hätte ich auch keinen Aufhänger gehabt, dieses thematische Weihrauchfass hier aufzumachen, hätte meine Frau mich dieser Tage nicht kalt erwischt mit der harmlosen Frage: "Schatz - wollen wir unsere Kleine nicht taufen lassen? Meine Freundin ***** ist doch Pastorin. Für die Kleine wäre es ne super Sache, wenn sie Paten hätte, und wir könnten ein schönes Familienfest feiern, vor allem Deiner Mutter würde das doch sehr gefallen und überhaupt..." Tja, zugegeben: Die Stichhaltigkeit dieser Argumente ist zunächst mal nicht von der Hand zu weisen. Aber liefert das alles hinreichende Gründe, meine Tochter ungefragt zur Zwangsmitgliedschaft in einem Verein zu verpflichten, dessen Welterklärungsmodell mir gelinde gesagt ziemlich fragwürdig erscheint? Komme mir keiner mit spitzfindigen Einlassungen, warum evangelisch irgendwie doch eher ok sein könnte als katholisch. Das ist mir ehrlich gesagt sowas von Banane wie Hinayana- und Mahayana-Buddhismus oder Sunna und Shia oder Skylla und Charybdis. Andererseits: Hat mir die Taufe wirklich geschadet? Die Taufe als solche sicher nicht, aber auf die später folgenden Diskussionen um Sinn oder Unsinn des sonntäglichen Kirchgangs und des Beichtsakraments hätte ich gerne verzichten können. So völlig gottlos möchte ich mein Kind aber auch nicht großziehen. Kurzum: Ich bin da etwas ratlos. Wenn es also Gottes Wille wäre, dass die Kleine den Segen bekommt, dann wäre es doch schön, wenn der Allmächtige oder sein Heiliger Geist ein kleines Zeichen setzen könnte. Muss ja nicht eine Wolken- und Feuersäule sein, ne weiße Taube oder ein brennender Dornbusch täten es auch.

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